Stadtbücherei Ybbs an der Donau

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Shooting Stars

Bezeichnung Wert
Titel
Shooting Stars
Untertitel
Roman
Verfasserangabe
Martin Mandler
Medienart
Sprache
Person
Verlag
Ort
Wien
Jahr
Umfang
236 S.
ISBN13
978-3-902844-24-8
Annotation
Quelle: Pool Feuilleton; #Unter einem Shooting Star versteht man üblicherweise eine Person, die es plötzlich zur Berühmtheit bringt. Genau genommen ist jeder Mensch, der es in die Nachrichten schafft, ein Shooting Star, und sei es auch nur für einen Tag oder eine Nacht.#Martin Mandler lässt in seinem gesellschaftlichen Revolten-Roman lauter Shooting Stars auftreten, die es freilich mit der Wortbedeutung genau nehmen und sich gegenseitig abknallen. Quasi über Nacht hat sich aus dem internationalen Medienbetrieb heraus eine Internationale des Terrors abgespalten, die in Köln, England, Schweden und anderen Orten der EU Einzel-Massaker inszeniert.#Der Roman mit seinen elf Schatullen des Borderline-Journalismus wird umklammert von einem erzählenden Ich, das an seine Grenzen geht und dann wieder in der Anonymität der Familienidylle untergeht. Als Archi-Zuschauer nimmt das Ich plötzlich einen Film wörtlich und bereitet sich wie der Killer im Film auf das Attentat vor. Vielleicht ist der Held in diesen Momentan auch nur der Ausriss aus einem Kriegseinsatz, denn zwischen rotem Teppich am Set und einer Stellung an der Kampflinie ist kein wesentlicher Unterschied, zumindest was das präzise Zielen, Ausschalten falscher Emotionen und den finalen Schuss betrifft.#Die Ziele haben gewöhnliche Namen aus der Boulevard-Presse, Heidi und Dieter sind besonders gewöhnlich und deshalb ideale Stars, auf die man schießen muss.#Während in der ersten Phase der Held seine Genugtuung durch das Killen von Medienfiguren zu gewinnen scheint, eskaliert die Lage, denn der halbe Kontinent hat sich mittlerweile bewaffnet und geht in einen virtuellen Guerilla-Krieg über. "Mit jedem meiner Attentate werde ich dem Motor zusetzen." (86) Der Erzähler baut sich aus Widerstandstheorien, psychologischen Konstrukten und Beschreibungen von System-Architekturen einen eigenen Überbau zusammen, der immer wieder in den berühmten dritten Weg mündet: "Aber es gibt ihn, den dritten Weg. Den Weg, der nicht von oben und nicht von unten an die Zerstörung des Systems heranführt, sondern der es von der Seite attackiert."#Durch die Attentate wird naturgemäß nichts besser, im Gegenteil, die Welt zieht sich noch hermetischer auf ihre Zeichen zurück und schließt den Helden aus. "Die Tatsache, dass ich zu nichts gezwungen bin, dass ich praktisch alles tun kann, aber so gut wie nichts tun muss, entwurzelt mich." (129)#Als schließlich die Bundeskanzlerin besorgt ist und die Bild-Zeitung mit Revolution titelt, ist die Veränderung abgeschlossen, weil sich nichts geändert hat. Der Held schlüpft in seine idyllische Familie zurück. "Wir werden uns gegenseitig darin bestärken, dass alles in Ordnung ist. Darum wird alles in Ordnung bleiben." (236)#Martin Mandler schickt seinen Helden durch die Traumata von Gewaltorgien, durch hundert Kanäle Privatfernsehen, als Legionär an die Krisenherde der Medienwelt und über die roten Teppiche von Filmfestivals und sperrigem Filmgut. Vielleicht ist der Ich-Erzähler brutal entgleist in sich selbst, vielleicht aber hat er nur zu viel ferngesehen und ist deshalb zu einem Shooting Star geworden. - Atemlos politisch, total "Meta-", wie es das griechische Präfix so zu sagen pflegt.#Helmuth Schönauer