Wir waren keine Menschen mehr

Bezeichnung Wert
Titel
Wir waren keine Menschen mehr
Untertitel
Erinnerungen eines Wehrmachtssoldaten an die Ostfront
Verfasserangabe
Raffeiner, Luis
Medienart
Sprache
Person
Reihe
Verlag
Ort
Bozen
Jahr
Umfang
229 S.
ISBN10
88-7283-372-8
ISBN13
978-88-7283-372-8
Schlagwort
Annotation
Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html); Autor: Claudia Stockmaier; Ein Südtiroler schreibt über seine Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg. (BO) Luis Raffeiner kam 1917 in Karthaus im Südtiroler Schnalstal zur Welt. Nach karger Kindheit und ebenso entbehrungsreicher Jugendzeit optierte er 1939 für Deutschland, wurde zur Wehrmacht eingezogen und nahm am Russlandfeldzug teil. Jahrzehntelang konnte er wie viele andere auch über das damals Erlebte nicht sprechen. Erst 1991 schildert er seine Lebensgeschichte einer Bekannten, die sie für die Nachwelt aufgezeichnet hat. In nüchternem, abgeklärtem Erzählton berichtet Raffeiner vom Soldatenalltag. An die Ostfront abkommandiert, versteht er sich durch seinen Erfindergeist, sein Improvisationstalent und sein handwerkliches Geschick unentbehrlich zu machen. Selber selten zum Waffengebrauch gezwungen, lernt er über die Verbrechen seiner Kameraden hinwegzusehen. Abgestumpft und vom Alkohol betäubt, nimmt er Gewalt und Gräuel nicht mehr richtig wahr, schlechtes Gewissen konnte sich keiner leisten. Trotz allem bewahrt sich Raffeiner seine Menschlichkeit, bemüht sich, anständig zu bleiben. Viele seiner Eindrücke konnte er mit der Kamera festhalten und erstaunlicherweise über die Kriegsjahre retten. Luis Raffeiners Geschichte ist die eines unpolitischen Menschen, eines einfachen Soldaten, der kein Deserteur und kein Widerstandskämpfer, aber auch kein Kriegsheld und eingefleischter Nazi war. Sehr interessant und ausführlich ist das Nachwort des Historikers Hannes Heer, Initiator der vieldiskutierten Wehrmachtsausstellung, der in kompetenter Weise Raffeiners Biografie historisch einordnet und manche Erinnerungslücke behutsam korrigiert. Als Bericht eines der letzten Zeitzeugen vor allem für junge LeserInnen empfehlenswert, denn, so der Autor, "wer über den Krieg lese, der könne nicht mit der braunen Ideologie sympathisieren." ---- Quelle: Pool Feuilleton; Wehrmachtserinnerungen lösen bei den Nach-Nachfahren immer ein recht unbeholfenes Gefühl aus, einerseits ist das Genre durch allzu beschönigende Literatur in der Political Correctness ziemlich geächtet, andererseits stellt sich die Frage, warum man sich nach siebzig Jahren diese Erlebnis-Literatur der makaberen Art antun soll. Die Antwort gibt im Nachwort Hannes Heer mit einem Karl-Kraus-Zitat über den ersten Weltkrieg: "Alles, was gestern war, wird man vergessen haben, was heute ist, nicht sehen, was morgen kommt, nicht fürchten. Man wird vergessen haben, dass man den Krieg verloren, dass man ihn begonnen, vergessen, dass man ihn geführt hat. Darum wird er nicht aufhören." (223) Luis Raffeiner (geb. 1917 im Schnalstal) hat als Panzerfachmann an der Ostfront fotografiert und im hohen Alter Anhand der Fotos seinen Einsatz an der Ostfront kommentiert. Der Bericht wurde Luise Ruatti aufgezeichnet und von Hannes Heer in einem Nachwort historisch bewertet. Die Erinnerungen Luis Raffeiners gliedern sich in drei Abschnitte, die jeweils eine eigenartige Botschaft an uns Leser der Gegenwart ausrichten. Die Lebensbedingungen der dreißiger Jahre waren so erbärmlich, dass bei den Jugendlichen durchaus diktatorische Regime Anklang finden konnten. Der Einsatz der Wehrmacht im Osten war bewusst auf komplette Vernichtung der Bevölkerung ausgerichtet. Nur mit allerhand Verdrängungsmechanismen gelang es den Kriegsteilnehmen später, diese Zeit ohne eigenes Schuldbewusstsein für sich selbst in den Griff zu bekommen. Nach der Gefangenschaft in Georgien kam der Erzähler völlig kaputt und ausgebrannt nach Südtirol zurück und widmete sich einem heftigen Aufbau- und Arbeitsprogramm als Selbsttherapie. Der Bericht ist trotz des zurückgenommenen Stils aufregend, lässt er doch zwischen den Zeilen das Grauen und den Wahnsinn der Ereignisse erahnen. Die Gefangenschaft schließlich wird als Überlebens-Saga mit schier unglaublichen Überlebensmethoden geschildert, die Arbeit in der Nachkriegszeit als stumme, unpolitische Meditation. Hannes Heer rückt in seinem Nachwort einige Darstellungen des Erlebnisberichtes zurecht und weist darauf hin, dass alle diese Erzählungen immer den Finten der Erinnerung ausgesetzt sind. Der Schrecken bringt es mit sich, dass die Erinnerung oft in einer subjektiven und umgeformten Weise auftauchen muss. Luis Raffeiners Erinnerungen stimmen gerade deshalb so nachdenklich, weil es offensichtlich trotz aller Lauterkeit und trotz allen Bemühens für die Täter unmöglich ist, der Fassungslosigkeit die richtigen Worte zu geben. *Helmuth Schönauer*
BEMERKUNG
Katalogisat importiert von: Rezensionen online open (inkl. Stadtbib. Salzburg)
Übersetzung
Deutsch
Trägermedium
Band
Illustrationsangaben
Ill.