Arbeiterbücherei Wasenbruck – Zweigstelle Stadtbücherei Mannersdorf
Kontakt und Öffnungszeiten Mit einer PartnerbibliothekWas wir ahnen
| Bezeichnung | Wert |
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| Titel |
Was wir ahnen
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| Untertitel |
Roman
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| Verfasserangabe |
Rudolf Habringer
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| Medienart | |
| Sprache | |
| Person | |
| Verlag | |
| Ort |
Wien
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| Jahr | |
| Umfang |
310 S.
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| ISBN13 |
978-3-7117-2007-8
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| Annotation |
Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html); #Autor: Reinhard Ehgartner; #Eng verzweigt wie die Baumkronen auf dem Cover von Rudi Habringers neuem Roman zeigen sich die Geschichten seiner handelnden Figuren. Wie es im darunter liegenden Wurzelwerk, in den tiefer liegenden Schichten aussieht? - Wir können es nur ahnen. (DR)#Während wir bei Romanen gewohnt sind, dass uns ein Erzähler aus einer höheren Perspektive heraus einen Erzählfaden durch Haupt- und Nebenhandlungen legt, führt Habringer sein bereits in Engel zweiter Ordnung angelegtes Spiel mit dem Wechsel der Perspektiven konsequent weiter. So als würde in den 24 Kapiteln 24mal die Helmkamera gewechselt, folgen wir dem Geschehen aus jeweils neuem Blickwinkel.#Linz und Passau bilden die geografischen Brennpunkte. Das Figureninventar ist uns aus Habringers erfolgreichem Vorgängerroman Engel zweiter Ordnung weitgehend bekannt. In Passau forscht Verena verzweifelt nach den Gründen für die Ermordung ihres Mannes, in Linz sucht Katharina die Spuren ihrer Liebschaft zu diesem Mann und ihre Rache an dem Mörder zu verschleiern. Am Ende werden sich beide begegnen. Familienangehörige, Freunde, Kollegen - sie alle übernehmen zumindest kapitelweise eine Rolle im Geschehen der Handlung. Lauter vermeintliche Hauptfiguren, die einander in unglaublicher Dichte wechselseitig in die Filme ihres jeweiligen Lebens laufen.#Es ist die erzählerische Kunst von Rudi Habringer, dass der Text dieses perspektivische Wechselspiel verträgt. In wenigen Sätzen versteht er es, eine Figur und eine Szene aus einem Gestus, einem Sprachduktus oder einer Denkfigur heraus lebendig werden zu lassen. So switchen wir zwar ständig, bleiben aber dennoch im selben Film, der konsequent seine innere Spannung aufbaut und hochhält. Man staunt, man ahnt, man ist beunruhigt - und blättert begierig weiter. Allen Bibliotheken nachdrücklich empfohlen.## ---- #Quelle: Literatur und Kritik; #Autor: Andreas Weber; #Bigger than life#Rudolf Habringers Roman "Was wir ahnen"#Vor der ersten Seite von Rudolf Habringers neuem Roman Was wir ahnen steht eine Frage von Franz Kafka: "Wer kann das von oben vom Anfang bis zum Ende mit offenen Augen überblicken?" Kafkas (Verweigerung der) Antwort ist Thema von Germanistik-Dissertationen, Habringer evoziert mit diesem Motto die Grundstimmung existentieller Einsamkeit, um deren Überwindung es auf den folgenden 310 Seiten geht. Die von K. angesprochene Perspektive "von oben" lässt gläubige Menschen an den lieben Gott denken, der gelernte Germanist assoziiert Georg Lukács, der in seiner Theorie des Romans die "transzendentale Obdachlosigkeit" des modernen Romans erkannt hat.