Herr Groll im Schatten der Karawanken - 4
| Bezeichnung | Wert |
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| Titel |
Herr Groll im Schatten der Karawanken - 4
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| Untertitel |
Ermittlungen in Kärnten ; Roman
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| Verfasserangabe |
Erwin Riess
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| Person | |
| Verlag | |
| Ort |
Salzburg
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| Umfang |
310 S.
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| ISBN13 |
978-3-7013-1192-7
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| Schlagwort | |
| Annotation |
Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html); #Autor: Birgit Leitner; #Ein Lernbuch über einen möglichen österreichischen Zugang zu manchmal belastenden und zumeist differenziert recherchierten Geschichtserfahrungen über Menschen im und mit dem Bundesland Kärnten. (DR)##Vergnüglich und poetisch ist die Sprache des Autors, seine Bilder und Assoziationen treffen immer wieder den Punkt und seine Reiseeindrücke beschreiben die Landschaft und die Leute anschaulich und nachvollziehbar, trotzdem bleibt einem beim Lesen das Schmunzeln im Hals stecken ob der sperrigen Inhalte. Das Mitdenken bei geschichtlichen und kulturellen Zusammenhängen ist nicht immer einfach. Es ist die Geschichte des Herrn Groll, der im Rollstuhl sitzt, zu einer Hochzeit eines Bekannten nach Hermagor eingeladen wurde und der diese Fahrt in den Süden nützt, um mit dem mitfahrenden Dozenten in einer brisanten familiären Angelegenheit, alte Beziehungen zum Dritten Reich betreffend, zu recherchieren.#Dabei sind es wiederholt die eleganten Briefe der Mutter aus Wien, die den Reisenden rechtzeitig die richtigen Informationen zukommen lassen. Zu punktgenau treffen sie ein und wirken mit ihren enthüllenden Inhalten nicht immer glaubhaft, genauso wie der gut inszenierte Mordkomplott im Gailtal und die Geschichte von der Geldwäscherei. Alles passt (fast zu) perfekt zusammen und die oft nur angedeuteten verschlüsselten Botschaften sind leicht zu enträtseln dank einer doch breiten und illustren medialen Berichterstattung zu den aufgezeigten Themenschwerpunkten.## ---- #Quelle: Literatur und Kritik; #Autor: Janko Ferk; #"Im Schatten der Karawanken" sind die Rindviecher braun#Erwin Riess hat einen lesenswerten Groll-Roman über Kärnten geschrieben#Der fünfundfünfzigjährige Rollstuhlfahrer und Schriftsteller Erwin Riess schafft mit - einer Staunen machenden - Leichtigkeit, was die österreichische Politik sechsundfünfzig Jahre nicht zusammengebracht hat, nämlich zweisprachige Kärntner Orte auch und mit Anstand zweisprachig zu bezeichnen. Bil?ovs, Sele-Fara, elezna Kapla und so weiter. Was ist geschehen, muss man an dieser Stelle fragen, um dann zu antworten, dass sich "die Politik" erst im Jahr 2011 zu einer Minimallösung bequemt hat, die von der Geschichte einst belächelt werden wird: In (Süd-)Kärnten gibt es über 800 Orte, die zweisprachige Bezeichnungen haben. Die so genannte Politik hat rund 160 von ihnen zugestanden, ihre Identität der Öffentlichkeit auch per Ortstafel mit deutsch- und slowenischsprachiger Aufschrift kundzutun. Einer dieser wunderbaren Orte ist der slowenischste überhaupt und dient im Roman dem Haupthelden, Herrn Groll, als Ausgangsbasis und Rückzugsgebiet einer vor Fantasie nur so strotzenden carinthischen (Kriminal-)Odyssee: Ludmannsdorf/Bil?ovs. Weniger ortsbeleckte, aber nunmehr neugierige Leserinnen und Leser seien auf http://de.wikipedia.org/wiki/Ludmannsdorf verwiesen.#Der immer interessante Erwin Riess hat vier Bücher gebraucht, um seinen mittlerweile leidlich bekannten Herrn Groll, einen Rollstuhlfahrer, nach Kärnten/Koroka zu schicken. Beim vierten Anlauf, und zwar mit Joseph, wie der rollende Untersatz des zwar körperlich, aber geistig in keiner Weise behinderten Fahrers heißt, landet "Herr Groll im Schatten der Karawanken" und führt höchst gefährliche, ja lebensbedrohende "Ermittlungen in Kärnten", einem Land, von dem schon mehr als einmal gesagt wurde, dass es für seine Wirklichkeit zu schön sei, was auf Slowenisch lautet: Koroka deela je prelepa za koroko stvarnost. (Ich sage es auch in der zweiten Landessprache, weil ich Erwin Riess um nichts nachstehen will.)