Harmonia Caelestis

Bezeichnung Wert
Titel
Harmonia Caelestis
Verfasserangabe
Péter Esterházy
Medienart
Sprache
Person
Verlag
Ort
Berlin
Jahr
Umfang
920 S.
ISBN13
978-3-8270-0405-5
Schlagwort
Annotation
Esterházys opus magnum - ein Panoptikum der europäischen Geschichte der letzten Jahrhunderte. (DR) Nach zehnjähriger Arbeit legt Péter Esterházy hier die Geschichte seiner Familie vor. Familiengeschichte? Man wird förmlich hineingezogen in eine barock anmutende Fülle von Texten, die einen - auch chronologisch - kreuz und quer durch die europäische Geschichte und auch die seiner Familie jagen. Das trifft vor allem auf den ersten Teil, "Numerierte Sätze aus dem Leben der Familie Esterházy", zu. In 371 maximal einige Seiten langen Texten werden die Erlebnisse immer ein und derselben Hauptfigur, "meines Vaters", beschrieben (und zwar eben quer durch die Jahrhunderte). Es handelt sich dabei um Splitter aus der Familiengeschichte der Esterházys, dieses wohl bedeutendsten ungarischen Adelsgeschlechtes, aber darüber hinaus noch um vieles andere (haben Sie gewusst, dass sich die Geschichte von Ödipus in Ungarn zugetragen hat?). Das Ganze steht unter dem bezeichnenden Leitmotiv "Es ist elend schwer zu lügen, wenn man die Wahrheit nicht kennt". Es verlangt dem Leser einiges ab: denn der Autor erzählt eben nicht chronologisch, sondern bedient sich des postmodernen Mittels der Dekonstruktion; er löst seinen Text in Assoziationsketten auf, passt seinen Sprachstil dem der gerade beschriebenen Epoche an usw. Am Ende meint man so etwas wie einen Überblick gewonnen zu haben - ein Eindruck, der wohl täuscht. Im zweiten Teil, "Bekenntnisse einer Familie Esterházy", kommt das Buch zumindest erzähltechnisch in ruhigere Gewässer. Es schildert nun tatsächlich die Familiengeschichte ab der Räterepublik 1919, erzählt von Enteignung, Demütigung und dem Lebensgefühl im 20. Jahrhundert. Esterházy, materiell enteignet, hat sich mit diesem Buch wohl emotional wieder seines Landes vergewissert; er beschreibt Land und Leute liebevoll und oft detailgetreu. Dementsprechend hoch steht das Werk in der Gunst der Ungarn - ein Nationalepos, in den Verkaufsziffern vor "Harry Potter". Wirklich erwähnenswert ist auch die Übersetzerin: Terézia Mora, Bachmann-Preisträgerin 1999 und so etwas wie eine Grenzgängerin zwischen den beiden Sprachen. Ihre Übersetzung kann wohl als eigenständige literarische Leistung gelten. - Man liest dieses 921 Seiten starke Buch nicht in einigen Tagen, aber: Nehmen Sie sich Zeit dafür. *bn* Franz Holztrattner