Nackte Helden
| Bezeichnung | Wert |
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| Titel |
Nackte Helden
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| Untertitel |
und andere Geschichten von Frauen
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| Verfasserangabe |
Irene Prugger
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| Medienart | |
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| Person | |
| Verlag | |
| Ort |
Innsbruck
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| Jahr | |
| Umfang |
166 S.
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| ISBN13 |
978-3-7082-3122-8
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| Schlagwort | |
| Annotation |
Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html); #Autor: Martina Lainer; #Shortcuts, die Frauenwelten in ihrer Differenziertheit offen legen. (DR)##Irene Prugger stellt in ihren kurzen Texten Frauen ins Rampenlicht, deren Vorstellungen vom Leben in engem Zusammenhang mit den Vorstellungen, die sie von Männern haben, stehen. Für die unscheinbare Cornelia wird die Geiselnahme im Zuge eines Banküberfalls in der Geschichte "Niemandsland" zur letzten Chance, doch noch Beachtung zu finden. Während Cornelia nicht mehr beweisen kann, dass dieses Ereignis sie aus dem eintönigen Trott herausgerissen hat, wird für Helga der ganz unspektakulär vollzogene Seitensprung im Urlaubshotel zum Anlass, aus den öden und demütigenden Beziehungsmunstern auszusteigen. Und wenn es nur dazu dient, kein zwölftes Mal mehr am gleichen Ort Urlaub zu machen ("Muscheln vom Strand in Jesolo"). Doch die Illusionen und Träume vom glücklichen Leben neben einem fürsorglichen Mann machen Frauen zu Dulderinnen, wie etwa Bea in der Geschichte "Kein Weg nach Hause". Sie wird zur Geliebten des Juniorchefs, der die Spielregeln, nach denen ihre Beziehung abzulaufen hat, vorgibt und sie so auf ganz grausame Art unterdrückt. "Nackte Helden", der Text, der dieser Sammlung den Namen gibt, beschreibt eine kuriose Szene aus dem Filmmilieu, das zur Demontage des Industrieprodukts Mann und Frau dient. Dass ein begehrter Schauspieler als fern gesteuerte Puppe fungiert, in einer Welt, in der nicht einmal die Bäume echt sind, legt die Verlogenheit der vorgegebenen Rollenmuster zwischen den Geschlechtern bloß und damit die vermeintlichen Errungenschaften der Emanzipation. Prugger lässt in ihrer Geschichte "Heimkehr" Penelope das Wunder vollbringen, ihren Odysseus von seiner Abreise abzuhalten. Ein Martyrium, schlimmer als das aus der griechischen Mythologie bekannte, erwartet sie. Fast wie eine Befreiung wirkt das Wissen, dass es nur ein Traum ist. - Kurz sind die Texte, aus verschiedenen Perspektiven erzählt, sprachlich knapp und doch vielschichtig (z.B. "Gedeckte Tische" liest sich wie ein Märchen, in "Alte Hüte" bleibt für den Leser beinahe die Zeit stehen, so wie Lisa, die Protagonistin, die Zeit, um zum Fest hinunter zu gehen, anhalten möchte). Junge Mädchen bevölkern ebenso das literarische Parkett Pruggers wie älter werdende bzw. alte Frauen. In jeder Geschichte gibt es wie in einer Geheimschatulle einen doppelten Boden, unter der dargestellten Oberfläche wird der brodelnde Grund sichtbar - literarisch gekonnt aufgelöst von einer noch viel zu unbekannten österreichischen Autorin.