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      <marc:subfield code="a">Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html); #Autor: Katharina Ferner; #Und es ist immer noch möglich, über die Liebe zu schreiben. (DR)#Agatha geht durch ein Gefühlswellental. Sie liebt mit ganzem Herzen. Leider liebt ihr Angebeteter, hier Nummer sieben genannt, sie nicht auf dieselbe Weise. Die Beziehungsreise führt Agatha von Wien nach Berlin und wieder zurück. Dazwischen legt sie einen Stopp in ihrem Geburtsort ein und genießt es, das Elternhaus für sich allein zu haben und sich ganz ihrem Kummer hingeben zu können.#Agathas Schicksal wird nicht nur erzählt, ihre Handlungen und ihr Gemütszustand werden stetig kommentiert. Als Lesender frönt man so beinahe ungewollt einem Voyeurismus. Dass Agathas Liebeskummer irgendwann ein Ende haben muss oder zumindest die Liebe sich verflüchtigt, darauf wartet man beinahe schon mit Ungeduld. Die Beschreibungen von Agathas Leiden sind so ausführlich, dass sie eine eigene Komik entwickeln. Die Protagonistin wird zum Anschauungsobjekt. Ihre Gefühlswelt wird akribisch ausgebreitet und mit Vergnügen ausgeweidet.#Die Novelle ist sprachlich pointiert, lässt ungewöhnliche Metaphern zu und möchte möglichst in einem Zug ausgelesen werden. Eine atemlose Gefühlsschaukelbahn, in die man sich hier einschleicht, um sie dann gerade noch rechtzeitig, bevor das Drama zu viel wird, wieder zu verlassen.## ---- #Quelle: Literatur und Kritik; #Autor: Helmut Gollner; #Wie man einen Geliebten los wird#Daniela Emmingers Novelle »Gemischter Satz«#Eine junge Autorin (Daniela Emminger, 31) hat ihren Lover verloren und schreibt ein Buch, um auf diesem Weg mit ihm Schluss zu machen, siehe Vorwort. Normalerweise ist solch unverstellte Autobiographik kein guter Ansatz für Literatur. Also gibt die Autorin sich für die Geschichte einen neuen Namen  Agatha , lehnt sich als Erzählerin zurück, lädt den Leser augenzwinkernd zu sich auf die Couch, um sich mit ihm gemeinsam nun diesen verrückten Fall Agatha anzuschauen. Das ist eine gute und amüsante Lösung für eine autobiographische Geschichte: als erzählendes Ich ganz vom erleidenden Ich zurückzutreten und aus der Distanz der (hoffentlich) Geheilten sich selbst, also Agatha, zuzuschauen, wie sie der Liebe entlangtaumelte: ironisch, verwundert, verärgert, schonungslos, großzügig, philosophisch, natürlich kompetent bis besserwisserisch, redselig und einfach drauflos. Offensive Keckheit auch gegenüber dem Leser: bitte mitschauen, mitdenken, miturteilen, aber nicht vergessen, auch vor der eigenen Tür zu kehren.#Agatha also verliebt sich in einen jungen Mann, der nur eine Nummer bekommt statt eines Namens, Nr. 7, Hals über Kopf über Leib über Seele. Das geht so: ein Mann, »der ihr mit gekonntem Griff zwischen die Beine langte und auf diese Weise ihr Herz herauschirurgierte, ohne äußere Spuren zu hinterlassen, innere freilich schon, schnipp, schnapp, da schau her, so leicht ging das, wenn einer lustig war und eine lebensmüde, wenn einer nicht viel nachdachte und die andere auch nicht.« Schlaf weg, Ich weg, Realität weg, sie folgt ihm nach Berlin. »Sie konnte weder arbeiten noch still sitzen noch ihre Zehennägel schneiden. Sie konnte nur lieben«, eine veritable Erkrankung.#Ohne widerstandsfähiges Ich kann Liebe nicht funktionieren: also Psychiater, Psychopharmaka und mit herabgesetzter Reaktionsfähigkeit ein schwerer Autounfall. Nach der Genesung Rückkehr ins elterliche Dorf; langer, schmerzhafter und wechselvoller Kampf um die Rückgewinnung des Ichs, Teilerfolge (»da schenken wir ihr doch gleich noch eine Seite oder zwei, auf denen sie ausgelassen und zukunftsfroh von Volksmusikantenfesten, Pyjamapartys, Freundinnengelächter, Bergidylle und ihrem neuen Berufswunsch erzählen darf«, Köchin).