Die Schmetterlingsfängerin
| Bezeichnung | Wert |
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| Titel |
Die Schmetterlingsfängerin
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| Untertitel |
Roman
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| Verfasserangabe |
Margarita Kinstner
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| Medienart | |
| Sprache | |
| Person | |
| Verlag | |
| Ort |
Wien
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| Jahr | |
| Umfang |
284 S.
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| ISBN13 |
978-3-552-06294-8
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| Annotation |
Quelle: Apropos. Straßenzeitung für Salzburg (http://www.apropos.or.at/); #Autor: Christina Repolust; #Das Erbe der Mütter#Gewalt gegen Töchter und unsichere Bindungen geben Lebenslinien vor#Katja will nach Sarajevo ziehen und dort mit ihrem Freund leben. Schnell gerät sie aus der Fassung, schnell verliert sie das Vertrauen und ebenso schnell versteht sie die Welt um sich herum nicht. Was verschweigt ihr die Mutter? Was will ihr die Tante eigentlich immer wieder sagen? Katja versucht vor ihrer Abreise noch im Tal ihrer Kindheit ihre Ahninnen zu verstehen, ihnen näher zu kommen, ihre Geheimnisse nicht zu enthüllen, aber doch aus der Dunkelheit zu ziehen. Margarita Kinstner,1976 in Wien geboren, hat mit ihrem Debütroman "Mittelstadtrauschen" bereits gezeigt, dass sie mehrere Erzählstränge zu bändigen versteht. Auch hier stand die Suche nach Herkunft und Identität im Mittelpunkt und das ohne diese Begriffe zu strapazieren. Anna Mitgutsch hat mit ihrem Roman "Die Züchtigung" gleich ab Erscheinen für Aufmerksamkeit gesorgt: Gewalt wird von einer Generation an die andere vererbt, sie erzählte davon und das schonungslos wie eindringlich. Das Mädchen, genauer, die 12-jährige Tochter stellt ihrer Mutter eine irritierende Frage: "War deine Mutter auch so wie du?" Die Ich-Erzählerin wird von dieser Frage im Bad, beim Kämmen, überrascht: Wer ist meine Mutter gewesen? Wie ist meine Mutter gewesen? Die Erzählung wendet sich Marie, der Großmutter des fragenden Mädchens zu: geschlagen und tyrannisiert wurde sie, ungeliebt war sie und wollte dann selbst als Mutter alles anders, alles besser machen. So schlug sie aus Liebe, so meinte sie. Vermeintliche Liebe, die zu Gewalt führte, die lange nicht ansprechbar war, da die Worte fehlten: für die Liebe, den Hass und die Gewalt. Katja hat inzwischen ihre Heimat gefunden und auch die Gründe so manchen Schweigens ihrer Mutter.#siehe auch: Anna Mitgutsch: Die Züchtigung## ---- #Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html); #Autor: Doris Göldner; #Eine junge Frau aus Wien spürt knapp vor der Übersiedlung nach Sarajewo ihrer Familiengeschichte nach. (DR)#Katja ist schwanger und wird ihrem Lebensgefährten nach Sarajewo folgen. Sie hat die Stadt schon kennengelernt und ist überzeugt, dort heimisch werden zu können. Da die Umzugskisten zu früh gepackt sind, fährt sie aufs Land, nach Haizendorf im Lusniztal, einer fiktiven österreichischen Gegend, die dem Gebiet rund um Judenburg nachempfunden ist, und besucht die Stätten ihrer Kindheit. Sie spürt in Erinnerungen und in Gesprächen mit der betagten Großtante Therese der Familiengeschichte nach, findet einige Parallelen und schlussendlich auch ein gut gehütetes Familiengeheimnis.#Dass der Familienroman alle Orte beim wirklichen Namen nennt (Wien, Purkersdorf, Graz), nur Judenburg und Fohnsdorf nicht, spiegelt die Atmosphäre des gesamten Werks. Katja zweifelt an ihrem Entschluss, das Land zu wechseln, muss die Kindheitserinnerungen mit den Eindrücken der Gegenwart abstimmen und auch ihre zukünftige Mutterschaft in das Familienpuzzle einordnen. LeserInnen werden häufig mehr als nötig mit Katjas Realität konfrontiert, aber "ein bisschen Geheimnis" soll dann doch bleiben. An diesen Stellen klingt die Erzählung aufgesetzt und erzwungen. Andernorts wirkt sie kitschig und sentimental.