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Apanies Perlen

Bezeichnung Wert
Titel
Apanies Perlen
Untertitel
vier Erzählungen
Verfasserangabe
Judith W. Taschler
Medienart
Sprache
Person
Verlag
Ort
Wien
Jahr
Umfang
183 S.
ISBN13
978-3-7117-2010-8
Schlagwort
Annotation
Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html); #Autor: Katharina Ferner; #Vier spannende, hochdramatische Erzählungen mit unausweichlichem Ende. (DR)#"Apanies Perlen" umfasst vier unterschiedliche Erzählungen, die sich in ihrer Dramatik stetig steigern. Die erste Erzählung "Oskar oder Who the fuck is Waldheim" handelt von einem jungen Mann, der sich während eines Auslandaufenthalts auf die Suche nach seinem Großvater macht und sich schließlich mit einer überraschenden Vergangenheit konfrontiert sieht. Die Titelgeschichte "Apanies Perlen" spannt den Bogen von 1867 bis 2013. Der Ausgangspunkt ist eine Sage über das Aborigine-Mädchen Apanie, die beste Perlentaucherin, bis zu ihrem Tod durch einen Hai. Aus ihren letzten Perlen fertigt man eine Kette, die Glück, aber auch Unglück bringen kann. In der dritten Geschichte "Worst Case" erinnern Milieu und Atmosphäre an ein naturalistisches Drama. In allen Texten sind Tod und Verderben ein zentrales Thema. "Bis der Tod uns scheidet" erzählt die Liebes- und Leidensgeschichte eines Mannes, der es aufgrund seiner mangelnden Religiosität nicht schafft, seine Familie zu erhalten, als seine zukünftige Frau beginnt, ihren Glauben aktiv auszuleben.#Jede der vier Erzählungen zeichnet sich durch ein hohes Erzähltempo aus, was aber die unglaubliche Komplexität der kurzen Texte nicht mindert. Fazit: Kein Buch für schwache Nerven.## ---- #Quelle: Pool Feuilleton; #Am witzigsten wird die Literatur immer dann, wenn die Realität so kompakt ins Unwahrscheinliche verdichtet wird, dass man sie nur mehr mit Schmunzeln und Gelächter aushalten kann. Der von der Germanistik so geliebte Realismus kippt ins Sagenhafte, wenn sich auf jeder Seite eine neue Ungehörigkeit auftut.#Judith W. Taschler dreht in ihren vier Erzählungen heftig am Story-Rad, in immer schnelleren Episoden rasen dabei die Geschichte einem durchgeknallten Ende zu.#"Oskar oder Who the fuck is Waldheim?" erzählt eine Familiengeschichte, in der politisch überkorrekt mit der Waldheim-Ära aufgeräumt wird. Oskar heißt natürlich so, weil seine notgeschwängerte Mutter während der Schwangerschaft die Blechtrommel gelesen hat, nach der Geburt kommt Oskar zu Pflegeeltern und die Mutter hängt sich auf. Nach düsteren sexuellen Vorübungen im österreichischen Milieu reist der Held nach Amerika um seinen Großvater zu suchen, bei einer Gastfamilie kommt es zu sexuellen Höhepunkten, bei denen immer der Name Waldheim gerufen werden muss. Der Großvater stellt sich als österreichischer Nazi heraus, der als KZ-Scherge in Mauthausen gewütet hat und sich angesichts der späten Entlarvung literarisch pflichtgemäß in den Kopf schießt.#Was religiöses Getue letztlich anrichten kann, zeigt sich in der Geschichte "Bis der Tod uns scheidet". Ein Autohändler fährt voll auf eine Frau ab, die besonders gut Auto fahren kann. Freilich hat sie einen religiösen Tick und will alles katholisch einwandfrei, weshalb sich der Lover streng an die Zelebration einer Messe hält und all sein Tun mit passendem religiösen Brimborium unterlegt. Als sich seine bisherige Ehe nicht kirchlich auflösen lässt, überfährt er seine bisherige Frau, aber auch als Witwer kommt er nicht weiter, weshalb er die Geliebte letztlich mit einem Bremsdefekt auf einen Baum rasen lässt und weiterhin ein guter Mercedesverkäufer bleibt.#Im "Worst case" soll angeblich der Euro wieder abgeschafft werden, was zum Weltuntergang führen dürfte. Die Familie feiert daher die letzten Weihnachten und merkt bei dieser Gelegenheit, dass die Freundin des Stammhalters schwanger ist und im Freien steht.#Eine Perlenkette hat richtigerweise keinen Anfang und kein Ende, die Geschichte von "Apanies Perlen" lässt die einzelnen Episoden wie einen Rosenkranz durch eine Abenteurerhand gleiten. Das Aborigine-Mädchen Apanie taucht an ihrem letzten Tag hundert Perlen aus dem Ozean und stirbt. Aus dem Perlen wird eine Kette geflochten, die allen Trägern Unglück bringt. Letztlich kommt die Kette auch nach Südtirol, wo sie ein Außenseiter aufisst, ehe er sich auf einer Lichtung zum Sterben hinlegt. Überall wo die Perlen gewesen sind, wachsen anschließend seltsame Blumen.#Judith W. Taschler erzählt mit sagenhafter Logik grenzgeniale Abenteuer, Familien-Kompositionen oder Alltagsbewältigungen. Was in einer Tageszeitung auf mehrere Kontinente als Schicksal aufgehäuft ist, erleben hier die einzelnen Personen am laufenden Band. In jeder Erzählung stecken die Handlungen eines ganzen Buchregals. Diese über-dichte Dramaturgie erweckt den Eindruck eines Comics, der sich Bild für Bild an die Realität angeschmiegt. - Genial.#Helmuth Schönauer