#Aber die Geschichte ist noch nicht aus. Nummer 7 meldet sich nach der Trennung wieder, schwört Liebe, Agatha ist Eis, aber Eis ist Wasser, und geschmolzen fliegt sie mit ihm nach Las Vegas zu einer Blitzhochzeit. Die Autorin ärgert sich über Agathas unverbesserliche Blödheit (»hysterische Kuh [], uns reicht es nämlich schön langsam mit dir«). Die Heirat führt zur Wiederholung der Katastrophe und zur Scheidung. Zu Sylvester endlich gelingt Agatha die Befreiung, sie will nicht mehr Agatha sein, sondern wieder Daniela (Emminger), und Daniela E. ist froh, die anstrengende Agatha los zu sein. »Es war ganz einfach: Das Leben war gut.«#Das Happyend ist zwar mehr behauptet als gestaltet, aber Daniela Emminger hat Gründe, sich Agathas schnell zu entledigen, vielleicht auch mehr Recht, das erreichte Glück einfach zu behaupten: schließlich sitzt sie selbst als real verbürgtes Happyend außerhalb der Geschichte auf der Couch.#Emminger erzählt weniger, als sie kommentiert. Das Konkretum der Geschichte, Stoff und Handlung, tritt zurück zugunsten eines sprachlich üppigen Betrachtens und Bedenkens. Im Grunde geht es in Emmingers Sprache immer bummfidel zu, auch dann, wenn es Agatha schlecht geht: sie quillt über an Bildern, Assoziationen, Wortspielen, Ungezogenheiten. Möglicherweise dient der Wortzirkus auch dem Selbstschutz. Worte in großer Zahl springen und tanzen zu lassen schafft Distanz zu den vielleicht noch schmerzhaften Dingen (wie es auch die Ironie tut), entschärft oder polstert sie. Ungenierte Lockerheit ist Emminger wichtig, nur manchmal kommt das ein bisschen zu forciert herüber. Wortgewandt, wortfreudig, wortsprühend zu reden ist sicher Emmingers unbekümmertes Naturell und Talent.#Emminger ist bilderselig: ganze Metapherngirlanden hängt sie an die Dinge, assoziative Ketten. Emmingers Metaphern dienen nicht mehr nur der gelegentlichen Veranschaulichung von Sachverhalten, sondern sind verselbstständigtes Schreibverhalten, man könnte auch sagen: Stil. Die Metapher besteht nicht nur aus ihrer Funktion, sondern ist auch freies Lustverhalten. Und man muss sagen: Emminger beherrscht die sausende Metaphernfahrt.#Ein Wort noch zur auffälig gewordenen Generation der jungen Autorinnen: Jung sein und Frau sein und emanzipiert sein und Talent haben und sich was zu trauen, das ist zur Zeit eine literarische Erfolgsformel, im quantitativen wie im qualitativen Sinn. Die Verlagswelt hat die Arme ausgebreitet, das Feuilleton auch. Nicht nur in der Zahl der Veröffentlichungen liegen die jungen Frauen klar vor den jungen Männern, sondern auch in der Zahl der gewonnenen Literaturpreise, da blieb für die jungen Männer in der letzten Zeit fast nichts über, zumindest in Österreich.#Es ist nicht leicht, den Boom zu erklären. Literarische Qualität spielt zweifelsfrei eine Rolle, ökonomisches Kalkül natürlich auch. Ganz unseriös wäre es, einen Katalog der gemeinsamen Merkmale für die Generation anzubieten. Allerdings erinnert Emmingers Buch wieder einmal daran, wie signifikant viele der jungen Autorinnen (Barbi Markovic, Teresa Präauer, Verena Roßbacher, Stefanie Sargnagel, Cordula Simon) mit der Frische, dem Übermut von Neuankömmlingen auftreten, wie mit neu erlerntem oder neu gewagtem Reden, mit offensichtlichem Vergnügen daran, die Traditionen und Konventionen von Sprache, Literatur und Wirklichkeit  nein, nicht zu demolieren, aber auf die leichte Schulter zu nehmen. Etwa in der Art: Ich bin eine junge Frau, habe eben sprechen gelernt, und die Literatur beginnt jetzt mit mir neu. (Sorry, starke Übertreibung!) Verschmitzt bis übermütig könnte man ihren Blick auf die literarischen Konventionen nennen, nicht revolutionär. Zu dieser Leichtigkeit gehört auch die beschwingende Entdeckung, dass man sogar in der Literatur reden kann ohne die Prätention von Poesie oder die Kumulierung von Bedeutung. Natürlich gabs das alles schon, meist allerdings unter revolutionärem Bierernst der Männer (Paradebeispiel Wiener Gruppe); die Geringschätzung der Konventionen hat bei den jungen Autorinnen mehr von selbstbewusster Unbekümmertheit als von Prinzipienradikalität.  