#Insgesamt aber gelingt es der Autorin Margarita Kinstner, die Geschichte einer typisch österreichischen Familie glaubwürdig nachzuzeichnen. Vom bosnischen Urgroßvater über die nach Kanada emigrierte Verwandtschaft bis zur Patchworkfamilie der Gegenwart - jede Figur erinnert uns an die eigene Familiengeschichte. Als Beispiel österreichischer Gegenwartsliteratur empfohlen!## ---- #Quelle: Literatur und Kritik; #Autor: Klaus Zeyringer; #Kindheit ein Genre, Heimat ein Klischee#In Margarita Kinstners erzählerischer Naivität ist Sarajevo eine Idylle.#Heimat sei "ein Ort in unserem Herzen", weiß der Klappentext. Und Margarita Kinstner hat ihren Roman Die Schmetterlingsfängerin - nach dem "bei Publikum und Presse erfolgreichen" Debüt Mittelstadtrauschen (2013) - ebenso treuherzig gestaltet. Auf der dritten Seite wechselt sie zwar von einer Sie-Erzählung der Vergangenheitsform in die Ich-Perspektive des Präsens, dies jedoch bleibt der einzige Ansatz eines literarischen Konzepts, das über gewöhnliche Kindheits- und Jugendaufarbeitungen hinausgehen würde. Hier erscheint es allerdings als Pflichtübung, um zumindest kurz vorzuspiegeln, dass sich die frühen Jahre nicht so einfach zusammenklauben lassen, wie das der 35-jährigen Katja Köhler zugeschrieben ist.#Sie stammt aus komplizierten Familienverhältnissen, denen sie bis zu den Urgroßeltern auf den Grund gehen möchte, bevor sie aus Wien zu ihrem Geliebten, von dem sie ein Kind erwartet, nach Sarajevo zieht. Danijel hatte den umgekehrten Weg eingeschlagen, als Halbwüchsiger war er vor dem Krieg nach Österreich geflohen. Nun ist er Arzt, in der pädiatrischen Onkologie seiner Herkunftsstadt hat er eine Stelle angenommen. Bis zu ihrer Abreise hat Katja noch einige Wochen Zeit, sie begibt sich in die Steiermark und damit in ihre Herkunft zurück. Ihr Uropa war aus Sarajevo gekommen; ihre Oma, bei der sie den wesentlichen Teil ihrer Kindheit verbrachte, hatte es nach dem Zweiten Weltkrieg nicht gewagt, zu ihrer großen Liebe in die Schweiz zu ziehen. Diese Vorgeschichten scheinen Katja auf ihre eigene Situation zu weisen, und so macht sie sich an ihre Familienaufstellung: die Mutter eine Dolmetscherin aus dem Wiener Bürgertum, der Vater nun ein "Seitenblicke"-berühmter Künstler jenseits seiner wilden Periode, dessen verstorbener Vater ein Bergarbeiter in der Gegend von Solburg und Haizendorf im Lusniztal. So nennt - aus welchem Grund bleibt unklar - Margarita Kinstner offenbar Judenburg, Fohnsdorf und das Obere Murtal, während sie alle anderen geographischen Namen in den realen Bezeichnungen belässt.#Dort in der krisengezeichneten Region mit den ländlichen Grundzügen neben den Kleinstadttürmen, den Kühen neben den aufgelassenen Stollen betreibt sie ihr Erinnerungswerkel, das ungebrochen dahinrattert. Sie hört die Erzählungen der Tante, geht in Museen, schaut sich alte Fotos an. Sie erhält Besuch von Danijel und auch von dessen Cousine, die ihr die engste Freundin ist. Beiden führt sie die Stätten vor Augen, die sie als Heimat in Betracht gezogen hat, ein Reich der Kindheit, der verstorbenen oder ausgewanderten Verwandten, eine Welt der Alten und des Gewesenen. Ob die Reise in die Steiermark nicht eine Flucht vor der Angst sei, fragt sich Katja schließlich. Die Heimat, weiß sie am Ende ihres Umwegs, findet sie neben Danijel.#Sein Reich der Kindheit ist das Sarajevo, das es unwiederbringlich nicht mehr gibt. Einer seiner Freunde warnt: "Danijel wird sich viel schwerer tun als du. Für dich ist Bosnien ein fremdes Land, du fängst hier ganz von vorne an." Katja sieht wohl Einschusslöcher in den Fassaden, glaubt aber an die Idylle. "Sarajevo ist die perfekte Mischung", denkt sie, und sagt zu ihrem ungeborenen Kind, die bosnische Stadt werde ihm wie der verklärte Ort ihrer eigenen Kindheit sein.