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      <marc:subfield code="a">Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html); &#xD;
Autor: Ingrid Kainzner; &#xD;
Eine literarische Spurensuche, die der Frage, welche Bedeutung Lebensort und Landschaft für Dichterinnen und Dichter hat, nachgeht. (PL)&#xD;
Zwei Jahre lang ist Brita Steinwendtner, selbst Schriftstellerin, kreuz und quer durch Europa gefahren und hat Kolleginnen und Kollegen aufgesucht, um von ihnen zu hören, was ihnen ihre Lebensorte bedeuten und wie sie ihr Schreiben beeinflussen. Kein einziges der 18 Dichterporträts lässt die LeserInnen kalt und das unabhängig davon, ob man von dem einen oder der anderen Autorin schon gehört oder gelesen hat. Jedes strahlt eine unglaubliche Intensität aus, ist mit so viel Feingefühl und Empathie verfasst, dass man meint, den oder die Porträtierte vor sich zu haben.&#xD;
Ob es sich um Friederike Mayröcker handelt, die in ihrer von Schriften und Zetteln beinahe gänzlich bedeckten Wiener Wohnung von ihrem Kindheitsparadies Deinzendorf erzählt, den passionierten Großstadtliebhaber Bodo Hell, der seit 38 Jahren im Sommer ein zweites Leben als Senner auf der Grafenbergalm am Dachstein führt, oder die poetische Marica Bodrozic, die in ihrer heiß geliebten Wahlheimat Berlin den Zauber der mediterranen Welt beschwört, immer gelingt es Steinwendtner das Wesentliche herauszuarbeiten und unter den Zitaten jene auszuwählen, die das jeweilige Werk am besten illustrieren. Was sie mit ihren GesprächspartnerInnen verbindet, ist ein humanistischer Grundkonsens, Engagement für die Unterdrückten, Interesse für das Weltgeschehen und das Erkennen von Schönheit, in der Natur, der Kunst, der Sprache. Große Empfehlung!&#xD;
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Quelle: Literatur und Kritik; &#xD;
Autor: Bernhard Oberreither; &#xD;
Emphatisch, präzise&#xD;
Brita Steinwendtners poetische Recherchen »Der Welt entlang«&#xD;
Schon 2007 hat Brita Steinwendtner einen Band mit Porträts vorgelegt. Protagonisten der Texte waren einerseits Autorinnen und Autoren mit ihrem Werk, nicht zuletzt aber: die Landschaft, in vielfältiger Verschränkung mit Leben und Werk gezeigt, als »Dichterlandschaft« in Szene gesetzt. In den letzten Jahren hat die Literaturvermittlerin  bis 2012 war Steinwendtner Intendantin der Rauriser Literaturtage  ihr Projekt fortgesetzt; das Ergebnis ist der bei Haymon erschienene Band Der Welt entlang. Erneut sind es persönliche Begegnungen, die den Kern von Texten zu etwa Alfred Komarek, Karl-Markus Gauß und Bodo Hell bilden und ins Weinviertel, nach Salzburg oder zum Dachstein führen. Vor allem aber jenseits der Staatsgrenzen (und an diesen entlang) findet Steinwendtner ihre Gesprächspartner  Robert Menasse in Brüssel, Ale teger in Slowenien, Juri Andruchowytsch in der Ukraine und einige mehr. Es sind literarische Landschaftsporträts, und das heißt heute wie vor zehn Jahren gleich mehrerlei: sensible Porträts von Literatinnen und Literaten in ihrer Landschaft, aber auch stimmungsvolle Porträts der Landschaft, gesehen durch die Literatur derer, die von ihr geprägt wurden, und nicht zuletzt kenntnisreiche Porträts dieser literarischen Texte, gesehen durch die Landschaft.&#xD;
Schreiben bedeutet unterwegs sein: am Papier ohnehin, aber, wie man sieht, in großem Maße auch real, (oder besser:) geographisch. Steinwendtner zeichnet die Wege ihrer Porträtisten durch Länder und Kontinente nach, beginnend bei Friederike Mayröcker  die wie verwachsen wirkt mit ihrer Schreibklause in der Wiener Zentagasse und dennoch einen geographisch-literarischen Vektor aufweist; es ist  natürlich  der nach Deinzendorf, zum Vierkanthof des Großvaters, der der Wirtschaftskrise der Zwischenkriegszeit zum Opfer gefallen war und seine Spur in Mayröckers Werk hinterlassen hat.&#xD;