## ---- #Quelle: Forschungsinstitut Brenner-Archiv (http://www2.uibk.ac.at/brenner-archiv/); #Autor: Bernhard Sandbichler; #Eine Besprechung von Bernhard Sandbichler, anlässlich der Buchpräsentation, am 24. 3. 2003 im Literaturhaus am Inn, Innsbruck :##Irene Prugger ist eine junge Autorin, nicht etwa weil sie ein Fräulein-Wunder wäre, sondern weil sich bei ihr die erzählerische Frische erhalten hat. In ihren Geschichten spürt man Fabulierlust, Lust an der Irreführung des Lesers. Der Schalk sitzt ihren Geschichten im Nacken - und fährt einem des öftern doch als Schrecken in die Glieder.##Im Mittelpunkt dieser 15 Geschichten, die sich symmetrisch um eine Geschichte gruppieren, in der die Symmetrie selbst Prinzip ist und zum Titel wird, am Anfangs-, Scheitel- und Endpunkt dieser 15 Geschichten also stehen nicht die Herren, sondern die Damen der Schöpfung. Es sind Geschichten von Frauen. Einzig ein männlicher Held (ein nackter Held, wie der Titel dieses Buches klar macht) tritt darin auf und macht eine schlechte Figur. Männer sind hier ganz in uninteressante Nebenrollen gedrängt, an denen Frauen zur Hauptrolle auflaufen. Aber wenn hier auch Wohl und noch mehr: Wehe der Geschlechter aneinander inszeniert werden, dieses Gewichtige wird nie gegeneinander aufgewogen. Es kommt vor, dass Frauen am Ende ihre Ärsche voller Überzeugung in den Himmel recken und ihren Blow- oder Handjob durchaus von weiblicher Generation zu weiblicher Generation weitergeben wollen. Sie erklären ihren Töchtern neben dem Kochen auch die Männer und deren Gewohnheiten.#Aber gerade dieses so erzählte Gewöhnliche setzt sich ungewöhnlich fort. Es kippt hinterrücks in das dunkle Gewässer der Irrealität, es schlägt Wellen, und diese Wellen lecken den Leser an den Zehen. Da steht er nun, der Leser, und sucht einerseits den fernen Horizont dieses Textgewässers ab und wird andererseits so nahe berührt.#Zunächst schaut er einmal nach unten zu den Zehen und erkennt: was ihn da berührt, trägt Namen:##Cornelias Gedanken strudelten durcheinander. > > Ihm gefielen vor allem die apfelgroßen, straffen, vermutete Helga. > > Und ich will Kleopatra heißen, wenn dieses Lächeln nicht doch einen Haken hat. > > He Bea!, rufen ihr die kleinen Brüder hinterher. > > Nichts Individuelles. Ihr spielt einfach Frauen. > > Ich nehme an, liebe gnädige Frau, Sie kennen solche Zustände, obwohl Sie wahrscheinlich auch im Haushalt der Gefühle auf mehr Ordnung achten, als irgendein Mann es je könnte. > > Ich glaube, ich muss zum Arzt, dachte Martha. Aber wie einem Arzt absonderliche Schweineträume erklären? > > Eines Morgens, beim Blick in den Spiegel, erschrak Anne darüber, wie viel Zeit vergangen war seit dem vorigen Tag. > > "Nein", sagte Luise zu ihrer Freundin Susanne, "ich persönlich habe keine Angst vorm Sterben, aber jetzt muss ich zusehen, dass ich Hermann einhole, bevor ich ihn aus den Augen verliere, denn ich habe seine Herztropfen in meiner Tasche." > > Ich stand auf und fasste Bad ohne Umschweife an.