#Herr Groll, der in einem Wiener Vorstadt-Heurigen, in dem auch der "Ständige Ausschuss zur Klärung sämtlicher Welträtsel", das heißt Grolls Freundeskreis, etabliert ist, als Lebensberater wirkt, und sein Gefährte, der Dozent aus dem Nobelbezirk Hietzing, ermitteln in Österreichs zweisprachigem Süden. Der in bernhardesker Wiederholungsmanie als Dozent titulierte Nobelwiener soll eine private Angelegenheit ("dunkle Punkte in der Familiengeschichte") klären, die in der Zeit des Dritten Reichs wurzelt. Groll hingegen soll als Trauzeuge bei der Heirat eines Gailtaler Freunds und Behinderungsgenossen fungieren, den die Braut taxfrei als "einfühlsame Drecksau" bezeichnet. Dabei ist die Braut sehr gerührt, wenn sie meint: "Er hat mir sogar Ich liebe dich auf Slowenisch gesagt. Auf Slowenisch is' das besonders schön." (Wenn Sie es auf Slowenisch sagen wollen: Ljubim te! Sprich: Li-jubim te.)#Als Touristen getarnt, nehmen Groll und der Dozent inmitten des alljährlichen Golf-GTI-Treffens am Wörthersee ihre privaten Ermittlungen auf, in der der SS-Freundeskreis um Odilo Globocnik, ein diskreter Historiker, eine Kärntner slowenische Partisanin - und ein späterer US-amerikanischer Präsident wichtige Rollen spielen, um nicht Udo Jürgens' Familie zu vergessen Riess im O-Ton: "Namen wie Globocnik, Rainer, Lerch, Niedermoser und Ramsauer stehen für die abscheulichsten Schandtaten, die die Geschichte gesehen hat." Und: "Kärnten war für sie (die Nazis), als hätten sie den Krieg gewonnen." (Kursiv im Original.)#Als Grolls Freund, der Bräutigam, dem er bei der Hochzeit im Sinn zivilrechtlicher Vorschriften beistehen wollte, nach dem Polterabend ums Leben kommt, ahnt er, dass die Schwierigkeiten erst begonnen haben. Beim Mordopfer findet Groll eine Liste, in der die Finanztransaktionen des Kärntner Geldadels detailliert verzeichnet sind. Er bekommt Einblick in die kriminellen Machenschaften einer Wirtschafts-Clique, die sich seit Generationen ungeniert bedient. Die allseits bekannte Landesbank, deren Vertreter heute der Reihe nach vor Gericht und in der Zeitung stehen, spielt eine große Rolle. Riess steigert die Spannung. Auch der Bruder des Bräutigams, der Filialleiter einer Bank am Land, wird tot aufgefunden, und sogar der dritte Bruder, der seit Jahrzehnten auf Zypern lebt, findet den Tod. Groll und der Dozent sind in höchster Lebensgefahr. (Mehr über den Inhalt im Buch selbst)#Nähert man sich der Sprache des Autors an und versucht sie ungeschickt nachzuahmen, könnte man bildhaft umschreiben, Erwin Riess verwebe in seinem vierten Groll-Roman die Vergangenheit und Gegenwart Kärntens zu spannender und stellenweise gar mit überbordendem Einfallsreichtum überspannter (Kriminal-)Prosa, indem er den Versuch, Welträtsel zu lösen, in einen steten Fluss teils skurriler, teils scharfsinniger Erörterungen einbettet. Ein Beispiel dieser Erörterungen ist ein - auch im Original kursiv in den Text integrierter - Kurzessay über die Mafia und die Folgen ihrer Ausrottung: "Jeder wird auf jeden losgehen, die im Norden auf die im Süden am Ätna werden die Orangenpflücker die Zitronenpflücker erschlagen, die Hafenarbeiter von Catania werden die von Palermo ertränken, die Fußballanhänger von Milan werden jene von Inter kreuzigen weil jeder von sich behauptet, die#beste Pasta zu kochen." In diesem Zusammenhang hat Riess naturgemäß nicht auf eine "geliftete Witzfigur" vergessen und ist der einzige Unterschied zu austriakischen Witzfiguren wohl nur der, dass sie nicht schönheitschirurgisch entstellt sind.#Apropos Witz: Erwin Riess überzeugt in seinem Roman mit besonders guten Sprüchen und niveauvollen Witzen, beispielsweise mit dem - nicht unbekannten - Kärntner "politischen Punschkrapferl" - "außen rot, innen braun". Jedenfalls handelt es sich um eine munter-freche Schreibe mit hintersinnigem Humor samt gemeinen Definitionen, wenn es über ein "futuristisches Gebäude" heißt: "Eine Kirche für wiederverheiratete Geschiedene." Und über das Klagenfurter HYPO-Bauwerk noch böser: "Das Gebäude gemahnte an einen Flugzeugträger, dessen Architekten und Ingenieure während des Baus dem Wahnsinn anheimgefallen waren"#Eine weitere Dimension seines Stils berührt die genauen und vor allem treffenden Orts- und Landschaftsbeschreibungen, mit denen er in jedem "Geo" reüssieren könnte. "Landschaftlich ist der Wörthersee schön, wie alle Alpenseen eben. Aber gesellschaftlich ist er ein Magnet, der Kriegsverbrecher und Finanzbetrüger und Kinder von beiden anzog und anzieht." Erwin Riess ist oder hat sich über Kärnten umfassend informiert, und zwar in jeder Hinsicht, auch der historischen. Der Roman ist gleichsam ein Prosa gewordenes Lexikon, in dem der Autor genussvoll mit seinem Wissen prunkt - was ihm natürlich zusteht und zugestanden sei. Jedenfalls ist in diesen Roman viel Geschichte und Zeitgeschichte verpackt, "Geschichten zur Geschichte", die jeder faktischen Überprüfung Stand halten.