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Liftboy

Bezeichnung Wert
Titel
Liftboy
Untertitel
Jugendroman
Verfasserangabe
Hubert Flattinger
Medienart
Sprache
Person
Verlag
Ort
Innsbruck
Jahr
Umfang
131 S.
ISBN13
978-3-900009-16-8
Annotation
Irgendwo an der Grenze zwischen Kindheit und Erwachsenentum gibt es ein Niemandsland, in dem das Leben schwerelos ist. Die Spiele der Kinder werden mit den Spielanleitungen der Erwachsenen ausgeführt und die Spielregeln ändern sich oft während des Satzes. Am sinnlichsten lässt sich dieser Zustand erfahren, wenn man vom Liftwart vergessen nach Betriebsschluss noch auf einem Sessellift sitzt. Soll man warten oder springen? - Das ist die Fuge zwischen den zwei Welten. Hubert Flattingers grandioser Jugendroman beginnt mit jenem vergessenen Liftboy, der an einem Sessellift im Niemandsland hängt. Und es kommt gleich noch dicker: Liftboy ist ein Mädchen, das sich den Tiroler Traumberuf erfüllt hat und für einen gestandenen Liftwart eingesprungen ist. So hängt Claudia, wie die vierzehnjährige Liftboy wirklich heißt, zwischen allen Dingen, offensichtlich hat man den Strom abgeschaltet oder sie einfach vergessen. Nicht denken. Das ist eine gute Übung. (121) Tatsächlich ist es nicht leicht, mit Träumen die Gegenwart auszufüllen oder gar noch etwas für die Zukunft zu planen, aber nichts zu denken in einer Welt, in der das Denken ohnehin nicht erwünscht ist, das ist eine gute Übung zur Bewältigung der Welt. Das Leben einer Vierzehnjährigen spielt sich an manchen Tagen wie bei Alice im Wunderland ab, die Dinge sind oft nicht das, als was sie erscheinen. Das kann manchmal zu handfesten Fremdenverkehrsprogrammen oder Masterplänen für ein ganzes Land ausarten. Wir verkleiden uns sogar als Einheimische, damit jeder gleich weiß, dass wir das Personal sind. (79) An dieses Motto halten sich die Erwachsenen und Claudia wächst offensichtlich gut in diese Rolle hinein, wobei ihr natürlich der Habitus eines Liftboys sehr zu Hilfe kommt. Freilich sind die Geschlechtsrollen ziemlich schwierig angelegt, da gibt es leicht Verwirrungen, nicht nur bei den Begriffen. Das Lieblingswort einer ersten Affäre ist Connecticut, dieser wundersame US-Staat klingt nämlich nach Trennung und Verbindung in einem. Allerdings ist der Junge ein bisschen zu schnell mit der Analyse dieses Wunderlandes und verwechselt Connecticut mit Condom. Immerhin stimmen die ersten Buchstaben, aber so etwas kann eine romantische Beziehung leicht entschleunigen und zu einem Ende vor dem Beginn führen. Hubert Flattingers Roman erzählt aus der Innensicht eines Mädchens, wie man erwachsen werden kann, ohne erwachsen zu sein. Das Ambiente liest sich als verrückt gewordener Musikantenstadel, in dem Trance, Hüttenzauber und knallharter Fremdenverkehr scheinbar leicht angezuckert oder angekifft einhergehen. Der Roman zeigt so etwas wie ein knallbuntes Land, das in eine zu große Rolle geschlüpft ist. So können sich die erwachsenen Leser richtig an ihren kindlichen Lebensweisheiten ergötzen, während die jungen Leser wahrscheinlich kopfschüttelnd staunen, was da noch alles Witziges auf sie zukommen wird. Helmuth Schönauer

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