Öffentliche Bücherei der Marktgemeinde Traisen

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Unternehmen Halbmond

Bezeichnung Wert
Titel
Unternehmen Halbmond
Verfasserangabe
Monika Pelz
Medienart
Person
Verlag
Ort
Wien
Jahr
Umfang
110 S.
ISBN10
3-7026-5732-0
Fußnote
neue amtliche Rechtschreibung
Schlagwort
Annotation
Eine Gruppe türkischer Jugendlicher in Wien entdeckt ihre plötzliche Geschlechtsumkehr, die einer verbrecherischen psychischen Manipulation entspringt, recherchiert und löst ihren eigenen Fall und gibt dabei Einblick in türkische Traditionen und kulturspezifische Rollenbilder. Fünf türkische Jugendliche hat's erwischt. Sie finden sich eines Morgens im Körper des jeweils anderen Geschlechts wieder. "Sekunden darauf kriegte er den Schreck seines Lebens: Sein bestes Stück war verschwunden. Spurlos." Oder bilden sie sich das nur ein, wie Hunderte andere Jugendliche, die laut Nachrichtensprecher an Identitätsverlust und Persönlichkeitsstörung leiden? Zunächst egal, der Fall wird auf eigene Faust verfolgt und schließlich auch gelöst und nur knapp entgeht das "Unternehmen Halbmond-Team" dabei dem Tod. Wer den Klappentext gelesen hat, verfolgt einmal die falsche Fährte. Dort heißt es lakonisch berichtend: "Über Nacht wurden aus Mädchen Jungen und aus Jungen Mädchen." Und so begleitet einen ständig der etwas bange und ablenkende Gedanke: Wie kriegt das Monika Pelz wohl hin, diese interessante, aber phantastische Idee mit der Geschlechtsumwandlung in einer durchaus realistisch gestalteten Erzählung? Erst gegen Schluss, als sich herausstellt, dass da jemand mit einer Art Massenhypnose - durch ein mystisch-magisches Teppichmuster ausgelöst - eine Langzeithalluzination (?) bewirkt hat, wird ein realistisch anmutendes Erklärungsmodell angeboten. Allerdings bleibt ein Rest Verwunderung. Und der handlungsbezogene Showdown wird auch mit psychologisch-philosophischem Erklärungsüberbau ausgestattet, wie z.B. mit der Feststellung: "Ihre Fata Morgana bestand in der Wahrnehmung einer weiteren Dimension. Einer anderen Welt. Einer Welt des Andersseins. Des Anders-sein-Könnens. Des Möglichen, das zugleich mit dem Wirklichen existiert." Traditionelle kulturspezifische Werte und Probleme der türkischen Jugendgeneration, moderne Freizeitgestaltung, selbstverständlicher Umgang mit modernen Kommunikationsmedien in der heutigen Jugendszene, Vorurteile, Rollenbilder und Zukunftspläne - all das wird angesprochen und "miterzählt", kommt aber etwas zu dünn daher und allzu funktionalisiert in das Korsett der Detektivhandlung gepresst. Zu sehr überlagert die "Jugenddetektivgeschichte" und ihre vereinfachte Handlungsentwicklung und Personenkonstellation die literarische Gestaltung eines interkulturellen Segments der heutigen Jugendszene. *ag* Erich Perschon