#Der Roman hat einen weiteren interessanten Aspekt, nämlich die Perspektive des Rollstuhlfahrers. Die Leserin und der Leser werden auf Probleme aufmerksam, die sie für gewöhnlich nicht haben, was bei der Frage anfängt, welches Hotel barrierefrei ist und welches nicht (laut Groll sind gerade die besten Klagenfurter Häuser kein Paradies für Rollstuhlfahrer) und bei den Geschlechtsverkehrsproblemen behinderter Frauen und Männer aufhört oder überhaupt erst so richtig anfängt.#Erwin Riess hat seinen Kärnten-Krimi routiniert und - was für dieses Genre noch viel wichtiger ist - spannend geschrieben. Die Leserin und den Leser wird er an vielen Stellen zum Lachen, nach der Lektüre aber vor allem zum Weiterdenken reizen.## ---- #Quelle: Pool Feuilleton; #Die Aktion "Innsbruck liest" liebäugelt neben den Elementen des Leseabenteuers und der Leseförderung auch mit dem Aspekt, ein überregionales Buch zu einem Tiroler Ereignis zu machen.#Erwin Riess' Roman "Herr Groll im Schatten der Karawanken" rollt das Einsatz-Gebiet Kärnten mit dem Rollstuhl auf. Die Mission des Rollstuhlfahrers Groll und seines Begleiters, eines Soziologie-Dozenten aus Wien, besteht darin, das Bundesland auf Sehenswürdigkeiten der grotesken Art abzuchecken und die Auswirkungen der Nazizeit auf die jüngere Zeitgeschichte zu erforschen. - Nach diesem Modell könnte man durchaus jedes Bundesland abklappern und eine Geschichte der "kriminellen Art" schreiben.#Im Sinne eines Provinz-Krimis reisen die beiden Protagonisten mit einem Uraltauto, das Behindertentauglich ist, nach Kärnten und werden von der ersten bis zur letzten Seite von Golf GTIs umrundet, abgedrängt oder von Auspuffgasen eingenebelt. Die Gegenwaffe ist genial partisanisch, gekochte Erdäpfel in den Auspuff des Gegners stecken, und schon erlahmt dessen Motorkraft. Selbstverständlich stehen in Kärnten auf jedem Behindertenparkplatz SUVs von Neureichen, die dann mit den Erdäpfeln zur Räson gebracht werden müssen.#Die Handlung, sofern es in der Provinz so etwas überhaupt gibt, denn in der Provinz geschieht bekanntlich nichts und alles gleichzeitig, spaltet sich in zwei Stränge. Der Dozent will als Soziologe die Sache mit seinen Vorfahren klären, denn es ist zwar sicher, dass er am Wörthersee gezeugt worden ist, aber es bleibt offen, ob sein genetisches Gerüst auf die Samenspende eines Nazis oder auf John F. Kennedy zurückgeht, der um diese Zeit als Student alles am Wörthersee befruchtet hat.#Der Ich-Erzähler will eigentlich zu einer Hochzeit im Rollstuhl-Milieu, aber der Bräutigam wird nach dem Polterabend ermordet und reißt jäh ein Loch auf in den kriminellen Verflechtungen des provinziellen Bankwesens. Das Treiben der kriminellen Oberschicht, die Aktivitäten der sogenannten "Prinz-Brüder", das braune Revival eines Borderline-Landeshauptmannes machen das Land zur Hochburg einer grinsenden Mafia, die fallweise mit Grunzen oder mit Gesängen auf Events auftaucht.#Und die Thesen der ermittelnden Helden sind nicht minder abenteuerlich und dem Kärntner Treiben angepasst. So findet das GTI-Treffen deshalb in Kärnten statt, weil diese Autos dem Gedankengut der Nazi entsprungen sind. Und auch der betrunkene Landeshauptmann wählt für seine letzte Fahrt einen Volkswagen, wenn auch einen großen.#Mit etwas gutem Willen kann man zu diesen Ereignissen nur nicken, ja so ist Kärnten, wenn man einen neuen Blickwinkel wählt. Und vom Rollstuhl aus betrachtet ist das Land tatsächlich nicht mehr wiederzuerkennen.#Ein ideales Buch für die Aktion "Innsbruck liest", dann nach der Riess'schen Methode lässt sich auch Tirol wunderbar aufplatteln.#Helmuth Schönauer
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