Sie kam zu König Salomo
| Bezeichnung | Wert |
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| Titel |
Sie kam zu König Salomo
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| Untertitel |
Roman
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| Verfasserangabe |
Merkel, Inge
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| Medienart | |
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| Person | |
| Verlag | |
| Ort |
Salzburg
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| Jahr | |
| Umfang |
197 S.
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| ISBN10 |
3-902144-00-9
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| ISBN13 |
978-3-902144-00-3
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| Annotation |
Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html);
Autor: Martina Lainer;
Seltsam blasse und abgehobene Darstellung der im Alten Testament so geheimnisvollen Begegnung zwischen Salomo und der Königin von Saba. (DR)
Die Vorfreude war groß: Die so spärlichen Aussagen im ersten Buch der Könige des Alten Testaments über die Begegnung der beiden Herrschergestalten Salomo und der Königin von Saba aus der Feder von Inge Merkel, die mit ihrem Roman "Eine ganz gewöhnliche Ehe" ihre Meisterschaft der Empathie und des Leerstellen-Füllens gezeigt hat. Ist es ihr gelungen, das Leben, Denken und Fühlen der Penelope während Odysseus Abwesenheit überzeugend darzustellen, so zeigen sich in diesem Roman deutliche Schwächen. Seltsam blass bleiben die Hauptfiguren und das Geschehen spielt sich in einer abgehobenen Umwelt ab, in der die Mutter Salomos wie aus dem Kuriositätenkabinett entnommen anmutet. Auch sprachlich breitet sich Unbehagen aus, ist der Duktus doch antiquiert bis maniriert. Beinahe peinlich wirken die Szenen, in denen Sexualität thematisiert wird. Und dennoch merkt man dem Roman an, wie sehr die Autorin bemüht war um eine stimmige Sprache. Doch da sie sich mehr des Dialogs denn des Erzählens als literarisches Stilmittel bedient, ist die Art, wie Salomo und die Königin von Saba miteinander sprechen, nicht unwichtig. Leider treten damit auch die Themen in den Hintergrund, die durchaus interessant wären.
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Quelle: Literatur und Kritik;
Autor: Armin Eidherr;
Vor etwa 3000 Jahren soll, glaubt man dem im ersten Buch der Könige und im zweiten der Chronik fast wortgleich aufscheinenden Bericht, die Königin von Saba den König Salomo in Jerusalem besucht haben, um ihn »mit Rätselfragen zu prüfen«. Die Geschichte wird in der Bibel knapp und klar erzählt, hält jedoch genug Rätsel und Fragen bereit, um einen dankbaren Stoff für die Literatur abzugeben. Sonderbarerweise ist er in ihr anders als in der bildenden Kunst jedoch kaum aufgegriffen und ausgeformt worden.
Nun erschien Inge Merkels romanhafte Gestaltung dieses Stoffes: »Sie kam zu König Salomo«, das siebente Buch der Wiener Autorin, nachdem zuletzt vor sieben Jahren ein Roman von ihr, »Aus den Geleisen« (1994), herausgekommen war.
Inge Merkel, durch ihre Sprache, ihre Ironie und ihre Themen eine der hervorragendsten Vertreterinnen österreichischer Literaturtradition, bleibt aus schwer erklärbaren Gründen in der österreichischen Literaturgeschichtsschreibung von Herbert Zeman bis Wendelin Schmidt-Dengler fast vollkommen ausgeklammert. Das mag damit zu tun haben, dass sie ohne Anbiederung an literarische Moden, »avantgardistische« Dichterschulenvorgaben und politisch korrekte Gesten ihren Weg geht und sich Einordnungsversuchen immer wieder entzieht. Dadurch behauptet sie sich jenseits derselben, und ihre Bücher allen voran »Das große Spektakel« (1990) werden noch bestehen und gelesen werden, wenn dereinst viele heutzutage als »groß« ausgeschrieene Bücher der österreichischen Literatur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nur mehr Spezialisten für diese Periode vom Titel her bekannt sein werden.
Ihr neuer Roman, »Sie kam zu König Salomo«, setzt diesen abseitigen, um literarische Clubzwänge unbekümmerten Gang fort, abgeklärter nun und von einem gedämpfteren Licht als ihre früheren Bücher ausgeleuchtet.
Man hat es mit keinem historischen Roman zu tun, der ein wohliges Abdriften in die Tiefen der Geschichte oder eine sonst wie postmodern narkotisierende Lektüre möglich machen will. Das verhindern schon der immer wieder aufzuckende Sarkasmus und die wohl gesetzten sprachlichen Tiefschläge.
In der »mehr als sechzig Jahre« alten Königin von Saba, die weniger auf Hofzeremonielle oder Kriegsführung als »auf Neuerscheinungen erpicht« ist, wächst nach der Lektüre von Salomos neuestem Werk, den »Sprüchen«, der Wunsch, den Verfasser der Schrift, »der sich den Kopf zerbricht über Dinge, die weder von Nutzen sind noch der Wissenschaft dienen und sich an sonst nichts Überliefertes halten«, persönlich kennen zu lernen. Also macht sie sich kurz entschlossen auf den Weg.
