Von Vulkanen und Narren

Bezeichnung Wert
Titel
Von Vulkanen und Narren
Untertitel
Novellen und Gedichte
Verfasserangabe
Bonatti, Hugo
Medienart
Sprache
Person
Reihe
Reihenvermerk
8
Verlag
Ort
Innsbruck
Jahr
Umfang
152 S.
ISBN10
3-85185-025-4
ISBN13
978-3-85185-025-3
Band
8
Annotation
Quelle: Pool Feuilleton; Selbst sogenannte gute Literatur muss nicht für die Ewigkeit sein und schaut an manchen Tagen ganz schön alt aus. In der Sammlung "Von Narren und Vulkanen" von Hugo Bonatti sind die Texte einfach alt und nicht zeitlos, wie Mario Andreotti in seinem Vorwort meint. In der Quellenangabe werden zwei Texte als Erstausgabe ausgewiesen, aber der abschließende Prosatext Vulkane ist aus dem Jahr 1977 und der Eingangstext Konzil aus 1991. Der Rest der Sammlung ist noch älter und geht bis auf 1963 zurück. Man muss diese Jahreszahlen vor der Lektüre auskramen, weil man sonst mit den Texten nicht zurechtkommt. Diese sind im Habitus und patinösen Gestus eher dem 19. Jahrhundert zuzurechnen als der Gegenwart. Unter dieser Geschichtsbürde des gewöhnlichen Zeitablaufs geht den Texten auch jegliche Atmung aus. Das Konzil hantiert mit zeitfernen Enzykliken und Floskeln, die die Gegenwart nicht mehr erreichen. Der Witz, wonach sich der Papst "Anonymus I" nennt, weil er so farblos ist, ist witzig wie das Tridentiner Konzil, aus dem er vielleicht übriggeblieben ist. Das Requiem für einen Verkehrstoten geht von einem Witz aus, wonach nach einem Unfall ein BMW und ein Mercedes gleich deformiert aussehen. Der Verkehrsunfall wird wie eine Hinrichtung aufgerollt, während des Requiems denken sich die Helden ein betuliches Leben aus und nehmen den Verkehrstod zum Anlass, um über den Sinn des Lebens nachzudenken. Die Nazizeit ist noch nah und nicht aufgearbeitet und man denkt beim Begräbnis an verschiedene Ehemalige und Nicht-Ehemalige. Schön ist freilich die Fügung, wonach der Tote seine Haut abgestreift hat wie eine Schote. (30) In der Geschichte vom Pianisten dreht ein Musiker offensichtlich während der Morgentoilette durch und flieht in seinen eigenen Musikkosmos. Dabei ist die musikalische Welt so abgedichtet gegenüber der Außenwelt, dass man mit dem Hirn des Insassen dieser musikalischen Kapsel kaum kommunizieren kann. Als Leser muss man sich Musik erzählen lassen wie eine Partitur. Ohne Musikstudium ist dieser Pianisten-Essay nicht zu schaffen. In der Vulkan-Geschichte schließlich will jemand einen Roman schreiben und kriegt es nicht hin, so entwickelt sich die Story einer Story. Diese Gedächtnis-Sammlung ist ein schönes Geschenk an die Angehörigen, dass man Hugo Bonatti nicht vergisst. Literarisch aber ist nicht viel los, die Texte sind aus der Zeit gefallen und nirgends angekommen, nicht einmal in einer Vorlass-Kiste. Thematisch ist kein Heuler dabei und erzähltechnisch bewegen wir uns irgendwo zwischen Pubertät und Oberstufe der 1950er Jahre. - Sorry, der Tag wird nicht besser, wenn man dieses Buch liest. Helmuth Schönauer
BEMERKUNG
Katalogisat importiert von: Rezensionen online open (inkl. Stadtbib. Salzburg)
8
Übersetzung
Deutsch
Trägermedium
Band