#Lukács meint den Verlust der Einheit von Inhalt und Form in der Literatur, Habringer erzählt vom Leben. Seine vielschichtige Geschichte kommt aus der Mitte unserer Gesellschaft, er schafft Bewusstsein für Kräfte, Wünsche, Träume und Sehnsüchte der Gegenwart, für das, was unsere Existenz im Innersten zusammenhält; als gestandener Existenzialist gibt er bei diesem faustisch anmutend Unternehmen keine Antworten. Am Ende stehen die großen Fragen nach Sinn und Zweck des Lebens so groß wie am Anfang da. Das Buch ist spannend!#Was wir ahnen ist ein Krimi, mit dem nicht nur die (seit Bill Ramsey) legendäre Mimi gern ins Bett geht. Der Roman ist die Fortsetzung von Habringers letzter großer Arbeit Engel zweiter Ordnung, bekannt ist das Personal der Geschichte, neu ist der kriminalistische Plot: Ein toter Germanist, der erschossen in seinem Auto in einem Wald bei Regensburg gefunden wird, ein erschossener Privatdetektiv, der tot in seinem Auto in einem Wald hinter der Grenze zu Böhmen sitzt. Selbstmord? Mord? Was hat das alles mit dem Ehebruch der Gattin eines sozialdemokratischen Linzer Lokalpolitikers zu tun? Wie geht die Tochter des Politikers damit um, dass ihr Vater sie nicht gezeugt hat? Die Wendungen der Handlung dieses großartig geschriebenen Romans überraschen auf vielen Seiten und werden hier nicht verraten.#Habringer erzählt vom Alltag eines Polizisten, dem Leben einer Politikergattin und dem Weiterleben einer Witwe nach dem Tod ihres Ehemannes, dabei macht er mit der größten Raffinesse die Wahrheiten hinter den Geheimnissen und Lebenslügen der Protagonisten sichtbar. Durch sechzehn Erzähler-Stimmen (Perspektiven) entsteht ein Panorama der (klein)bürgerlichen (Linzer und Passauer) Gesellschaft. Der Roman ist eine polyphone Erzählung, in manchen Passagen Rollenprosa, die an Thomas Bernhard erinnert, sich aber durch präzise Beschreibung und Atmosphäre unterscheidet: "Sie betraten die Mall gegen halb elf. Die Sonne knallte auf den Parkplatz. Als Erik sein Rad absperrte, merkte er, wie kurz sein Schatten war, ein kleiner Hund, der ihm ständig zwischen die Beine lief. Im Einkaufszentrum brannte künstliches Licht. Sie durchquerten den Gang, rechts ein Elektroladen, links eine Drogerie. Die Fleischtheke befand sich vor dem Eingang zum Supermarkt. Zwei Frauen waren damit beschäftigt, große Nirostabehälter mit Essen zu füllen. Auf der Tafel an der Wand waren die Mittagsmenüs mit Kreide angeschrieben. Zur Auswahl gab es Schweinsbraten und Gemüselasagane."#Habringer beschreibt Leben, seine Figuren sind Stellvertreter, vielleicht Identifikationsangebote. Es geht um die Nöte und Freuden von Familien, Singles und Einzelkämpfern. Katharina, Dolores, Manfred, Werner und die anderen kennen einander vielleicht vom Sehen, aber sie haben keine Ahnung von den zwischen ihnen bestehenden Verbindungen. Alles was passiert, hängt zusammen. Das General-Thema des Romans ist Vernetzung, die nichts mit Globalisierung, sondern mit Menschsein, Schwächen, Ängsten, Fehlern, mit dem sogenannten menschlichen Faktor in vielen Variationen zu tun hat. Die Themen der Handlung kehren in jedes Mal aufs Neue überraschenden Variationen und Kombinationen wieder, man denkt an eine Fuge und die Struktur der Prosa Thomas Bernhards; vielleicht eine Erinnerung des Autors an seine Germanistik-Diplomarbeit über "Thomas Bernhard als Journalist". Sein Bernhard-Roman Der Fragensteller erschien 1992, auch der Umgang mit Versatzstücken von außerliterarischer Realität - Orte, Namen, Ereignisse wie der Linzer Swap-Prozess - verleiht dieser Fiktion Welthaltigkeit und erinnert an Bernhards Prosa. Doch anders als der berühmteste Nicht-Nobelpreisträger und Geschichtenzertrümmerer der (Welt-)Literatur erzählt Rudolf Habringer packend, indem er seine Figuren zum Publikum sprechen lässt.