Der Anfang des Buches, die Reise der Königin durch die Wüste gen Jerusalem, ist bereits von großer poetischer Eindringlichkeit (ein Dichterlehrling könnte aus diesem Material einen ganzen Gedichtband machen). Aus deren Bann wird man aber immer wieder durch harte sprachliche Brüche gerissen, etwa wenn die Königin an ihrem Entschluss zu zweifeln beginnt, er könne, »einer bizarren Laune«, »einer raschen Marotte« entsprungen, nicht mehr sein als eine »fixe Idee«: »Was, wenn dein Salomo nichts als () ein arroganter Sauertopf« ist, »der mich für nichts hält als eine zudringliche, mit Intellekt und Bildung auftrumpfende Trulle!« Die Flapsigkeit der jargonischen Sprache nicht nur die der maliziösen Mutter Salomos, Bathseba, sondern auch die der Gedanken der Königin erscheint bisweilen übertrieben: Woher kommen zum Beispiel diese Deutschmerismen? (Kann es sein, dass hier möglicherweise ein »reichsdeutscher« Lektor die zu Inge Merkel viel eher passenden Wiener Ausdrücke teilweise »korrigiert« hat und etwa aus einer »Trutschn« das uns so unangenehm klingende »Trulle« gemacht hat?)
Endlich begegnet sie dem König Salomo. Er wird ganz der Tradition entsprechend als aufgeklärter und weniger der Tradition entsprechend als eine Art »proto-österreichischer« Herrscher vorgestellt, der den Frieden durch wohl durchdachte »Heiratspolitik« zu sichern versteht: »Meine Frauen verdanken sich nicht dem Wohlgefallen, sondern der Politik. Anstatt meinen streitsüchtigen Nachbarstämmen, -cliquen, -clans gegenüber mit Waffen zu rasseln, habe ich ihre Töchter geheiratet.«
Zwischen Königin und König stellt sich sogleich Sympathie ein. In langen Gesprächen, wenn sie alleine sind oder, sich inkognito glaubend, in der Öffentlichkeit bewegen, lassen sie sich aufeinander ein, versuchen doch recht unterschiedlichen Kulturen entstammend sich zu verstehen und zu akzeptieren. Sie werten nicht und begegnen Dummheit oder Fanatismus, wie er zum Beispiel die Volks- bzw. Hetzreden einer anachronistischen Figur, die sehr an Johannes den Täufer oder gar Jesus Christus erinnert, kennzeichnet, mit von milder Ironie durchsetzter Altersweisheit, welcher durch Einflechtungen aus dem Alten Testament (vor allem aus den Sprüchen, dem Hohelied und dem Koheleth) Nachdruck verliehen wird.
Der Text, der weitgehend »ein Zwiegespräch zwischen zwei Alten«, die selten verschiedener Meinung sind, wiedergibt, wird nie zur Erprobung eines Aufeinandertreffens der Repräsentanten von Matriarchat und Patriarchat. Er widmet sich lieber den »ewigen Fragen der Menschheit«, in denen dem Leser natürlich gerade heute aktuelle Fragestellungen wie nach den Grenzen der Physik oder Medizin begegnen. Wie Anima und Animus ergänzen sich die Alten vielmehr: »Für mich«, sagt die Königin einmal, »hat die spezifische Art des männlichen Denkens, das so anders ist als das weibliche, einen erfrischenden, fast möchte ich sagen ideenerzeugenden Reiz. Wegen einer gescheiten Frau hätte ich mich jedenfalls nicht über die Weihrauchstraße geschleppt.«
Ein Thema zwischen ihnen ist klarerweise auch »das Regieren«: Liest sich auch manches wie aus einem Handbuch für manipulativen Führungsstil, so doch für den idealen aufgeklärten Absolutisten und nicht für den hetzerischen Populisten: Die »Untertanen«, von denen »die meisten der Vernunft oder Moral nicht zugänglich sind«, müsse man »in den Rumpelkammern ihrer Seelen packen«, dabei aber »nur darauf achten, sie nicht zu mißbrauchen« und »das Hervorlocken der Bestie im Menschen durch Vortäuschen eines Feindbildes« bleiben zu lassen anders als jene »Anführer und Hetzer«, die damit arbeiten, »Haß auf alles, was nicht zur Rotte gehört, einzubleuen«. Daraus spricht weniger Verbitterung oder Misanthropie als Ekel vor den Missbrauchern des Volkes und ihren Verführungskünsten, die sich vor allem durch das ständige Im-Munde-Führen solcher Worte wie »Ehre« »eine Parole«, die der Königin von Saba und Salomo »zuwider ist bis zum Erbre-
chen« äußern.
Die »Soziallehre« des Buches wird wie manches andere nicht uneingeschränkt Gefallen finden. Doch gerade bei den Dingen, an denen man sich als Leser stößt, sollte man verweilen und sich auf seine Widerstände einlassen.
Auch die zahlreichen anderen angesprochenen Themen werden mit altersweiser Abgeklärtheit abgehandelt: »Gott«? Als Fazit bleibt, was die Königin von Saba sagt: »Weder du noch ich kennen die Wahrheit, werden sie vermutlich niemals kennenlernen.«
Die »Natur« erscheint einmal als etwas Grandioses in den Wüstenschilderungen, ein anderes Mal als Kulisse für das faunische Treiben dörflicher Männchen und Weibchen.
Auch der »Tod« begegnet, philosophisch klug, den Königlichen bei einem nächtlichen Spaziergang in Gestalt eines Aussätzigen, der vom Volk »Todesengel« (fälschlich »Melech Mawed« statt hebräisch »Malach Hamaweth«) genannt wird.
Letztlich jedoch ist das alles nur »Überbau«. Denn DAS große Thema des Buches ist ein anderes: die »Liebe« in ihren geistigen und körperlichen Erscheinungsformen: von der Erotik zufälliger Berührungen über Erzählungen von ersten sexuellen Erlebnissen bis hin zur Schilderung der Nacht vor dem Abschiednehmen
Inge Merkel hat es fertig gebracht, glaubhaft und zutiefst berührend eine Liebesgeschichte zweier alter Menschen zu schreiben.
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| BEMERKUNG |
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| Übersetzung |
Deutsch
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Band
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