Ein weiterer Grund für die literarische Gelassenheit und Neugier der Generation ist wohl auch ihr weitgehend postfeministisches, postideologisches Selbstbewusstsein. Die Entlastung von den Genderkämpfen, die ihre literarischen Mütter (Jelinek, Streeruwitz) noch führten, bedeutet ja auch eine Befreiung von Redeweisen und Themen.#Aus solchem Schreibverhalten wächst nicht gleich Weltliteratur (amüsiertes Achselzucken der jungen Autorinnen), aber der frische Wind einer fraglos gewordenen und offensiv vorgetragenen Weiblichkeit tut der Literatur doch gut.## ---- #Quelle: Pool Feuilleton; #Eine Novelle ist vielleicht so etwas wie eine alte Maßeinheit des Erzählens, und wenn man durchaus zeitgenössische Dinge damit abmisst, ergeben sich verblüffende Relationen.#Daniela Emminger nimmt tatsächlich die Novelle als Maß für eine unmögliche Liebesgeschichte und erläutert im Vorspannt, was ein gemischter Satz ist. Neben einem sprachlichen Gebilde mit allerhand Subjekten und Objekten ist der gemischte Satz vor allem eine Form der Weinzusammenmischung, bei der verschiedene Sorten am gleichen Acker angebaut und dann vermischt werden.#Diese bodenständige Vermischungssehnsucht ist auch der Anlass, warum sich ständig Männlein und Weiblein treffen, lieben, Säfte austauschen und reifen, nachdem sie einzeln explodiert sind. Die Heldin Agatha wird fast protokollarisch durch ihr eigenes Leben geführt. Was ihr geschieht, fällt in beinahe sarkastischer Sprache über sie selbst und die Leserschaft her. In Kleist'scher Manier wird in der Novelle straff ein Liebesprogramm abgearbeitet, wobei die Auswirkungen des Tuns stets auf dem Fuße folgen. Man könnte fast von einer Lehrgeschichte im Stile des Struwwelpeters sprechen.#Ehe die Heldin zu einer straffen Liebhaberin wird, die die Männer wie Kriminalfälle abarbeiten muss, fungiert sie noch als Ich-Erzählerin, die in eine ungewöhnliche Geschichte gestoßen ist. Sie horcht zu viel in sich hinein, ehe sie sich sprichwörtlich die Brüste amputiert und ihren eigenen Liebesfall kalt abarbeitet.#Der Plot ist wie bei allen Liebesgeschichten ziemlich trivial. Eine Frau nummeriert ihre Lover, bei Nummer sieben drehen die Gefühle durch und sie folgt dieser Nummer von Wien nach Berlin. Eine Zeitlang ist die Erotik so stark, dass es Titten zum Frühstück gibt, sie wohnen Haut an Haut und rundherum gibt es Depressive. Doch dann "versuchen sie es mit Zustandsignoranz: Alkohol, Essen, Fressen, Laufen, Davonlaufen." 44)#Es kommt zum erwarteten Liebesunfall, der sich wie ein offizieller Unfall auf der Straße abspielt. Vielleicht ist es auch ein echter Unfall und es ist nur die Liebe gemeint.#Jedenfalls restauriert sich die Verunglückte zu Hause in ihrem oberösterreichischen Nest, knüpft an eine frühere Kochlehre an und steigt auf die Berge, dass die Fetzen glühen. Auch die Nummer acht wird ausgerufen, es ist die Nummer sieben nur einen Grad höher.#Daniela Emminger erzählt verrückt cool in heftigen Elementarsätzen. In jedem Absatz ist eine Weisheit versteckt, eine pädagogische Maßnahme, ein Ausriss aus einer Gefühlsserie. Der Liebesfall wird mit allen möglichen und unmöglichen Gefühlsforensiken ausgeforscht, zwischen einem Blech- und einem Herzschaden ist kein Unterschied, wenn beides im übertragenen Sinn gemeint ist. Und die Autorin ist auch bestens bewandert in der Novellentheorie, wonach alles unerhört wird, wenn es eine Novelle ist. Obwohl es um Leben und Tod geht und es in der aufgebürsteten Liebe oft nichts zu lachen gibt, ist dieser gemischte Satz eine einzige Fröhlichkeit. Die Sätze sind forsch, gehen immer ein Stück voraus und nehmen Heldin und Leser mit. Das ist frech-emanzipatives Erzählen.#Helmuth Schönauer</marc:subfield>
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