Eulennest - Bücherei der Marktgemeinde St. Andrä-Wördern

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Muslime in Österreich

Bezeichnung Wert
Titel
Muslime in Österreich
Untertitel
Geschichte, Lebenswelt, Religion ; Grundlagen für den Dialog
Verfasserangabe
Susanne Heine ; Rüdiger Lohlker ; Richard Potz
Medienart
Sprache
Person
Verlag
Ort
Innsbruck
Jahr
Umfang
294 S.
ISBN13
978-3-7022-3025-8
Schlagwort
Annotation
Quelle: Theologisch-Praktische Quartalschrift (http://www.ktu-linz.ac.at/ThPQ/); #"Die religiös-rechtliche Anerkennung des Islams und die damit verbundene öffentlich-rechtliche Stellung der islamischen Religionsgemeinschaft" macht die Muslime in Österreich zu Akteuren im öffentlichen Raum. Aufgrund der Wahrnehmung des Islam und der Muslime in den letzten Jahren gibt es dennoch Problemfelder, welche die gesellschaftspolitische Landschaft beeinträchtigen. Die Angst vor dem Islam und den Muslimen ist ein Thema für die rechtsgerichteten politischen Parteien wie die FPÖ, die 2010 mit ihrem Anti-Islam-Wahlkampf triumphierte. Daher sind sachliche und wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzungen mit der Lebenswelt der Muslime von großer Bedeutung. Das Buch "Muslime in Österreich" von Susanne Heine, Rüdiger Lohlker und Richard Potz ist in diesem Sinne ein beachtlicher Beitrag für den Dialog und das Zusammenleben mit Muslimen in Österreich.#Das Buch merkt bereits in der Einleitung einige wichtige Aspekte an: Es wird darauf aufmerksam gemacht, dass die Religion eine "geeignete Garantin zu Erhaltung einer gefährdeten Identität" für die Einwanderer sei, die "zunächst keine Vorstellung vom Leben in den Gastländern hatten" und nicht mehr in ihren vertrauten Lebensabläufen leben konnten. Ferner wird darauf hingewiesen, dass im Umgang mit Muslimen die Gefahr besteht, dass die sozialen Probleme "ethnisiert" und kulturalisiert" werden. Ebenso wird vor "gefährlichen Vereinfachungen" durch "Islamkritiker" gewarnt, welche die negativ empfundenen Effekte und Phänomene religiös deuten.#In dem Kapitel "Statistiken und Daten" gibt es einen kurzen und informativen Überblick über die Muslime in Österreich. Die Schlagwörter "Parallelgesellschaft" und "Islamphobie" werden erhellend definiert. Es wird erwähnt, wie diese Begriffe eine beachtliche "politische Karriere" gemacht haben. Es ist eine neue Entdeckung, die "Parallelgesellschaften" als eine Chance zu sehen, weil sie "eine wichtige Integrationsfunktion haben, indem sie als Brückenköpfe zur Mehrheitsgesellschaft als gesamtgesellschaftliche Dialogpartner agieren."#Im Kapitel "Islam in Österreich - ein historischer Abriss" gibt es einen kurzen Gang durch die Geschichte des Islam und Europas, die geprägt sind von Kriegen und Bündnissen. Im Abschnitt "Türken vor Wien" wird erläutert, wie dieser als Schlagbegriff, der die Konflikte zwischen Osmanen und Österreich beschreibt, dient und wie er bis heute für Affronts und Assoziationen sorgt, wo die Muslime als Bedrohung gesehen werden. Die gegenseitige Beeinflussung der Kulturen, sogar mittels Konflikten, wird als eine Realität dargestellt, die auch positive Entwicklungen hervorbringen kann. Die Begegnung mit Muslimen durch die Okkupation Bosniens und Herzegowinas im Jahr 1908 war eine Herausforderung für die Habsburger Monarchie, die nun erstmals eine islamische Bevölkerung in ihrem Herrschaftsbereich hatte. Dies führte zum Erlass des Islamgesetzes im Jahr 1912, das die Anerkennung des Islam als Religionsgemeinschaft in Österreich bereits am Anfang des 20. Jahrhunderts ermöglichte.#Im Kapitel 5 und 6 werden die islamischen Glaubensgemeinschaften und die islamischen Richtungen in Österreich, ihre Entstehung und ihre Strukturen ausführlich vorgestellt.