Die Besucher
| Bezeichnung | Wert |
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| Titel |
Die Besucher
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| Untertitel |
Roman
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| Verfasserangabe |
Kurt Palm
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| Medienart | |
| Sprache | |
| Person | |
| Verlag | |
| Ort |
St. Pölten
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| Jahr | |
| Umfang |
276 S.
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| ISBN13 |
978-3-7017-1587-9
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| Annotation |
Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html); #Autor: Eva Unterhuber; #Kurioses, Groteskes und Verwirrendes aus der Provinz. (DR)#Martin Koller ist sich und anderen kein angenehmer Zeitgenosse. Der gestresste Journalist empfindet den Kinderwunsch seiner Frau als obsessiv und ihn zermürbend, zugleich fühlt er sich von einem jüngeren Kollegen in der Arbeit ausgebootet, konkret bei seinen laufenden Recherchen im rechtsextremen Milieu. Zu Beginn des Romans befindet sich der praktisch durchwegs fluchende Zyniker und Menschenfeind mit einem schmerzhaften Gehörsturz im Krankenhaus, der sich weder dort noch in den Folgetagen zu Hause mildert. Um den beschriebenen Irritationen der Umwelt und der Widerspenstigkeit seines Körpers zu entkommen, geht er auf die Bitte seiner Schwester ein, sich ein paar Tage an ihrer statt um die sterbenskranke Mutter zu kümmern. Angekommen in seinem Elternhaus weit draußen in der Provinz, findet er freilich kein Idyll vor, das sein Gebrechen heilt. Schon allein die unvermittelte Konfrontation mit dem sterbenden Körper seiner Mutter verhindert dies. Darüber hinaus häufen sich seltsame Vorkommnisse, die Koller davon überzeugen, dass sich etwas Unheimliches in dem kleinen Ort zusammenbraut. Und eines Tages besetzen dann auch ominöse Besucher alptraumgleich das gesamte Haus#Soweit Kurt Palms neuester Roman, der mit dem Label Mystery allein nicht zu erfassen ist, wie der Klappentext suggeriert. Auch Groteske und Horror in subtiler Form sind vertreten, eine Anti-Heimat-Roman-Tendenz und (Be)Schimpf(ungs-)Kunst im Geiste Thomas Bernhards, emotionale Kälte, verstörend wie in Bret Easton Ellis' Romanen, und Anspielungen auf Gräueltaten der NS-Zeit. Leider beeinträchtigen sich all diese Elemente hier gegenseitig, statt sich zu einem - ruhig widerspenstigen - Ganzen zu fügen, und das grundsätzlich akzeptable offene Ende wirkt nur wie ein Fluchtweg aus der Summe der gesammelten Andeutungen. Am ehesten für Anhänger von Kurt Palm oder eingefleischte Groteske-Liebhaber zu empfehlen.## ---- #Quelle: Pool Feuilleton; #Besucher sind normalerweise anonyme, neutrale und friedliche Wesen, die auf der sprichwörtlichen Besuchergalerie Platz nehmen oder eine Statistik als gezählte Individuen auffetten.#In Kurt Palms Roman freilich treten Besucher höchst eigenwillig und alles andere als harmlos auf. Im Mittelpunkt einer Leidensgeschichte zwischen Selbstmitleid und Wahnsinn steht der Journalist Martin Koller, der mitten im Leben einen Hörsturz erleidet und in der Folge beinahe verreckt.#Zuerst einmal bewirkt der Hörsturz eine neue Qualität der Wahrnehmung, nichts ist mehr dosiert, alles taucht als Überreaktion in das Gesichtsfeld des Helden. Die Panik im Krankenhaus setzt sich zu Hause fort und erigiert auf unangenehme Weise, als sich die Frau des Leidenden gerade jetzt ein Kind wünscht und den Eisprung zelebriert.#Die Ordnung des Helden ist offensichtlich durch den Hörsturz zerbrochen, eine satte Psychose macht sich breit, und allein die Mails des Arbeitgebers lassen sich vor Angst nicht öffnen, so dass eine Kündigung anfällt.#Zu allem Unglück tut auch noch die Mutter kund, sterben zu wollen. Martin Koller fährt zu ihr ans Sterbebett und leistet sich aus Verzweiflung einen One-Night-Stand mit einer Ärztin, die dabei sinnloserweise schwanger wird. Je chaotischer so ein Sex abläuft, umso wuchtiger sind seine Auswirkungen, denkt sich der Held noch, der schon seit Wochen als Zeugungsmaschine versagt hat.#Und tatsächlich stirbt dann die Mutter völlig untheatralisch. "Im richtigen Leben starb wirklich jeder für sich allein." (237) Plötzlich wimmelt es im Haus der Toten von geräuschlosen Gestalten, die einen seltsamen a-historischen Duft verströmen und in graue Decken eingehüllt sind. Jetzt wird der Held völlig wahnsinnig, denn diese handfesten Gestalten scheinen für die anderen unsichtbar zu sein.#Martin Koller macht seinem Namen alle Ehre und fasst einen umfassenden Seelen-Koller aus. "Die Zeit verging nicht sondern verendete. Jede Bewegung des Sekundenzeigers bedeutete, dass die Zeit sich selbst auffraß." (268)#Gegen diese Apathie helfen auch nicht herzerfrischende Sätze der trauernden Schwester, als sie als gestandene Frau in Tränen ausbricht und ruft: "Jetzt sind wir Vollwaisen." (262)#Kurt Palm erzählt den Schrecken mit Geduld, während man als Leser umblättert, kann man sich fix darauf verlassen, dass alles noch schlimmer wird. Und der Palm'sche Schrecken ist deshalb so unüberschaubar, weil er so realistisch ist. Ein scheinbar logischer Plot zwischen einem Hörsturz am Morgen und einem Todesfall am nächsten Tag artet in eine Katastrophe aus, die jedes Zeitmaß sprengt. - Spannend, logisch, grausam ironisch!#Helmuth Schönauer
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