Schwedenreiter

Bezeichnung Wert
Titel
Schwedenreiter
Untertitel
ein Heimatroman
Medienart
Person
Verlag
Jahr
ISBN13
978-3-7013-1261-0
Annotation
"Die Feigen ins Kröpfchen, die Helden ins Töpfchen" - ein Roman über die Nachwirkungen des Zweiten Weltkriegs. (DR) Sukares Roman handelt von einem SS-Mann und Gebirgsjäger, der als Geschichtenerzähler Mader Bascht in Salzburg bekannt wurde. Während des Entnazifizierungsprozesses wird der Kriegsverletzte und NS-Funktionär mehrmals verhört, erhält aber schließlich, nach seinen "Pyjamajahren", im Zuge der bald einsetzenden Reintegrationspolitik Österreichs 1951 seinen Posten als Lehrer und späterer Schuldirektor zurück. Dies alles befördert der Erzähler Paul Schwedenreiter durch seine intensiven Recherchen, denen er sich nach dem Tod seiner geliebten Ehefrau Meret widmet, zu Tage. Hintergrund bildet zudem die Geschichte seines Großvaters Felician, der im Zweiten Weltkrieg während eines Fronturlaubs desertiert und sich in den Bergen versteckt. Seine Mutter Rosa lässt er nur wissen, dass er nicht mehr in den Krieg zurückkehrt, sie wird aber trotzdem ins KZ deportiert. Nach dem Zusammenbruch der Zweiten Republik und der raschen Selbstkonstituierung Österreichs als "erstes Opfer Hitlers" wurden die Mitglieder der Familie Schwedenreiter in ihrem Heimatort Stumpf, das einen ausgeprägten Heldengedenkkult pflegt, weiter als "Partisanen" und selbst noch in der 2008 erschienenen Ortschronik verunglimpft. Paul als letzter "Schwedenreiter" kann daher weder mit der Vergangenheit noch mit seinem uneinsichtigen Heimatort, der Bascht seine leitende Funktion in der SS einfach nachsieht und ihn zum Retter ihres Dorfes kürt, Frieden schließen. Daher setzt er am Ende als "Brückenbauer" seiner Familie und den Deserteuren, die "das Leben mehr als den Führer geliebt haben", selbst ein Denkmal: "In Liebe und Dankbarkeit denken wir an euch und eure mutige Feigheit." Die Autorin zitiert nicht nur gelegentlich wissenschaftliche Quellen, sondern auch berühmte Werke wie Bernhards "Frost" oder Fritschs "Fasching", womit sie sich in die Tradition der Trümmerliteratur und Antiheimatromane nach 1945 einreiht. Ein äußerst - auch stilistisch - lesenswertes Buch über das Vergessen und Erinnern an ein historisches Ereignis, das bis heute seine traumatisierende, emotionsgeladene und vor allem prekäre Wirkung in den Köpfen der nächsten Generationen offenbart.