##"Ich stand auf und fasste Bad ohne Umschweife an." Was für Berührungen! Eine folgt der anderen im Reigen der Erzählungen, und sie lassen einen nicht los. Mitten in diesen Berührungen, dem Herschwappen der Erzähl-Wellen an die Zehen hebt der Leser, wie gesagt, zuweilen seinen Blick zum Horizont. Das ist dann immer etwas Schwindel erregend, Weitblick ist eben ein Wagnis. Wagen wir ihn, den Blick an den Horizont, wenn auch nur wirklich ganz kurz! Woher also kommen die Erzähl-Wellen? Sie kommen aus dem unermesslichen Meer der Texte; vielleicht mag man eine Strömung benennen: William Gass etwa, den Meister des ungewöhnlichen Gewöhnlichen, des wirklichen Unwirklichen im Erzählen; oder James Salter, dessen schön dahinfließende Textströme unmerklich in reißendere übergehen. Aber diese beiden Amerikaner sind eben nur zwei, wo Irene Prugger vieles liest und gelesen hat. Schließlich: sie rezensiert ja andere Bücher, durstig, neugierig, voll Interesse. Zurück zu den Wellen: Der Wind unserer Zeit und unseres Ortes hier genauso wie Strudel aus der tiefsten Seele der Autorin haben diese Wellen natürlich auch aufgewühlt; nicht so, dass es stürmisch zuginge, neinnein, man hört eher ein Glucksen, das dann wieder gleich weg ist. Und man hört dem Glucksen nach und fragt sich: Wohin gehen diese Wellen? (Denn Wellen kommen und gehen.) Das lässt sich nun wieder nicht so ganz präzise formulieren. Und im übrigen: das bleibt jedem Leser selber überlassen. Anreiz zum Denken, Wasser für den Leser, ist jedenfalls genug da.#Man könnte dieses Spiel noch lange fortsetzen. Ich möchte jetzt aber noch einen anderen Punkt zur Sprache bringen. Nämlich: Dieses Buch verliert sich nicht in diesem Kommen und Gehen der Wellen, es ist auch solide Arbeit. Es huldigt keiner anstrengenden Selbstverwirklichung, sondern legt Wert aufs Handwerkliche. Und das ist eine große Tugend, finde ich. Man wird sich dieses Buch nach dem Lesen gerne in seine Bibliothek stellen, um es immer wieder einmal durchzublättern. Dann wird man auf die eine oder andere prägnante Stelle stoßen, an die man sich genau erinnert, weil sie eben nur hier so steht. Und dann wird der Wunsch aufkeimen nach den nächsten Texten dieser Autorin. Und eigentlich ist ja das das Schönste, wenn eine Autorin beim Leser Neugier auf immer mehr weckt. Das ist bei Irene Prugger schon immer der Fall gewesen. Aber zunächst: Freuen wir uns über dieses neue Buch - freuen wir uns auf die folgenden Geschichten!## ---- #Quelle: Forschungsinstitut Brenner-Archiv (http://www2.uibk.ac.at/brenner-archiv/); #Autor: Otto Licha; #Die Zeit läuft nicht rückwärts, bloß weil man keine Zukunft mehr sieht.' Dieses Zitat aus Symmetrie', einer ganz besonders ergreifenden Kurzgeschichte in der Mitte des Buches, nehmen sich Irene Pruggers Heldinnen' zu Herzen und gestalten Gegenwart wie Zukunft. Mögen die Schicksale dieser Frauen zum Teil alltäglich sein: mit makabrer Konsequenz übersehen werden, nichts gelernt haben, dick, geheime Geliebte oder Witwe sein, alt werden, vom jung sein träumen und so weiter, ihre Bewältigung hat mit Alltag nichts gemein. Hier treibt einen die Spannung eines Kriminalromans, dort wird man von einer unglaublichen Pointe überfallen. Irene Prugger holt kaum Männer von den Sockeln, sie lässt sie Chef sein, Macho, Liebling, Müller oder nackter Bad Boy. Den Absturz besorgen die Mannsbilder schon selber, die Frauen gehen nur behände ihren Weg, außer sie stechen ein Schwein ab, und dann hat letzteres es sich selbst zuzuschreiben und weckt keine Trauer. Es hat Irene Pruggers brillanter Stil an sich, dass Tragisches plötzlich zum Lachen anregt und beste Unterhaltung mit Botschaft kombiniert wird, ohne dass man ein überflüssiges Rufzeichen ausmachen kann. Die Welt bleibt die Welt, die man nur mit Müllers Worten erklären kann', aber die Zeit wird durch Nackte Helden' eine andere.