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Wo noch Licht brennt

Bezeichnung Wert
Titel
Wo noch Licht brennt
Untertitel
Roman
Verfasserangabe
Selim Özdogan
Medienart
Sprache
Person
Verlag
Ort
Innsbruck
Jahr
Umfang
342 S.
ISBN13
978-3-7099-7299-1
Annotation
Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html); #Autor: Uschi Pirker; #Roman über eine türkische Frau zwischen den Kulturen. (DR)#Gül ist noch sehr jung, als sie mit Fuat verheiratet wird und gemeinsam mit ihm von der Türkei nach Deutschland zieht. Als die Sehnsucht nach ihren in der Türkei zurückgelassenen Kindern zu groß wird, geht sie zurück nach Anatolien und wartet geduldig darauf, dass Fuat alles Notwendige regelt und ihr folgt. Doch Fuat kommt nicht und nach acht langen Jahren in der Türkei macht Gül einen zweiten Versuch, in Deutschland sesshaft zu werden.#Eine Tochter wohnt in der Türkei, eine in Deutschland. Der Vater und die Geschwister von Gül leben alle in der Türkei. Gül fühlt sich nicht wohl in Deutschland, sie beherrscht die Sprache zu wenig und kommt kaum aus ihrer Wohnung hinaus. Als sie entdeckt, dass ihr Mann fremdgegangen ist, entscheidet sie zwar, sich ihm zu verweigern, aber es gibt für sie dennoch keinen Zweifel, dass sie bei ihm bleiben wird.#Die LeserInnen erleben Gül in verschiedenen Phasen ihres Lebens. Immer ist ihr Denken und Handeln von großer Warmherzigkeit und Mitgefühl, aber auch von Ängstlichkeit und Traurigkeit geprägt. Letztlich schafft es Gül, jede Situation zu meistern, immer gibt es zumindest den Hauch eines Lichtstrahls.#Mich hat der Roman sehr berührt. Die unaufgeregte Sprache und die Kontinuität in der Schilderung des Lebens von Gül haben mir die Türkei und vor allen Dingen die Türken in Deutschland bzw. Österreich ein ganzes Stück nähergebracht. Wenn ich nun eine kaum Deutsch sprechende Frau, vielleicht mit Kopftuch und ungewohnter Kleidung, in der Bahn oder einem Geschäft sehe, denke ich mir immer, das könnte Gül sein.#Sehr empfehlenswert und bei weitem nicht so melancholisch, wie der Klappentext vermuten lässt. Der Roman hinterlässt nachdenkliche, aber keine traurigen LeserInnen.## ---- #Quelle: Pool Feuilleton; #Wann immer die Wörter "türkisch" und "deutsch" in einem Satz zusammenstoßen, besteht für den Autor große Gefahr, gesucht, entführt und eingesperrt zu werden.#Selim Özdogan wendet sich unverfroren klar dem Thema der türkisch-deutschen Verhältnisse zu, er geht freilich allem Politischen aus dem Weg und nimmt das unscheinbarste Wesen beider Kulturen als Heldin: Gül ist eine vom Leben abgehärtete Frau, die im Ruhestand Bilanz zieht und unter den Familienmitgliedern dort nachschaut, "wo noch Licht brennt."#Gül ist in einer frühen Anwerbungswelle nach Deutschland gekommen, ihr Mann Fuat hat so allerhand Jobs durchgemacht, bis er verschlissen ist. Auch sie ist sich für keine Arbeit zu schade, und als beide einmal in derselben Firma arbeiten, merkt sie, dass es ihr Mann mit der Arbeit nicht so genau nimmt. Korrektheit ist also nicht ein Fall der Kulturen, sondern eine individuelle Ausprägung.#Das Hin und Her bleibt das große Thema von Gül, die als geheimes Familienoberhaupt mittlerweile ausgleichend zwischen den Mitgliedern in Deutschland und zu Hause in der Türkei vermitteln muss. Sie selbst ist auch zwischendurch wieder zwanzig Jahre in die Kindheit zurückgekehrt und merkt in diesem ständigen Wechsel, wie sich beide Länder entwickelt haben. "In Deutschland waren wir alle gleich" (322) sagt sie einmal, als sie zu Hause sieht, wie die Heimkehrer ihr Geld anzulegen versuchen.#Apropos anlegen, Gül hat ein Leben lang gespart, um sich ein erträgliches Leben im Alter leisten zu können und ist doch Opfer des Banken-Crashs geworden. Die Kohle macht keinen Unterschied, wer welcher Nationalität angehört. Die Nationalitäten werden pragmatisch gesehen, wenn man sich dadurch lange Warteschlangen erspart, macht es Sinn, die passende Staatsbürgerschaft zu beantragen. An der patriotischen Stimmung ändert das noch gar nichts.#"Wir sind Anatolier. Mit der Erde verbunden. Nicht mit dem Wasser." (257) Manchmal brechen archaische Erfahrungen durch wie eine Beschwörungsformel, denn der Lauf des Lebens ist letztlich eine biologische Angelegenheit. Fuat bekommt es wie alle Deutschen mit der Hüfte zu tun und muss operiert werden. In der Türkei redet man mehr darüber, meint er, aber sonst ist eine Hüfte eine Hüfte.#Die größte Veränderung zwischen den Kulturen bringt das Handy. In der Vorzeit hat sich Gül den Lohn oft in Münzen auszahlen lassen, mit denen sie von Telefonzellen aus zu Hause angerufen hat. Oft ist dabei der ganze Lohn dafür aufgegangen um zu wissen, wie es zu Hause steht.#Im Roman sind viele Lebensweisheiten versteckt, die zusammenkommen, wenn in einer großen Familie Glück und Unglück in großer Verlässlichkeit aufeinandertreffen. Für die großen Dinge des Lebens sind dabei die diversen Kulturen ungeeignet, sie helfen nicht einmal als Ausrede, denn der Lauf der Zeit rattert alle gleichermaßen nieder. Wichtig ist, dass man wach bleibt und jemand wird, wo noch Licht brennt. - Pure Lebenserfahrung zwischen den Kulturen.#Helmuth Schönauer

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