Mimosa fliegt

Bezeichnung Wert
Titel
Mimosa fliegt
Untertitel
Erzählungen
Verfasserangabe
Andrea Gerster
Medienart
Person
Verlag
Ort
Hohenems
Jahr
Umfang
119 S. : Ill.
ISBN10
3-902679-19-0
ISBN13
97839026791
Annotation
Lebens-Kunst in Wort und Bild. (DR) Die Menschen in Andrea Gersters Erzählband sind uns vertraut. Wir alle kennen Leute wie den vierzigjährigen Sohn, der sich nicht aus der Umklammerung seiner blinden Mutter zu lösen wagt, obwohl er sich zum Gespött des ganzen Dorfes macht. Wir kennen die Hausfrau, die aus Fadesse eine Affäre beginnt und das ganze Glück ihrer Familie riskiert. Sogar der reiche Yachtbesitzer, der aus falschem Stolz den Tod mehrerer Menschen verursacht hat, ist uns vertraut. Es sind keine außergewöhnlichen Figuren, deren Geschichten uns da erzählt werden, obwohl sie ihre dramatischen Momente haben. Andrea Gerster erzählt als teilnehmende Beobachterin. Wir sehen die Welt durch ihre Augen, als säßen wir neben ihr, in der Kirche, am Sonntag, und beobachteten die Leute. Zwar schlüpft sie manchmal in den Kopf ihrer Figuren, doch auch dann bleibt diese Distanz zu den Gefühlen, die freilich bei den Figuren als pathopsychologisch anzusehen ist. Um die Bilder ihrer Figuren zu entwerfen, braucht Gerster nur wenig Worte. Präzise konzentriert sie die vorhersagbaren Lebensläufe auf einen Punkt, der ein Wendepunkt sein könnte. Mehr nicht. Sie hält fest, was ist. Manchmal mit Bedauern und Mitgefühl, meist jedoch mit einem sensiblen Staunen über die Ergebenheit, mit der sich die Menschen in ihr Schicksal fügen. Das Feingefühl wird auch in der Sprache sichtbar. Da bezeichnet ein Mann, der sich in die Mutter seines Altersgenossen verliebt hat und diese nach zwanzig Jahren wiedersieht, sie als "nicht alt, sondern älter". Eine Witwe will sich "hinter Falten versteckt und unter Gewohnheiten begraben" neu entdecken. Die Erzählungen sind von Bildern des Künstlers Klaus Schmetz illustriert und in einer gemeinsamen Schaffensperiode entstanden. Grob und hölzern stehen die Figuren da, nicht nur weil der Kopf oder ein Arm fehlt, wirken sie leblos. Man denkt an Hühner, die noch mit abgeschlagenem Kopf weiterlaufen. Kopflos heißt auch gesichtslos, ohne Gesichtssinn kann man nicht sehen, man kann sich nicht anschauen und muss es daher auch nicht. Nicht dem ins Auge schauen, was das Leben ausmacht. Denn Dasein ist noch nicht Leben, die Materie ist austauschbar. Was das Leben und den Menschen ausmacht, liegt nicht im Greifbaren, sondern im Sichtbaren. Auch jenen zu empfehlen, die eigentlich Romane lieber mögen! *bn* Bettina Huber

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