Arbeiterbücherei Wasenbruck – Zweigstelle Stadtbücherei Mannersdorf
Kontakt und Öffnungszeiten Mit einer PartnerbibliothekDer Staubleser
| Bezeichnung | Wert |
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| Titel |
Der Staubleser
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| Untertitel |
Roman
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| Verfasserangabe |
Josef Brainin
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| Medienart | |
| Sprache | |
| Person | |
| Auflage |
1. Aufl.
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| Verlag | |
| Ort |
Wien
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| Jahr | |
| Umfang |
295 S.
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| ISBN13 |
978-3-99200-081-4
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| Annotation |
Quelle: Literatur und Kritik; #Autor: Bernhard Sandbichler; #Nostalgische Wiedergutmachung#Josef Brainins Romandebüt "Der Staubleser"#Unlängst hat eine Berliner Philosophin, die sich in ihrem Buch Der Quantensprung des Denkens über unsere heutige Welt Gedanken macht, Folgendes in der Süddeutschen Zeitung geäußert: "Wir betrachten das Leben als Riesenmaschine, deren Gesetzmäßigkeit wir durchschauen müssen. Und diese Vorstellung, die wir übrigens von der Physik übernommen haben, überfordert uns. Jedes Mal, wenn wir merken, dass das Leben nicht wie eine Maschine läuft - also meistens -, denken wir, wir hätten was falsch gemacht."#Natalie Knapp, so heißt die Dame Jahrgang 1970, hat sich bewusst aus diesem Mainstream ausgeklinkt, hat Ernährung und Kleidung umgestellt, ihr altes Handy behalten und Smartphones verweigert. Bei Facebook ist sie auch nicht! Man könnte fast meinen, sie ist wie Alfred, die Hauptfigur in Josef Brainins Roman Der Staubleser: eine Art Retro-Typ. Die Distanzierung vom Mainstream ist bei ihm trotzdem wesentlich anders begründet. Und Alfred wird zwar vom Lauf oder besser: vom Gang der Dinge überfordert; allerdings weniger, weil das Leben nicht wie eine Maschine abliefe; sondern vielmehr, weil es dies tut und Alfred sich eben von seinen Gesetzmäßigkeiten überraschen lässt. Er könnte ebenfalls Jahrgang 1970 sein. An einer Stelle liest man: "Alfred hörte das überraschend deutliche Klicken in der Leitung fast wie einen Seufzer des Glücks. Die Nebengeräusche des Telefonierens hatten sich seit seiner Jugend sehr gewandelt. Digitale Verbindungen vor nahezu rauschfreiem Hintergrund hatten mit den seinerzeit oft deutlich hörbaren Taktimpulsen und anderen Störgeräuschen gar nichts mehr zu tun. Heute konnte niemand mehr sagen, ob der andere den Hörer auf die Gabel geknallt oder seinen Gesprächspartner nur weggeklickt hatte. Die Welt war wieder einmal um eine Kommunikationsnuance ärmer geworden." Ganz offensichtlich denkt auch hier jemand über unsere heutige Welt nach (und über menschliche Beziehungen, die für Knapp ebenfalls wichtig sind). Um Ecken nostalgischer freilich, schließlich spielt die Handlung in Wien. Ernährung? In diesem Roman wird mehrfach getafelt, immer vom Feinsten und mit genüsslicher Verbal-Degustation. Kleidung? Ist selbstverständlich Teil der Milieuschilderung. Facebook? Damit hat Alfred nichts am Hut, er pflegt traditionelle Kommunikation. Gleich im ersten Drittel des Buches steigt er mit mehreren Damen ganz altmodisch ins Bett. Damit aber fängt das Verhängnis an. Was daraus wird, wenn sich ein kleiner, aber feiner Antiquitätenhändler jüdischer Herkunft zuerst mit einer gestandenen Kundin aus gehobenen Kreisen ein Verhältnis anfängt und dann mit ihrer Tochter? Das liegt auf der Hand, zumal in der "Vergessenshauptstadt Wien" (Robert Schindel). Was passiert, wenn er sich - unter Aufwendung seiner "Beziehungen" - einen in der Nazizeit angeeigneten "sehr schönen Koekkoek" aus der Mödlinger Nobelvilla eines einflussreichen Anwalts besorgen lässt, um ihn blauäugig der rechtmäßigen Besitzerin zu retournieren? Das liegt auf der Hand, zumal in der - usw. Jedenfalls: "Alfred hat Angst." Er hat nicht damit gerechnet, dass die zurechtgewiesene Noblesse derart direkt reagiert: "Wir können es uns nicht leisten, dass ein Haufen Scheiße wie Sie unseren Ruf anpinkelt."#Ein "Haufen Scheiße" aber ist dieser etwas kauzige Alfred, der eine gewisse Behaglichkeit schätzt, keinesfalls. Er würde niemals jemandes "Ruf anpinkeln". Eher setzt er eine leicht ironische Duftnote, welche die deodorierte Wiener Oberkaste etwas streng riechen lässt. Das ergibt nicht gerade einen widerwärtigen Hautgout, aber doch eine Aura, der man sich gerne entzieht. Wie es schließlich endet, wenn ein nostalgischer Leser wie Alfred den Gegenstand seiner Lektüre aufwirbelt, indem er geradezu maigrethaft wird, soll hier nicht vorweggenommen werden. Nur so viel: Die mit Patina überzogene Prosa, die der 1950 in Wien geborene, viele Jahre ausgerechnet in der Computerbranche beschäftigte Josef Brainin hier auftischt, entbehrt nicht einer - ja, wie soll man sagen? Vielleicht einer augenzwinkernden Sinnlichkeit, die sich mit einem angenehm gemächlichen Erzählrhythmus paart, dem gegen Ende durchaus ein wenig Thrill beigemischt wird. Wer dies und einen zeitweise saftigen Sarkasmus schätzt, wird hier gut bedient.
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