HOLL
| Bezeichnung | Wert |
|---|---|
| Titel |
HOLL
|
| Untertitel |
Bilanz eines rebellischen Lebens
|
| Verfasserangabe |
Harald Klauhs
|
| Medienart | |
| Sprache | |
| Person | |
| Verlag | |
| Ort |
Salzburg ; Wien
|
| Jahr | |
| Umfang |
368 S.
|
| ISBN13 |
978-3-7017-3431-3
|
| Annotation |
Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html); #Autor: Karl Krendl; #Eine sachliche und erhellende Biografie über den Theologen und Schriftsteller Adolf Holl. (PR)#Adolf Holl (geb. 1930) ist für manche ein innovativer Theologe und weitsichtiger Kirchenkritiker, für andere hingegen ein polarisierender Rebell, wobei der Genannte selbst letztere Zuschreibung mit seinem Bestseller "Jesus in schlechter Gesellschaft" (1971) und der öffentlichen Aufkündigung seines Zölibatsversprechens medial gut bediente. Holls Weg führte vom Hitlerjungen zum frommen Priesterseminaristen, engagierten Seelsorger und gefragten Universitätslehrer, nachdem ihn aber Kardinal König vom Priesterdienst suspendiert hatte (1976), wandte er sich verstärkt der religiösen Schriftstellerei zu und moderierte lange Zeit den legendären "Club 2".#All das berichtet der "Presse"-Redakteur Harald Klauhs in der vorliegenden Biografie, nicht ohne auf Holls aufschlussreiches Tagebuch (seit 1942) zurückzugreifen. Spannender ist aber, dass sich der Autor - unter Einbeziehung zahlreicher Publikationen - mit dem intellektuellen Schaffen seines Protagonisten kenntnisreich auseinandersetzt, dieses zur österreichischen Geschichte in Beziehung bringt und so innerkirchliche und gesellschaftliche Entwicklungen neu aufleben und besser verstehen lässt. Fazit: Eine sachliche, anspruchsvolle und lesenswerte Biografie über einen (katholischen) Intellektuellen, der mitunter schräg agierte und lustvoll polemisierte, aber sich ein Leben lang an "seinem" Lebensthema redlich und produktiv abarbeitete.## ---- #Quelle: Literatur und Kritik; #Autor: Janko Ferk; #Ein kongenialer Biograf über den vatikanisch-katholischen Aufrührer#Harald Klauhs über Adolf Holl#Wendelin Schmidt-Dengler war einer der raren Intellektuellen des österreichischen Geisteslebens. Wenige Wochen vor seinem frühen Tod habe ich mit ihm ein langes Gespräch geführt, und wir sind beim Reden auch auf Harald Klauhs gekommen, der bei ihm an der Universität Wien Germanistik studiert und dann über Leben und Werk Franz Theodor Csokors promoviert hat. Erwähnenswert ist die Tatsache, weil Professor Schmidt-Dengler mit Freude und Respekt erzählt hat, dass Harald Klauhs sein einziger Dissertant war, der ihm die fertigen Kapitel seiner Doktorarbeit jeweils so perfekt geliefert hat, dass er nicht einmal einen Beistrich einsetzen oder streichen, geschweige denn Inhaltliches berichtigen musste.#Vor dem erwähnten Gespräch hat Harald Klauhs auf www.literaturhaus.at im Oktober 2007 ein Buch Anita Natmeßnigs über Adolf Holl rezensiert und zusammenfassend konstatiert: »Somit ist Anita Natmeßnigs Band eine Andacht für Adolf Holl, aber ganz ohne Weihrauch, und eine Steilvorlage für jede Biografie über ihn.« (http://www.literaturhaus.at/index.php?id=3980) Ich bin überzeugt, dass Klauhs damals noch keine Ahnung von seiner Lebensbeschreibung hatte, die im Jahr 2018, das heißt elf Jahre später, erscheinen sollte. Dennoch hat er sich sozusagen streng an sein eigenes Steilvorlage-Verdikt, aber auch seinen Dissertationsanspruch gehalten.#Zum Buch schicke ich voraus, dass ich nach der Lektüre ein völlig geändertes und nunmehr unverklärtes Bild über Kardinal Franz König habe. Die geflissentliche Erhöhung seiner Person ins nahezu Überirdische war und ist falsch, zumal König ganz offensichtlich nicht die überragende Geistesgröße und liberale Priestergestalt war, sondern eine ebenso kleinkarierte Klerikalfigur, wie sie in der österreichisch-vatikanisch-katholischen Kirche bis in die Gegenwart nicht selten anzutreffen ist. Schutz durfte Holl von diesem Mann nicht erwarten. König trägt nämlich die Verantwortung für Holls Karriereende als Priester und habilitierter Universitätslehrer, nachdem er »zwanzig Jahre lang täglich eine Messe« gelesen hatte. Erwähnen muss man, dass die große Herta Firnberg als Wissenschaftsministerin Holl helfen wollte, und zwar mit dem Transfer seiner Dozentur von der Theologischen zur Philosophischen Fakultät, was »am Widerstand der Professorenschaft« scheiterte. Schön langsam muss man das Katholisch-Intellektuelle des zwanzigsten Jahrhunderts in Österreich fast auf eine einzige Person reduzieren, und zwar auf Bischof Egon Kapellari, was nebenbei bemerkt werden muss.