#Eine derartige Naivität ist die Grundhaltung des Romans. Mit seinem einfachen Präsens-Stil klingt er mitunter kaum anders als ein Schulaufsatz: "Vor den Kühen habe ich keine Angst. Manchmal werfe ich ihnen Äpfel hinüber, dann kommen sie an den Zaun und reiben ihre Köpfe an meinen Händen. Der Zaun ist ein einfacher Holzzaun, über den man leicht klettern kann." Und so weiter. Wie soll ein solch naives Erzählen, das oft Belanglosigkeiten belanglos schildert, zu wesentlichen Fragen oder gar Antworten vordringen? Noch dazu, wenn zwischendurch kategorische Sätze Allgemeingültigkeit sowie Sicherheit des Erzählens vorgeben: "Die Zeiten hatten sich geändert. Die Zeiten ändern sich immer." "Immer", "immer schon" verwendet Kinstner inflationär: "Mit einer Tochter im Teenageralter fühlt man sich immer alt" - in jeder Minute?; die "Samstagnachmittage sind immer unsere besten gewesen" - tatsächlich alle?; "zwischen Solburg und Haizendorf lagen immer schon Welten" - auch im Frühmittelalter?; "der Alltag scheint derselbe zu sein wie immer" - da geht eine Frau ins Museum, will Vergangenheit ergründen und zieht ahistorische Gleichgültigkeit in Betracht. Das funktioniert nicht einmal im Rahmen der Fiktion des Romans: "Danijels Deutsch war immer schon perfekt", heißt es - dabei hat er es als Kind in Sarajevo gar nicht gekonnt. Dem "Immer", der Zeitangabe, der Zeit gleichgültig bleibt, korrespondiert andererseits das "Nie": "immer schon wollte ich einfach nur nach Hause, und nie wusste ich, wo dieses Zuhause eigentlich war."#Es sind beileibe nicht die einzigen sprachlichen sowie logischen Ungenauigkeiten in diesem Roman, dem der Verlag zudem eine Reihe von Druckfehlern, auch einen simplen Grammatikfehler (S. 28, "herunter" anstelle des richtigen "hinunter") durchgehen ließ. Man könnte aus dem Text geradezu einen Katalog von Gemeinplätzen und Phrasen zusammenstellen.#So bleibt die Kindheit ein Genre, redundant und langwierig, von Kalendersprüchen umrahmt: "Großmütter wissen alles über Kinder. Sie haben aus den Fehlern gelernt, die sie als Mütter gemacht haben." Dazu die Formelfragen: "Ist das Leben so leicht? Kann es so leicht sein? () Vielleicht wird sich in Sarajevo alles verändern." Ob die Zukunft "nicht immer ein Klischee" sei, will Katja wissen. In derartiger Erzählung bestimmt.#"Das haben wir immer gekonnt, uns Geschichten erzählen", denkt Katja über Danijel und sich selbst: "Schöne Geschichten mit einem Hauch Melancholie und Wehmut." Also Kitsch.#Dazu passt der Titel des Romans, den der Text nicht recht aufdrängt. Aber er klingt eben nach schönen Geschichten. Ganz anders als in Andrea Grills neuem Roman, der originell wie sprachmächtig einem ungewöhnlichen Schmetterlingsforscher nachspürt, bleibt Margarita Kinstner an der Oberfläche der Formen und Gefühle. Bei ihrer Prosa kommt einem die Kitsch-Definition von Walther Killy in den Sinn, der das Abbild eines Schmetterlings heranzieht, um aufgesetzte Gefühle und emotionale Kulissenschieberei zu erläutern. Der "Kitschautor denkt nach den von seinen bequemen Vergleichen vorgezeichneten Bildvorlagen. Ein zarter Schmetterling." Das Putzige als Schmetterling auf der Wiese. "Im Genuß des Kitsches, der ständig die Welt im Kleinen reproduziert, ertränken die Einzelnen ihre Angst", schreibt Gert Ueding.#Das Putzige stellt in Kinstners Roman ein Element von Heimweh und Heimat dar. Der Urgroßvater aus Sarajevo bastelte seinen Kindern eine Miniaturstadt; die Urenkelin Katja kündigt als Volksschullehrerin und sieht sich in ihrer bosnischen Zukunft den Job der Kinderbuchillustratorin idyllisch im Garten ausüben. Heimat als Kitschstätte: "nur Haizendorf blieb immer der Ort, an dem ich Schmetterlinge fing, auf der Schaukel tanzte und an dem es kein harsches Wort und kein klirrendes Schweigen gab."