Der Moddetektiv

Bezeichnung Wert
Titel
Der Moddetektiv
Untertitel
Kultroman
Verfasserangabe
Just, Christopher
Medienart
Sprache
Person
Verlag
Ort
Wien
Jahr
Umfang
550 S.
ISBN10
3-902950-92-7
ISBN13
978-3-902950-92-5
Annotation
Quelle: Pool Feuilleton; Ein echtes Kultbuch erkennt man daran, dass es über Nacht da und Kult ist. Im Falle vom "Moddetektiv" steht es klugerweise sogar noch am Umschlag, dass es ein Kultroman ist. Christopher Just, der selbst in der Musikszene eine Kultfigur ist, wendet sich mit seinem Roman an ein aufgeklärtes Publikum, das weiß, dass die Welt nach undefinierbaren Regeln tickt. Und diese Welt muss von einem schrägen Lebensstil eingefangen werden, damit man überleben kann. Voraussetzungen für die Lektüre dieses Romans braucht es keine, am Umschlag spricht sogar einer von einem Kultbuch, obwohl er es gar nicht gelesen hat. Held der ganzen Erzähl-Eruption ist die Wiener Mods-Szene. Darin tummeln sich Typen zwischen Retro, Frisur und Vespa, wenn es mehrere sind, nennen sie sich Mods, und der Einzelne heißt Mod. Zu einem Einzelnen Mods zu sagen, kann ein Tötungsgrund sein. Die Szene hat deshalb einen eigenen Detektiv, einen Aufpasser für die Rituale und Schnörksel, und der so genannte Moddetektiv namens Sandemann wird sogar von der Polizei kontaktiert, wenn es um einen Kult-Mord geht. Jetzt ist es wieder soweit, ein Mod ist ermordet, der amtliche Lieutenant weiß nicht mehr weiter und holt den Moddetektiv an Bord. Dieser nämlich träumt Tag und Nacht die abscheulichsten Sachen, aber in diesen Alpträumen ist auch oft die sensationelle Lösung eines Falles verborgen. Gerade als alles auf einen Fall in der Szene hinauszulaufen scheint, kommt es im Nobel-Hotspot "Schicke Garnele" zu einem Massaker mit einem USB-Stick. Mit einem Lichtblitz ist die halbe Immobilienbranche der Stadt ausgerottet. Offensichtlich gibt es Mods, die weltweit agieren, jetzt geht es um einen echten Kulturkampf zwischen Kohle, Immobilien und Kult. Der Roman erzählt rasend und resch von einer Anti-Gesellschaft, die offensichtlich mitten in der sichtbaren Welt sitzt, aber vielleicht schon im Unterbewusstsein die Herrschaft übernommen hat. Verspiegelte Vespas, seltsame Zauberformeln, Chemikalien zur Bewusstseinserweiterung, brutal-witzige Sprüche: Sie können unter uns sein, und wir haben ihnen nichts entgegenzusetzen, weil plötzlich die Kommunikation kippt. So summt jemand die Melodie der Lottoziehung und setzt dadurch einen ganzen Straßenzug einem debilen Hörsturz aus. Manchmal schaltet das ermittelnde Unterbewusstsein in die Provinz und entdeckt, dass zum Beispiel in Eisendstadt und Dornbirn absolut nichts los ist. Jemand buchstabiert mit einem kryptischen Alphabet den Einsatzort, und heraus kommt Neubaugasse. Eine Faustregel sagt: Iss niemals Ente, bevor es dunkel wird, sonst denkt jemand in China an dich, während er onaniert. (68) Der Moddetektiv ist ein Über-Meta-Held jenseits aller gängigen Kriminal- und Detektiv-Boys, der Roman entwickelt eine eigenwillige Kultur, die durchaus logisch angewendet werden kann, er beschreibt eine virtuell-haptische Logik, die allen unsichtbaren Kulten innewohnt. Und schließlich zeigt das Attentat, dass mit einem Funkenflug aus Wien Tschetschenien, aus Rawalpindi Hütteldorf und aus Eisenstadt Dornbirn werden kann, zumindest was das Verwüstungspotential betrifft. - "Wickie fickt / Wicki schwitzt / Wicki spritzt." (285) - Hörsturz-schön! Helmuth Schönauer
BEMERKUNG
Katalogisat importiert von: Rezensionen online open (inkl. Stadtbib. Salzburg)
Übersetzung
Deutsch
Trägermedium
Band