#Das Kapitel "Der Islam in der österreichischen Gesellschaft" befasst sich mit relevanten Themen wie "Islam und Demokratie", "islamischer Religionsunterricht", "Islam an den Universitäten", "islamische Seelsorge". Die Darlegung der Anwesenheit von Muslimen in den Schulen, Krankenhäusern, im Bundesheer und in Strafanstalten sowie am Arbeitsplatz veranschaulicht, welche Überlegungs- und Handlungsfelder notwendig sind.#In einem weiteren Kapitel befassen sich die Verfasser mit den Themen "Moscheen, Gebetsstätten und Friedhöfe". Neben der Vorstellung der bestehenden Orte wird mittels einiger regionaler Beispiele auf die Probleme hingewiesen, mit denen die Muslime und die österreichische Gesellschaft konfrontiert sind. Obwohl die Muslime mittlerweile in der dritten und vierten Generation in Österreich leben, bestehen weiterhin Irritationen und Missverständnisse aufgrund der kulturellen und religiösen Eigenarten sowohl der Muslime als auch der österreichischen Gesamtgesellschaft. Diese werden über die Betrachtung der Themen "Ehre und Schuld", "Zwangsheiraten" und "Ehrenmorde" konkretisiert. Der Leser und die Leserin können im Kapitel "vom Jahresablauf zum Kopftuch" nützliche Informationen zu muslimischen Festen und Lebensgewohnheiten gewinnen. Diese Informationen können in der Begegnung mit Muslimen für ein besseres Verständnis sorgen.#Schließlich ist es das Anliegen der Verfasser, "in kurzem Blick in die islamischen Überlieferungen zu Geschichte jenen Bezugsrahmen [zu] umreißen, aus dem muslimische Migranten/Migrantinnen kommen." In diesem Kapitel werden sehr kurz und anschaulich wichtige Informationen zur islamischen Lehre für diejenigen angeboten, die kaum Kenntnis vom Islam haben. Die ausgewählten Themen in diesem Bereich verschaffen erste Informationen über den Islam, die dann in einem weiteren Kapitel komparativ zur christlichen Lehre in Bezug gesetzt werden. Dadurch werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede hervorgehoben.#Die christlich-islamischen Gespräche in der Geschichte werden in einem weiteren Kapitel thematisiert. Sie sollen ein Lichtblick für Begegnungen heute sein, Begegnungen, die im gesamten Buch als Chance gesehen werden, ohne dabei Probleme bagatellisieren zu wollen.#Die spekulativen Modelle der Beziehung zwischen den Religionen - exklusiv, inklusiv - werden angedeutet und auf die Bedeutung der Begegnung der Menschen hingewiesen, die über die spekulativen Ebenen hinaus geschehen: "Realistischer und weiterführender ist es, die Beziehung zwischen Menschen unterschiedlichen Glaubens zum Wohle einer Gesellschaft zu gestalten, und dazu gehört, einander zu kennen und zu respektieren."#Die europäische Grundrechtsordnung ist ein wertvolles und unaufhebbares Gut, das zu beschützen und zu bewahren ist. Die Religionsfreiheit als Grund- und Menschenrecht "hat die Konsequenz, dass dem Einzelnen [unabhängig von seiner Religionszugehörigkeit] die Möglichkeit der Integration offenstehen muss." Darauf wird in einem abschließenden Abschnitt hingewiesen, um die Bedeutung hervorzuheben, dass ein Zusammenleben in Vielfalt eine Bereicherung darstellt.#Das Hauptanliegen des Buches ist, einen Beitrag für ein friedliches Zusammenleben zu schaffen. Und mit diesem Appel in den "Schlussbemerkungen" endet ein lesenswertes Buch: "Alle Religionen wollen letztlich den Menschen dienen und für Wohlergehen und Heil' des Einzelnen sorgen, aber auch für ein friedliches und gewaltfreies Zusammenleben der Menschheitsfamilie. Diese Grundbotschaft gilt es neu zu entdecken und zu entfalten, trotz oder gerade wegen der langen Geschichte der Kämpfe und des Blutvergießens, die die jahrhundertelangen kooperativen Beziehungen zwischen Christen/Christinnen und Muslime/Musliminnen und den kulturellen Austausch immer wieder unterbrochen hat."#Möge das Buch den Lesern und die Leserinnen ein Ansporn für Begegnung, Dialog und Verständigung sein!#Theologisch-Praktische Quartalschrift 1/2013 Hamideh Mohagheghi