## ---- #Quelle: Literatur und Kritik; #Autor: Klaus Zeyringer; #Befunde weiblicher Befindlichkeiten Irene Prugger erzählt Geschichten von Frauen##Nackte Helden nennt die 1959 geborene Tirolerin Irene Prugger ihren gediegen gestalteten Band mit 15 kurzen Erzählungen. Der Untertitel "und andere Geschichten von Frauen\" verweist auf eine durchgehende Perspektive: Die diversen weiblichen Sichtweisen entkleiden die Herren Helden ihrer Pomp- und Protzkostüme. Während die Männer im Grunde meist als armselige Schablonen erscheinen, führt Prugger zuweilen recht weit hinein in die psychischen Befindlichkeiten der Protagonistinnen. Die Befunde fallen ernüchternd aus. Die Beziehungen zwischen den Geschlechtern bringen Desillusion, Kälte, wenn nicht Haß - die Frauen, selbst keine Lichtgestalten, werden benützt, verlassen, ausgenützt, fühlen sich belogen, verraten, betrogen. Die Thematik freilich ist bekannt, seit dem feministischen Aufbruch der frühen siebziger Jahre auch poetisch vielfältig verarbeitet und nach Bachmann für so unterschiedliche österreichische Autorinnen wie Grill, Jelinek, Mitgutsch, Reichart, Streeruwitz wesentlicher Antrieb und Bestandteil des Schaffens. Darauf bauen neuerdings die Werke einer jüngeren Generation, von Monika Wogrolly, Petra Nagenkögl, Corinna Soria: Hier gelangt eine gespaltene Persönlichkeit über eine intensive Sprach-Beziehung zu den Schlüsseln einer belastenden Vergangenheit, somit zu einer (wenn auch schmerzlichen) Identitäts-Betrachtung und -Durchsetzung. Tatsächlich können sich solche Texte immer noch aus gesellschaftlichen Kontexten nähren, in denen hartnäckig ein - eventuell: schaumgebremster - Patriarchalismus herrscht und Mißverständnisse sowie Mißverhältnis zwischen Männern und Frauen wahrscheinlicher sind als verständnisvolle Verhältnisse; gewiß finden zudem "andere Geschichten von Frauen" nach wie vor zahlreiche Leserinnen, auch Leser. Diese literarische Tradition hat, wie jede, entsprechende Muster und (Be-)Deutungsschemata ausgebildet, an denen aktuelle Ausformungen gemessen werden können.#Von Irene Pruggers Erzählungen gehen einerseits einige über die Muster kaum hinaus: Da wechseln banale, vorhersehbare Passagen mit pointierten, bleibt manches zu simpel (das "bessere Ich" in "Sucht"), wird anderes zu explizit vorgeführt (in "Nachbarn"), zu bemüht im Metaphorisch- Irrealen aufgeladen. In diesem Band stehen andererseits ein paar Prosastücke, die neuartige Varianten in durchaus eigenem Tonfall liefern. Meist erscheinen die Positionen auf den sozialen Parzellen schon lange bezogen und besetzt, die Situationen festgefahren. Ergründungen von Vergangenheiten vermögen somit wohl keine Auswege mehr zu versprechen. Es findet sich vielmehr in Momentaufnahmen und symptomatischen Episoden ein Panorama von Frauenschicksalen vorgeführt, dem eine Gegenwart als narrativer Katalysator gesellschaftlicher, zwischenmenschlicher Strukturen und Mechanismen genügt.#Die erste Geschichte schildert spannend, wie eine "unauffällige" Frau, als sie einmal den Blick hebt, ausgerechnet von einem Bankräuber wahrgenommen und von ihm als Geisel in ein Niemandsland entführt wird. Hier gelingen Prugger Situationsbilder und Dialoge, die in ihrer präzise ausgeführten Hintergründigkeit bestechen; leider stellt sie gerade an den Schluß einen zu expliziten Nebensatz, der der literarischen Strategie, der knapp konkreten Erzählhaltung nicht ganz entspricht: "Und bevor der nächste Schuß sie traf und ihr die Knie einknickten, hob sie noch den Kopf und blickte" - "das Leben endlich durchschauend" wirkt hier als unnötiges Ausschreiben und als unpassendes Schielen auf eine metaphysische Ebene - "um sich".