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Die große Versuchung

Bezeichnung Wert
Titel
Die große Versuchung
Untertitel
Roman
Medienart
Person
Verlag
Jahr
ISBN13
978-3-518-43178-8
Schlagwort
Annotation
Klappentext: Kann Musik, insbesondere der Vals criollo, als verbindende Kraft zwischen allen Schichten und Weltanschauungen wirken? Toño Azpilcueta, zwanghaft beseelter Experte für traditionelle peruanische Musik, ist davon nicht nur überzeugt, sondern geradezu besessen: Nach dem Konzert eines begnadeten Ausnahmegitarristen begibt sich Toño auf dessen Spuren und macht sich daran, ein Buch über den Vals zu schreiben, das die Welt mit Sicherheit zum Besseren verändern würde. Vargas Llosa erzählt von Toños Recherche, seiner panischen Angst vor Ratten mit psychosomatischen Auswirkungen, seiner heimlichen Liebe zu einer berühmten Sängerin und seiner geduldigen Ehefrau, die den Unterhalt für die Familie allein stemmen muss. Als die Entstehung des Buches endlich Gestalt annimmt und Toño in einen wahren, wenn auch zerstörerischen Schaffensrausch kippt, werden die Leser*innen für ihre Ausdauer belohnt: Diese Passage, eine selbstironische Reflexion über den oft mühsamen Prozess des Schreibens, zählt zu den stärksten Momenten der Lektüre. Die sachbuchartigen Kapitel dazwischen erläutern die Geschichte der traditionellen peruanischen Musik - gründlich recherchiert, mit vielen Aufzählungen von Titeln, Künstler*innen und Abhandlungen. In diesen aus allwissender Perspektive verfassten Kapiteln, die wohl als Ausschnitte von Toños geplantem äRomanô verstanden werden sollen, wendet sich der Autor immer wieder direkt an seine Leserschaft. Die unerträglichen Wiederholungen und die Beschwörung der alles verbindenden Kraft des peruanischen Walzers weisen aufdringlich darauf hin, dass sich Toños naiver Idealismus gefährlich nah am Wahnsinn bewegt à Der glühend-enthusiastische Stil schwappt aber auch über in die eigentliche Handlung des Romans. Mit etwas gutem Willen lässt sich das als ironische Anpassung an die immer wieder gerühmte Huachafería des peruanischen Volkes deuten, die übertrieben gefühlvolle Ausdrucks- und Lebensweise an der Grenze zum Kitsch. Wiederholtes Schwärmen über die äglänzenden lebhaften Äugleinô seiner heimlichen Liebe (S. 49 u.a.) und die ätolleô Quittenmarmelade (S. 83 u.a.) ist aber keine Schwachstelle der Übersetzung, sondern einfach nur platt. Selbst wenn es sich tatsächlich um den letzten Roman des Literaturnobelpreisträgers handeln sollte - mit Blick auf das meist knappe Bibliotheksbudget will die Anschaffung gut überlegt sein. Ein Buch für ausgesprochene Fans des Literaturnobelpreisträgers und/oder besonders geduldige Leser*innen. Über den Autor und weitere Mitwirkende Mario Vargas Llosa, geboren 1936 in Arequipa/Peru, studierte Geistes- und Rechtswissenschaften in Lima und Madrid. Bereits während seines Studiums schrieb er für verschiedene Zeitschriften und Zeitungen und veröffentlichte erste Erzählungen, ehe 1963 sein erster Roman Die Stadt und die Hunde erschien. Der peruanische Romanautor und Essayist trat stets als politischer Autor auf und war damit auch weit über die Grenzen Perus hinaus sehr erfolgreich. Zu seinen wichtigsten Werken zählen Das grüne Haus, Das Fest des Ziegenbocks, Tante Julia und der Schreibkünstler und Das böse Mädchen. Vargas Llosa war Ehrendoktor verschiedener amerikanischer und europäischer Universitäten und hielt Gastprofessuren unter anderem in Harvard, Princeton und Oxford. 1990 bewarb er sich als Kandidat der oppositionellen Frente Democrático (FREDEMO) bei den peruanischen Präsidentschaftswahlen und unterlag in der Stichwahl. Daraufhin zog er sich aus der aktiven Politik zurück. Neben zahlreichen anderen Auszeichnungen erhielt er 1996 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 2010 den Nobelpreis für Literatur. 2021 wurde er in die Académie Française aufgenommen. Mario Vargas Llosa verstarb am 13. April 2025 im Alter von 89 Jahren in Lima/Peru.