Gemeinde- und Schulbücherei Geboltskirchen

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Edelweiss

Bezeichnung Wert
Titel
Edelweiss
Untertitel
Roman
Verfasserangabe
Günter Wels
Medienart
Sprache
Person
Verlag
Ort
Wien
Jahr
Umfang
399 S.
ISBN13
978-3-7076-0645-4
Annotation
Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html); #Autor: Maria Schmuckermair; #Eine Frau setzt sich nach dem Tod ihres betagten Vaters mit seinem gefährlichem Widerstandseinsatz in den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges auseinander. (DR)#Eingerahmt von der Beschreibung des Lynchmordes an einem grausamen, verräterischen SS-Mann im Herbst 1945, wird die Geschichte von zwei Wehrmachtsdeserteuren erzählt, die in den letzten Kriegsmonaten zu den Amerikanern übergelaufen sind und bei der Befreiung ihrer Heimat vom Hitler-Faschismus ihre Hilfe anbieten. Um die Wahrheit über die deutsche "Alpenfestung" herauszufinden und sie den Alliierten zu melden, sollen die beiden Männer mit dem Fallschirm nahe Salzburg abspringen. Für den Einsatz wurden sie im Elsass vorbereitet und mit einem Decknamen und einer falschen Vita ausgestattet. Bei dieser waghalsigen Aktion geht so ziemlich alles schief. Die beiden Deserteure Mahr und Willi werden getrennt und überleben die letzten Kriegsmonate mit viel Glück.#Christine, die Tochter des sterbenden Ökonomieprofessors Maurer, entdeckt auf dessen Schreibtisch den Entwurf eines Romans über diese Widerstandsaktion und kann ihrem Vater noch die Bestätigung entlocken, dass das in Wahrheit seine eigene Geschichte ist und dass sich hinter Willi der Nennonkel Kurt aus Bad Goisern verbirgt. Von ihm erhält sie Aufklärung über eine beunruhigende Leerstelle im Manuskript.#Der Autor Günter Wels, unter dem Namen Kaindlstorfer bekannt als seriöser Literaturkritiker und Hörfunkjournalist, hat die Geschichte des Zweiten Weltkrieges sehr genau recherchiert und die fiktive Handlung, die ebenfalls auf historischen Fakten basiert, in die Schilderungen der letzten Kriegsmonate eingebettet. So entsteht ein in sachlichem, manchmal auch saloppem Ton gehaltener Roman, der trotz sperriger Passagen durchaus spannend, vor allem aber erhellend ist, denn er behandelt den Widerstand damals und nimmt auch die gegenwärtige gesellschaftliche Situation in den Blick. Lesenswert!## ---- #Quelle: Literatur und Kritik; #Autor: Anton Thuswaldner; #Wir brauchen dringend Deserteure#Der Roman »Edelweiß« von Günter Wels#Der Osthistoriker Karl Schlögel sagte einmal, dass er für die Literatur verloren sei, weil er in den Archiven derart viele unerzählt gebliebene Lebensgeschichten finde, dass er vollkommen damit ausgelastet sei, diese zu bergen. Sein Zugang ist ein dokumentarischer, was ihn dazu zwingt, Leer-stellen, in die die überlieferten Zeugnisse nicht reichen, offen zu halten. Deshalb müssen die Biografien der Opfer, denen er nachspürt, Fragment bleiben. Wer vermag es schon, über die Gedanken und Gefühle von Menschen vor unserer Zeit Auskunft zu geben? Schriftsteller pflegen einen ungezwungenen Zugang auf die Figuren, denen sie sich zuwenden. Das lässt sich bei Arno Geiger nachlesen, der in seinem jüngsten Roman Unter der Drachenwand von einem historischen Fall aus der Zeit des Niedergangs des Dritten Reichs erzählt und den Figuren Leben einhaucht, indem er sie lieben, hassen, sich fürchten und kämpfen lässt. Diese Methode leuchtet auch Günter Wels ein, der in seinem ersten Roman ein Ereignis aus den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs aufgreift und damit sehr frei verfährt. Die historischen Fakten sind bis ins Detail unangreifbar, bilden den kleinteiligen Hintergrund für eine Geschichte von Deserteuren, die sich in den Dienst der Amerikaner stellen, um dem Hitlerreich ein rascheres Ende zu bereiten.Günter Wels unter seinem tatsächlichen Namen Günter Kaindlstorfer arbeitet er für den ORF hat sich von dem Fall dreier Österreicher, die mit dem Fallschirm in deutsches Feindesland abgesprungen sind, um gleichsam als Spione wichtige Informationen zu beschaffen, anregen lassen, um sein eigenes Ding zu machen. Der Roman funktioniert nicht unähnlich dem Prinzip eines John le Carré nicht die schlechteste Adresse. Politisch brisante Inhalte werden in eine Spannungsgeschichte gepackt, die einen reinzieht in ein abenteuerliches Geschehen mit ungewissem Ausgang. Im Vordergrund steht der Kampf gegen ein Unrechtsregime, an dessen Brutalität und Realitätsverweigerung Wels keinen Zweifel lässt. Drei begeben sich auf feindliches Terrain, einer wird zum Verräter, die Wahrscheinlichkeit, dass die beiden anderen aufgegriffen werden, steigt enorm. Überleben wird zur Glückssache. Festgehalten hat diese Episode einer der Davongekommenen, der sich im Abstand von einigen Jahren über seine Zeit als Regimegegner Rechenschaft ablegte. Carl Maurer, ein bedeutender Wirtschaftswissenschaftler, schrieb seine Erfahrungen nicht als autobiografischen Bericht nieder, sondern in Romanform. Damit sind wir in den sechziger Jahren angelangt. Spuren mussten damals verwischt werden, um als Wehrmachtsdeserteur nicht verunglimpft zu werden. Maurer fürchtete, dass er sich im damaligen Österreich als »Kameradenschwein«, »Gesinnungslump« und »Vaterlandsverräter, der mit dem Feind gemeinsame Sache gemacht hat«, ins Abseits gestellt hätte. Heute sind Deserteure rehabilitiert, nur den strammen Rechten gelten sie nach wie vor als unseriös. Davon weiß Wels zu berichten, wenn er in die Zeit des Jahres 2011 springt, als die Studentengruppe »Sezessionistische Front« mit rechtsradikalen Aktionen um Aufmerksamkeit heischt. Maurers Enkel macht mit ihnen gemeinsame Sache, bis er wegen deren Verdammung von Deserteuren zu zweifeln beginnt. Günter Wels erzählt von einer Vergangenheit, die nicht enden will und wie sie bis in unsere Gegenwart verheerende geistige Folgen zeitigt.Für ein Lehrstück in politischer Geschichte ist der Autor nicht zu haben, dafür fehlt es ihm an pädagogischem Eifer. Er versteht es, drastisch ins Bild zu setzen, wie sich ein Krieg, der längst verloren ist, auf eine Bevölkerung auswirkt, die immer noch von Fanatikern aufgestachelt und in Angst versetzt wird. Das genügt vollkommen, um sich gegen Scharfmacher-Ideologen zu immunisieren. Was es bedeutet, von Tieffliegern unter Beschuss genommen zu werden oder Bombenangriffe über sich ergehen zu lassen, wird auf beängstigende Weise anschaulich gemacht. Der Roman vermittelt etwas, was Schulen vorgeworfen wird, wenn sie nicht gleichgeschaltete, auf Konformität getrimmte Markthelferlein produziert: er macht die Notwendigkeit kritischen Denkens für die Gesellschaft deutlich. Unbedingt lesen!

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