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      <marc:subfield code="a">Leipzig</marc:subfield>
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      <marc:subfield code="a">Quelle: 1000 und 1 Buch (http://www.1001buch.at/); &#xD;
Autor: Marie-Thérèse Schins; &#xD;
Annotation: Außergewöhnlicher Bildband des Fotografen Karl Heinz Mai mit Kinderfotografien in Schwarz-Weiß aus dem Leipzig der Nachkriegszeit, ergänzt um fiktive, stimmungsvolle Texte.&#xD;
Rezension: Um mir die gebundenen, niederländischen Filmausgaben von "Heidi" und "Heidi und Peter" (Ploegsma, 1954 und 1955) von Johanna Spyri mit den schwarzweißen Fotos kaufen zu können, sparte ich jeden Cent meines Taschengeldes. Meine innige Liebe für Fotos im Kinderbuch hält seitdem an. Viele Jahre später entdeckte ich in französischer und deutscher Sprache "Der weiße Hengst" (Crin Blanc) nach dem mit Preisen überhäuften Film von Albert Lamorisse (1955 bei Rütten und Loening). Ein rasantes, ein dramatisches  Buch, in dem die grandiosen schwarzweißen Aufnahmen so furios und herausragend sind, dass sie schmerzen. Niemand störte sich daran, dass es sich letztendlich um eine Suizidgeschichte über den Jungen Folco und den heißbegehrten, später gequälten und gejagten Leithengst einer Herde in der Camargue handelt. Beide stürzen sich ins tosende Meer, um dorthin zu schwimmen, wo Pferde und Kinder für immer Freunde sein dürfen. "Der rote Luftballon" (Le ballon rouge), Poesie pur aus Paris, ebenfalls von Albert Lamorisse (1957 bei Eugen Diederichs), folgte. Diese Fotobücher wurden in den späten Sechzigern bis Siebzigern von lesenden Kindern in meiner Hannoverschen Bücherei so lange verschlungen und geliebt, bis sie zerfleddert waren und auseinanderfielen. 1968 erschien "Mein Esel Benjamin", (Hans Reich Verlag, jetzt bei Sauerländer), die Geschichte vom kleinen, blonden Mädchen Susi und ihrem Kuschelesel Benjamin, die nach "Hänschen-Klein-Art" ganz allein eine Inselwelt im Mittelmeer erforschen.&#xD;
"Pondus Pinguin" (im Carlsen Verlag, erstmals 1969, Neuausgabe im Taschenformat 2011) von Ivar Myrhoj  - wer kennt nicht den roten Schal? - spaziert wieder durch den Kopenhagener Zoo. "Bist du ein Mensch oder ein Tier?", fragt ein Junge Pondus. Offensichtlich stört sich niemand an diesen überflüssigen Satz oder an der nicht unbedingt modischen Kleidung der Protagonisten. Ist es Nostalgie, Sehnsucht nach der eigenen Kindheit aus der Glanz- und Gloriaperiode der Fotobücher aus den sechziger und siebziger Jahren der vorlesenden Erwachsenen?&#xD;
Ein neuer Versuch im Jahr 2004: Das hinreißende Buch "Sommerzeit in Hosenfeld. George erzählt von seinen" Ferien von Susanne Koppe und Hubert Schöke erscheint im anspruchsvollen Moritz-Verlag. Zitat aus der Presse: Es spiegelt "den Charme der 70er Jahre und des wirklichen Lebens" und wurde seitenweise überall in höchsten Tönen gelobt. Warum blieb dieses liebevoll gestaltete Fotodokument nahezu  auf der Strecke? Ist diese Zeit vielleicht noch zu "frisch"?&#xD;
"Wir Kinder von früher. Bilder und Geschichten aus einer anderen Zeit" (2011, Klett Kinderbuch) aus dem sensationellen Fundus des kriegsverletzten Leipziger Fotografen Karl Heinz Mai (1920-1964) und mit grandiosen, sensiblen Texten von Herbert Günther, scheint alles für ein außergewöhnliches, generations-übergreifendes Fotobuch zu bieten. Im Selbstfahrer-Rollstuhl unterwegs, fotografierte Mai nach dem zweiten Weltkrieg auf Augenhöhe und hinterließ mehr als 1000 Fotos mit Kindern. Durch Zufall von Grafikerin Franziska Neubert entdeckt, entwickelten sie und Verlegerin Monika Osberghaus daraus eine Idee. Mehr als anderthalb Jahre wurde nach einem Autor gesucht, der in diese Fotografien eintauchen wollte, um zu einer handverlesenen Auswahl davon zeitgenössische Geschichten zu schreiben. Es gab jede Menge Absagen. Doch dann nahm Herbert Günther die große Herausforderung an. Sorgfältige Recherchen und seine einfühlsame Sprache ergänzen die ungewöhnlichen, teilweise ergreifenden Fotodokumente glänzend.&#xD;