#Als Harald Klauhs den Auftrag, über Adolf Holl zu schreiben, angenommen hat, hat er sich viel vorgenommen und ist letztlich sowohl der beschriebenen Person als auch seinem Anspruch gerecht geworden. Kaum jemand geht so vielen Berufen und vor allem Berufungen nach wie Adolf Holl, er war und ist Priester und Unruhestifter, Universitätslehrer und Club-2-Moderator sowie Schriftsteller und Medienstar, der mit seinem internationalen Bestseller »Jesus in schlechter Gesellschaft« (1971) in einen Konflikt mit der katholischen Kirche geraten ist, die ihn daraufhin in jeder Beziehung verhindern wollte, was ihr schon wegen der Beharrlichkeit Holls nicht gelingen konnte. Holl, der »geistliche Hochleistungssportler«, ist seinen Weg, den Harald Klauhs vor dem Hintergrund der Geistesgeschichte des Abendlands nachzeichnet, konsequent weitergegangen, was sich zu einer spannenden Zeitreise verdichtet, weshalb gleichsam die »Bilanz eines rebellischen Lebens« gezogen wird. Überhaupt ist der Mehrwert des Buchs die Beigabe der Zeitgeschichte sowie der Lebensumstände der Menschen aus Holls Umgebung. Klauhs zeigt erstaunliches liturgisches beziehungsweise theologisches Wissen.#Doch zurück zum Anfang, auch des Buchs, für das der Holl-Freund Walter Famler ein anders kann ich es nicht nennen köstliches »Vorwort« geschrieben hat. Und Klauhs schreibt mit seiner noblen Sprache weiter. Das Buch geht über eine Biografie weit hinaus, es muss, auch wenn es um den römisch-katholischen Holl geht, eine Heidenarbeit gewesen sein. Klauhs seziert sogar Holls Lebensentscheidung, Priester zu werden und berichtet über die maßgebende Begegnung des Kandidaten mit Pfarrer Anton Panholzer in Kirchberg. Das katholische Ritual wird »zu einem Hauptmotiv bei seiner Wahl des Priesterberufs«.#Der Band ist gleichzeitig Geschichtsbuch und Sozialstudie. Eine große Rolle spielt naturgemäß der Zölibat und sein zwangsläufiges Antonym, die Sexualität, wozu Klauhs bemerkt, dass Augustinus dem Christentum »die rigoroseste Sexualmoral« verpasst habe, »die je erfunden wurde«. Später hat Holl die »Schlüsselloch-Moral« seiner Kirche scharf kritisiert. »Die Kirche ist besessen von Sex«, heißt es im Buch wortwörtlich. Im Detail listet Klauhs auf, wann und mit wem Holl dagegen verstoßen hat. Eine erfahrene Frau hat in ihm die Lust nach mehr geweckt Schließlich hat Holl in der »Spiegel«-Journalistin Inge Santner-Cyrus »für den Rest des Lebens« eine Partnerin gefunden. Er ist kirchenrechtlich noch heute Priester, den Glauben habe er aber im Winter 1982 verloren und »im Sommer 2002 entschließt [er sich], seine Talare in die Mülltonne zu stecken«.#Ein anderes Thema ist die schlimme Wunde der österreichischen Kirche, nämlich die »fast bis zur Selbstaufgabe an den Nazismus« gehende Anbiederung und die Tatsache, dass sie »kein einziges Mal öffentlich gegen Nationalsozialismus und Schoah Stellung bezogen hatte«. Theodor Innitzer ist ein Stichwort und das Im-Stich-Lassen der jüdischen Österreicher ein anderes Holl listet, wie konstatiert wird, in seinen Büchern noch »eine Reihe anderer kirchlicher Irrtümer auf, unter anderem die Hexenprozesse oder das Urteil gegen Galilei«. Die Rede ist von »der Kriminalgeschichte der Klerisei« samt Hans Hermann Groërs »Untergriffen«.#Klauhs zeigt auch nachvollziehbar auf, wie aus dem »Ottakringer Kaplan ein international beachteter Publizist geworden« ist. Die gesamte Werkgeschichte samt ihrem Verzeichnis von »Jesus in schlechter Gesellschaft« bis#»Braunau am Ganges« mit allen Verlagsproblemen wird dargelegt. Sogar einige Verkaufszahlen finden Aufnahme in die Biografie. »Diese Existenz besteht seit nunmehr vierzig Jahren aus Schreiben.«#Adolf Holl wurde im Jahr 1930 in Wien geboren, wurde 1954 zum Priester geweiht und hat ein rebellisches Leben geführt, sodass Harald Klauhs am Ende feststellt: »Dass er trotz Glaubensverlusts die Bindung an sein Priestertum nicht preisgeben wollte, ist einer der produktiven Widersprüche, die Holls Besonderheit ausmacht.«#Die Besonderheit dieses Buchs macht aus, dass es einerseits ungemein spannend geschrieben ist und andererseits als fachübergreifende Habilitation eingereicht werden könnte. Die Vorlage für weitere Holl-Biografien ist noch viel steiler geworden.
|
Erhältlich in folgenden Bibliotheken
|
Öffentliche Bibliothek Birkfeld |
Anfahrt |