#"Muscheln vom Strand in Jesolo" handelt von der Desillusion, den unbefriedigten Lüsten und Gelüsten einer Dicken, "Kein Weg nach Hause" vom verpfuschten Leben einer sich selbst bestrafenden Fabriksarbeiterin, die ebenso als Sexualobjekt eines Chefs fungiert wie die Ich-Erzählerin in "Wir werden sehen, was sich machen lässt". Die eindeutigen Zweideutigkeiten des Bewerbungsgesprächs, die Reflexionen der Arbeitssuchenden, ihr verfahrenes Leben mit einem unfähigen Mann und drei Kindern - das verdichtet Prugger in einem leicht ironischen Duktus, der die Motive klug verknüpft und dem Mächtigen ebensowenig einen Artikel zubilligt wie dem Ohnmächtigen, die beide in knappen Strichen als zwei Seiten derselben schmutzigen Medaille einsichtig charakterisiert sind: "Chef trägt einen steifen Kragen und darüber ein Widerhakenlächeln" (lautet der erste Satz); "Liebling ist Versicherungsvertreter, aber er redet nicht gern mit den Leuten". In so einer Konstellation geht die Frau in die Knie, im konkreten und im übertragenen Sinn. Variantenreich schildert Irene Prugger immer wieder ein enges Leben in seinen kleinen Aspekten mit ihren großen Auswirkungen für die einzelnen Figuren. In "Verliebte Tiroler" und in "Heimkehr", der mir am meisten zusagenden Erzählung, tauchen zudem neben den Normen-Mustern kurz diverse Formen der Fremdheiten auf. Bei einem Tiroler Zeltfest trifft für die Aushilfskellnerin Lisa, die gerade ihre Schwangerschaft bestätigt findet, das bekannte Heimische auf das Fremde in der Person eines türkischen Kaufmannes, zu dem sie sich schließlich nicht hingezogen zu fühlen traut. "Kleines Dorf, kleine Kinder, kleines Schicksal", konstatiert Lisa aus dem Überblick vom Hügel hinter dem Zelt. Was habe ihr der Türke anderes zu bieten als ein kleines Lebensmittelgeschäft? "Große kulturelle Unterschiede ", meint sie und ist einerseits bereit, der Frauenkette von Müttern und Großmüttern zu glauben, "die Liebe als ein stetes, diszipliniertes Bemühen um Gemeinsamkeiten sahen und nur jenen Frauen zumindest ein kleines bescheidenes Glück in Aussicht stellten, die mit einem kleinen, bescheidenen Glück vorlieb zu nehmen bereit waren." Andererseits läßt sie in einer Vision am Ende des Zeltfestes den Türken auf sein Dorf zugehen, "ein Dorf am Schwarzen Meer und desgleichen ein Dorf, versunken im Schwarzen Meer der Dunkelheit. Sie sah ihn, wie konnte es auch anders sein, dieses Dorf verfehlen und tausendundeine Nacht lang durch eine Wüste wandern." Der Mythos anders erzählt - Odysseus wäre nicht ausgefahren: In der nicht mehr als vier Seiten langen, äußerst konzentrierten Prosa "Heimkehr" gibt sich die Frau, Penelope, die Schuld am "großen Versäumnis "; der Held lebt im Möglichkeitssinn. Diese Szene einer Ehe stellt das Bleiben, diese Art der Präsenz, als das Schreckliche dar. "Was gäbe sie", heißt es über Penelope, "um die süß schmerzende Sehnsucht, die ihr vorenthalten wurde, weil er geblieben ist. Jetzt lebt sie ohne Hoffnung und ihr Hass schwappt an ihm ab wie die letzte zaghafte Flut an der Küste." In dieser kurzen Erzählung von Irene Prugger stimmt jedes Wort.
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