Die Konstellation, die man anspricht, wenn man sagt: »der seine Spur in ihrem Werk hinterlassen hat«  dieser Zusammenhang zwischen Leben (hier: Landschaft) und Werk ist die notwendige Voraussetzung von Steinwendtners Unterfangen. Anstandslos wird hier die Verbindung hergestellt zwischen etwa Romanschauplätzen und realen Orten, werden beide  oft recht bruchlos  miteinander identifiziert, sodass für das Eigenrecht der Literatur, zwischen den realen und den fiktionalen Ort zu treten, sie vielleicht sogar zu trennen, manchmal kaum Platz bleibt. Dieser oder jener reale Weinbauer ist dieser oder jener Weinbauer in Komareks Polt-Romanen, da passt kein Blatt Papier dazwischen  das muss man erst einmal schlucken.&#xD;
Sollte man auch, denn: Das ist nicht Literaturwissenschaft, das sind auch keine journalistischen Porträts; es ist ein Hybrid aus mehreren Gattungen, und  vor allem  Literatur; die Homepage der Autorin nennt den Band »Erzählungen«. Das Buch lässt sich dann als literarisches Porträt nicht zuletzt der Icherzählerin lesen, die da immer wieder allein durch die Landschaften und Gassen, über die Bergrücken wandert, die wir immer wieder am Hotelfenster sehen, neben ihr »W.«, der Begleiter und Fotografen; die sich ihrer Literatur über deren Urheber und Landschaften nähert, mit Sensibilität, Begeisterungsfähigkeit, Belesenheit und nicht zu wenig Pathos, die auch die Gemeinsamkeit mit ihrem Gegenüber sucht, und die nicht selten gekonnt und unaufdringlich den Blick übernimmt, den sie in den Büchern vorgeformt fand (und so etwa in Salzburg den Bettlern dieselbe Aufmerksamkeit zollt wie ihr Gastgeber in seinen Journalen).&#xD;
Porträts als Bildgattung tendieren zum Stillstand. Gerade das geschieht hier nicht: Hinter Steinwendtners Figuren liegt Bewegung, geo- und biographisch; es ist dann schon eine Ausnahme, wenn jemand lieber zuhause bleibt und sich auf das Recht des Schriftstellers beruft, sich die Orte einfach auszudenken. Andere reisen, beispielsweise in kritischer Absicht, und finden unerwartet und nachhaltig Gefallen an ihrem neuen Ort (hier: der europäischen Hauptstadt). Nicht zuletzt Krieg und politische Verwerfungen schreiben sich einigen dieser Lebensläufe ein, und man stößt auf Autorinnen und Autoren, die ob der Vergangenheit und der Gegenwart ihres zerrissenen Heimatlandes einen immer bittereren Kampf am Papier führen, und andere, deren politisches Schreiben ihnen die Rückkehr in die Heimat versperrt. Dem ist es geschuldet, wenn die Worte »Zuhause« und »Identität« für die Porträtierten mitunter ihre Bedeutung geändert haben, oder wenn sie, wie bei Marica Bodroi´c, schlicht ersetzt wurden: »Orientierung, sagt sie, ist besser als dieses Schlagwort von der Identität. Orientierung ist nichts Festes, nichts, was wir verteidigen müssen, wofür wir sterben und töten müssen.«&#xD;
Die Porträtistin ist durchgehend Enthusiastin. Sie schreibt, wie es scheint, fast ausnahmslos über Lieblingsbücher. Im Lauf der Lektüre wird das selbstverständlich, und man kann nicht anders aus dem Buch aussteigen als mit geweckter Neugierde und einer langen Lektüreliste. Hin und wieder natürlich zeigt sich: Bewunderung ist eine undankbare Textsorte, und Bedeutsamkeit kann ein stilistisches Problem werden. Der Mayröcker-Text, der den Band eröffnet, ist ungebrochene Ikonenmalerei, »staunend, von Glück erfüllt«. Einer der Höhepunkte hingegen ist der Besuch bei Bodo Hell am Dachstein, wo er über die Jahrzehnte eins geworden ist mit seiner Alm, seiner Verantwortung für die Tiere und die Landschaft, und der im Text augenzwinkernd zur mythischen Figur stilisiert wird, irgendwo zwischen heiligem Franziskus und Alm-Satyr. Im Tal munkelt man: er habe sich sogar mit den sagenumrankten »Wildfrauen« eingelassen  und sei davongekommen!</marc:subfield>
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