Institut Suchtprävention Promente OÖ Linz

Kontakt und Öffnungszeiten

Experiment Jung - Sein

Bezeichnung Wert
Titel
Experiment Jung - Sein
Untertitel
Die Wertewelt österreichischer Jugendlicher
Verfasserangabe
Christian Friesl (Hg.)
Medienart
Sprache
Person
Verlag
Ort
Wien
Jahr
Umfang
237 S.
ISBN13
978-3-7076-0103-9
Schlagwort
Annotation
Während die Shell-Studien alle zwei Jahre die Meinungen deutscher Jugendlicher zu Themen wie Familie, Beruf und Politik erheben (die zuletzt erschienene Ausgabe s. PZ 2/2000*130), wurden in der vorliegenden Arbeit die Einstellungen österreichischer Jugendlicher zu den Bereichen "Freunde, Partnerschaft und Familie", "Gender und Rollenverständnis", "Schule, Ausbildung, Wissenschaft und Forschung" sowie zu "Politik" (Beteiligung, Bewusstsein) und "Religiosität" untersucht. Die wichtigsten Ergebnisse der Jugendwerte-Studie 2000 zusammengefasst: Jugendliche wünschen sich in ihren Beziehungen eine Balance zwischen emotionaler Nähe und Autonomie. Die Familie als "Gefühlsgemeinschaft" ist dabei - stärker als früher - Symbol für Geborgenheit, Freunde als "Freizeitgemeinschaft" stiften das Gefühl von Zusammengehörigkeit. Romantische Liebe spielt eine wichtige Rolle, wobei Ausprobieren und das Sammeln von Erfahrungen damit konform gehen. Ebenfalls konstatiert wird das Aufweichen der alten geschlechtsspezifischen Rollenbilder, ohne dass die Gefahr von "Rückfällen" ausgeschlossen wird. Für ihr (zukünftiges) Berufsleben wünschen sich Jugendliche eine Ausgewogenheit von Herausforderung und Sicherheit, von Arbeit, Freizeit und Familie. Sie wollen sich dafür selber engagieren. Die Karriereorientierung ist in den letzten Jahren zugunsten von mehr Lebensqualität zurückgegangen. Erfolg im Beruf wird von den Befragten freilich überwiegend im individuellen Geschick und Engagement gesehen und nicht in ökonomischen oder sozialen Strukturen. Dazu passt auch das geringe Interesse an Politik, das - so die Studie - zwar "noch nicht gänzlich verschwunden" sei, sich jedoch in starker Resignation gegenüber "institutionalisierter Politik" (S. 165) äußere. Das selbe gilt für religiöse Bindungen: "Die Jugendlichen verlassen zwar die Kirchen, verlieren aber keineswegs ihre religiösen Sehnsüchte" (ebd.). Das Ergebnis seien selbstgebastelte Patchwork-Spiritualitäten. Insbesondere betonen die JugendforscherInnen das Aufwachsen der jungen Menschen in einer ökonomisierten Welt, die nicht in Frage gestellt wird. Die Freizeit- und Konsumgesellschaft habe zum einen das Jungsein zum Ideal auch der Erwachsenenwelt gemacht (Vermarktung der Jugend), wodurch die Grenzen zwischen Jungen und Erwachsenen verschwimmen, zum anderen wirke diese auch korrumpierend: "Wo früher Wertesysteme entzweiten, eint heute der Konsum." (S. 17) Jugendlicher Idealismus sei - so die Studie - schwieriger geworden ("Was soll man als möglich erträumen, wenn nahezu alles als möglich erscheint", S. 28). Auch jugendlicher Widerstand falle schwerer. Er zeige sich in der Tatoo- und Piercingkultur, "wo der eigene Körper sprachlos Protest ausdrückt" (ebd.), aber ebenso im zunehmenden Ausmaß an psychischen Problemen und an der "qualitativen Veränderung jugendlicher Aggression und Gewalt" (ebd.). Ambivalent wird schließlich auch die Medienorientierung der Jugend gesehen. Als Herausforderungen an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft werden u.a. genannt: die Schaffung von Rahmenbedingungen, die Beruf und Familie besser vereinbar machen (ein Viertel der befragten Jugendlichen lebt nach Eigeneinschätzung in "schwierigen Familienverhältnissen"), Anreize zur Überwindung der geschlechtsspezifischen Rollenaufteilungen, Rehabilitation des Vorbildes ("Modelle geglückten Lebens"), sowie die besondere Achtung auf "ModernisierungsverliererInnen". Mit Blick auf die Bildungsaufgaben wird die Vermittlung politischer, ökonomischer, ökologischer, ethischer und visionärer Kompetenz ("Fähigkeit, die Welt zu imaginieren, wie sie besser sein könnte") ebenso gefordert wie die Entwicklung der Fähigkeit zum kritischen Widerstand. *Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen* Hans Holzinger Aktuelle Rezensionen finden Sie in PRO ZUKUNFT, dem Infodienst der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen, Salzburg