#Und er besticht bei der Schilderung von ineinander verschlungenen Lebensläufen voller Höhen und Tiefen mit meisterhafter Komposition; die Kette der Ereignisse ist lang, ist kompliziert, aber man weiß auf jeder Seite, worum es gerade geht - und will wissen, wie das alles weitergeht! Die Lektüre vermittelt ein Gefühl von Licht und Schatten im Gemüt, weil Habringer eine "kleine" Geschichte aus dem bürgerlichen Alltag erzählt. Die sorgt beim Lesen für (nicht immer angenehme) Momente des Wiedererkennens von eigenen Erlebnissen, Freuden und Enttäuschungen. Das hat nichts mit Tatort und Fernsehen zu tun, hier geht es um die großen und nie gelösten Rätsel des Lebens - und das ist großes Kino.## ---- #Quelle: Pool Feuilleton; #Sensible Menschen verlassen sich nicht so sehr auf das Sichtbare und Ausgesprochene, sie knüpfen sich auch die Aura und das Unantastbare vor, wenn sie mit anderen in Kontakt treten. Das Leben ist schließlich an manchen Tagen nichts Gewisses sondern bloß eine Ahnung von allem, was uns umgibt.#Rudolf Habringer setzt in das Euregio-Geflecht Regensburg, Linz, Krumau ein verfilztes Figurenset hinein, das wie in guten russischen Romanen als "Anhang der Hauptpersonen" ausgewiesen ist. Als Leser fallen einem sofort die drei Hauptberufe der Figuren auf: Germanist, Psychologin, Polizist. Und einige Ehefrauen haben einen ermordeten Mann als Partner, das ist eine neue Form der Patchwork-Beziehung.#Tatsächlich sind die Figuren lose über das halbe Land verstreut, ein Germanist ist in Regensburg ermordet worden, seine Frau versucht als Psychotherapeutin wenn schon nicht den Täter, dann wenigstens das Motiv herauszufinden.#Irgendwie parallel zu dieser Konstellation ist in Linz Katharina mit einem Politiker verheiratet, der offensichtlich selbst mit Affären eingedeckt ist, während Katharina daran herumkaut, dass ihr Kind in einem Schnell-Schuss nach einer Party von einem anderen stehend im Park gezeugt wurde. Dieses Kuckuckskind hat mittlerweile selbst Recherchen angestellt und ist amtlich auf eine fremde DNA-Spur gestoßen.#Die Polizei ahnt mehr ihre Fälle auf, als dass sie diese aufklären könnte, ein schnell engagierter Privatdetektiv wird ebenfalls ermordet.#Nicht nur dass die offizielle Gesellschaft in Form der Polizei nichts aufklären kann, auch die Helden selbst sind in ihrer Verschwiegenheit, im Abtauchen und Aussitzen versunken. Einmal erzählt Katharina ihrem dementen Vater von der Affäre, die zum Kind geführt hat. "Jetzt weißt du es. Und morgen hast du es vergessen." (78) Die Demenz wird gnädig über das Gebeichtete hinwegsehen.#Ein anderer ist ungewollt Vater geworden und macht sich dann doch auf zur Geburt im Krankenhaus. "Ich fahre meinem Kind entgegen." (239) Aber dann erlöst ihn auf dem Weg dorthin der Tod auf der Straße, was die Affäre seltsam grotesk beendet.#Die Psychotherapeutin erfährt immer wieder kleine Geheimnisse über ihren ermordeten Mann. "Verena ging in den Gruppenraum zurück und führte die Aufstellung zu Ende." (306) Als Therapeutin bringt sie die Nachrichten gleich in ihrem psychologischen Werkzeugkoffer unter.#Was bleibt, ist eine aufgeklärte Gesellschaft mit Protagonisten im Wohlstand, die an die Grundfragen ihres Daseins nicht herankommen. Beziehungen werden zu geschichtslosen Konsumgütern, das Leben artet in Sitzungen aus, die Politik erledigt alles in einer geschmeidigen No-Na-Sprache.#Rudolf Habringer gräbt in weitläufigen Beziehungsschlamm die Blindgänger ehemaliger Beziehungen aus und wühlt dabei die abgesetzten Sedimente auf. Letztlich verlieren die eingetrübten Figuren jegliche Sicht und versacken im Bodenlosen. - Ein Drama voller eingesperrter, hilfloser Seelen.#Helmuth Schönauer
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