#So konstruiert diese Präsens-Erzählung die Kindheit als Direktbericht von der schönen Zeit bei der Oma, während die Eltern aus der Nach-68er-Generation ihre Freiheiten suchten. "Mädchen von alleinerziehenden Müttern sind Superemanzen", behauptet eine der Allgemeinweisheiten der Schmetterlingsfängerin.#Auffallend viele Kinder dieser Generation setzen sich nun literarisch mit ihren frühen Jahren auseinander, mit abwesenden Vätern und Müttern, mit einer Familien-Melange, wie es in dieser Saison auch bei Anna Baar in Die Farbe des Granatapfels (ein kitschiger Titel für ein sprachmächtiges Buch) zu lesen ist, hier eine Kindheit zwischen der Großmutter im dalmatinischen Fischerdorf und dem "Vaterland" einer österreichischen Stadt.#Eine ansehnliche Reihe von Autorinnen ist seit drei, vier Jahren hervorgetreten. Dass sie - wie Helmut Gollner voll Sympathie annimmt - alle bemerkenswert oder gar großartig wären und einen offenen Schluss sowie Unklarheiten bevorzugen, weil ja das Leben unklar weitergehe, findet in Margarita Kinstners Roman ein Gegenbeispiel. "Ich wollte im Literaturbetrieb unterkommen", meint ihre Figur.## ---- #Quelle: Pool Feuilleton; #Oft fußt die Freiheit auf einer gelungenen Zeremonie der Befreiung. Wer frei ist, kann überall heimisch werden.#In Margarita Kinstners Roman "Die Schmetterlingsfängerin" befreit sich zu Beginn ein Geschwisterpaar von sämtlichen Altlasten der Emotion, indem es den Kater Isidor würdig bestattet. Wer von einem Tier so gelungen Abschied nehmen kann, ist letztlich für alle Herausforderungen geeicht.#Beim Begräbnis eines Katers kommt man so ins Sinnieren, und so entsteht bald einmal eine Familiengeschichte, die sich am halben Kontinent entfaltet. Ständig hat jemand jemanden geheiratet und Kinder produziert, die vor allem eine Aufgabe hatten, in der neuen Welt der Angesiedelten Heimat entstehen zu lassen.#Jetzt ist die Ich-Erzählerin, eine Volksschullehrerin, ebenfalls dabei, der Geographie und den Chromosomen ein neues Gesicht zu geben. Sie ist schwanger und wird in ein paar Wochen nach Sarajevo ziehen, wo ihr Freund bereits eine Anstellung im Spital gefunden hat. Der Stadt Sarajevo trauen noch immer nicht alle über den Weg. Zu viele sind im Bosnienkrieg geflüchtet und können es sich nicht vorstellen, dass jemand in der nächsten Generation freiwillig dorthin zurückkehrt.#Tatsächlich geben auch die Einheimischen zu, dass das friedliche Zusammenleben oft nur für die Touristen gespielt wird und längst noch nicht wie früher ist. (152) Auch sonst hat sich alles in Geschichten aufgespalten, alles wimmelt in Ermangelung der sinnstiftenden Geschichte von Begebenheiten und Geschichten. "Alle wollen schreiben, einen Film drehen und wissen nicht worüber." (204)#Die Erzählerin fürchtet sich nicht so sehr vor Sarajevo sondern vor dem Akt, die Sicherheitsseile zu kappen und wirklich dorthin zu gehen. Jetzt grast sie noch einmal die Verwandtschaft ab, der Vater ist berühmter Künstler gewesen, die Großmutter hat in einer Büchse Schmetterlinge aufbewahrt, die davon geflogen wären, hätte man sie geöffnet. Die Schmetterlingssammlerin sammelt etwas Unsichtbares wie Schrödingers Katze, wenn man nachschaut, ist es hin.#Jetzt wo alles erzählt ist, trägt die Erzählerin ihr ungeborenes Kind aus den Almwiesen dieses Sommers hinaus. "Heimat ist dort, wo du gerade bist." (212)#Margarita Kinstner erzählt ein Stück europäischer Familiengeschichte ein Stück weiter. Letztlich sind alle unterwegs, und gerade jene, die sich am Bodenständigsten gebärden, sind die Flüchtigsten. Das Kind wird von all den Zusammenhängen vorerst nichts merken und unbefangen in Sarajevo loslegen, gut betreut von einem transkontinentalen Liebespaar.#"Ich laufe durch die kleine Stadt, bin Urenkelin, Enkelin und werdende Mutter." (70)#Helmuth Schönauer
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