Dieses historische Füllhorn und Fotowunderwerk ist ein absoluter Glücksgriff aus den Nachkriegsjahren und trifft haargenau den Nerv vieler Zeitzeugen, die sofort aus dem eigenen Leben erzählen (wollen). Nicht nur bei Günthers Lesereisen für Alt bis Jung wird begeistert reagiert.&#xD;
Haben anspruchsvolle Fotografien im erzählenden Kinderbuch wieder eine Chance? Vielleicht kein Nasenrümpfen mehr seitens der Verleger, Vertreter, Buchhändler? Keine Argumente mehr wie: "Die Zeiten sind vorbei," und: "Die Kleidung wird zu schnell altmodisch." Oder: "Trotzdem denke ich, dass es den Kindern nicht leicht fallen würde, sich zu identifizieren. Es sind konkrete Fotos von Menschen, die sie nicht kennen. Bei Illustrationen fällt die Abstraktion sicher leichter."&#xD;
Fotografien als sorgfältig gestaltete Kunstwerke im Kinderbuch, gerade heute, wo Kinder überall mit Trash-Fotomüll zugeschüttet werden: ein Wunschtraum?&#xD;
Kinder, mit denen ich Geschichten, noch im Entwurf für drei Bücher und mit Fotos von Joachim M. Huber, testete, meinten: "Endlich mal richtige Bilder!" Na also. Wir sollten wirklich mehr auf Kinder hören.&#xD;
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Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html); &#xD;
Autor: Maria Schmuckermair; &#xD;
Fotos und Geschichten zum Kinderalltag nach dem Zweiten Weltkrieg. (JG)&#xD;
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Wer, so wie die Rezensentin, selbst in den 1950er Jahren aufgewachsen ist, wird beim Anblick der Schwarzweißbilder von einem Gefühl der Vertrautheit durchflutet, auch wenn die Kinderfotos aus Leipzig und nicht aus Österreich stammen. Die Frisuren (Masche im Haar, Zöpfe), die Bekleidung (viel Selbstgestricktes, Selbstgenähtes, auch Zerrissenes, im Sommer meist barfuß), das Spielzeug (Stecken, Leiterwagerl, Puppenküche, Teddybär, Holzschlitten), die Haustiere (Hühner, Hasen, Enten, Ziegen) und die Freizeitszenen (Dusche im Waschzuber, Ziehharmonika, Indianerspiele) erinnern an eine versunkene Welt, die von Bescheidenheit geprägt war, in der man als Kind aber nicht das Gefühl hatte, dass einem irgendetwas fehlt.&#xD;
Der schwer kriegsversehrte Leipziger Fotograf Karl Heinz Mai hat nach dem Krieg aus seinem Selbstfahrer-Rollstuhl heraus die Kinder seiner Heimatstadt in ihrer Lebenswelt abgebildet. Einer Auswahl dieser ausdrucksstarken Fotos hat der Schriftsteller Herbert Günther - bekannt als großartiger Übersetzer und als Spezialist für das "Wie's-früher-War" - Geschichten gegenübergestellt, die aus seiner Erinnerung an die Trümmer- und Aufbruchsjahre gespeist sind. Beides fügt sich zusammen zu einem zwar nostalgischen, aber nicht verlogenen Rückblick, zu dem die heutige Jugend von sich aus wohl nicht spontan greifen wird. Aber wenn die Großeltern das Buch den Kleinen (4 - 10) durch Vorlesen erschließen, wird sich das Interesse mit Sicherheit einstellen und durch Weiterfragen vertieft werden. Starke Empfehlung!</marc:subfield>
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