Öffentliche Bücherei der Marktgemeinde St. Margarethen im Bgld.

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Die guten Tage

Bezeichnung Wert
Titel
Die guten Tage
Untertitel
Roman
Verfasserangabe
Dinic, Marko
Medienart
Sprache
Person
Verlag
Ort
Wien
Jahr
Umfang
238 S.
ISBN10
3-552-05911-3
ISBN13
978-3-552-05911-5
Schlagwort
Annotation
Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html); Autor: Renate Langer; Ein zorniger junger Mann fährt von Wien in die Heimat seiner serbischen Familie, erinnert sich an seine Kindheit im Krieg und klagt die Vätergeneration als Verbrecher an. (DR) Vulgär, brutal, großkotzig. Stinkende Kettenraucher. Frauen verachtende Machos. Am Sliwowitz hängende Spiegeltrinker. Wer die Passagiere im Überlandbus von Wien nach Belgrad so beschreibt, muss selber Serbe sein. Andernfalls würde man ihm unterstellen, er schüre übelste Vorurteile gegen die "Balkanesen". Der in Belgrad aufgewachsene Marko Dinic darf sich diesen schonungslosen Blick erlauben, zumal er auch zu sanfteren Tönen fähig ist. So schildert er die Geduld und Demut vieler Gastarbeiter, die sich kaputtrackern, um ihren Kindern ein besseres Leben in Deutschland oder Österreich zu ermöglichen. Der junge Ich-Erzähler, der nicht mit dem Autor in eins zu setzen ist, fährt mit dem Bus in das Herkunftsland seiner Familie, um am Begräbnis seiner Großmutter teilzunehmen. Die Reise weckt in ihm traumatische Erinnerungen an den Balkankrieg, der seine Kindheit überschattete. In nächtlichen Gesprächen mit einem mysteriösen, vielleicht nur geträumten Sitznachbarn, der vermutlich Schriftsteller ist, rechnet der Erzähler jedoch vor allem mit seinem Vater ab: Der Ministerialbeamte hat alle Regierungswechsel seit Tito unbeschadet überstanden und sich vom Kommunisten zum orthodoxen Nationalisten gemausert. Als "stummer Schurke, eines jener gesichtslosen Exemplare, ohne die kein von Menschen gemachtes System langfristig überleben könnte", vertritt er eine Generation, die "in den Neunzigern viel Scheiße gebaut" hat. Hinter dieser Formel verbergen sich nicht nur Eigennutz und Rückgratlosigkeit, sondern auch ungesühnte Kriegsverbrechen. Bei so viel Zorn und Bitterkeit sollte man den Grundton der Zärtlichkeit und tiefen Trauer in diesem Buch nicht überhören. Der 1988 geborene, heute in Wien lebende und auf Deutsch schreibende Marko Dinic versteht es, intensive und auch widerstreitende Gefühle mit großer Sprachkraft zu beschwören. Sein Romandebüt etabliert ihn als bedeutende Stimme der jungen Gegenwartsliteratur. ---- Quelle: LHW.Lesen.Hören.Wissen (http://www.provinz.bz.it/kulturabteilung/bibliotheken/320.asp); Autor: Markus Fritz; Der Ich-Erzähler befindet sich im so genannten Gastarbeiter-Express von Wien nach Belgrad, einem Reisebus, der täglich von Österreich nach Serbien pendelt. Zu Beginn des Buches beschreibt er die Insassen: In den vordersten Reihen sitzen Männer zwischen 50 und 60, denen man den Alkoholkonsum und das jahrelange Schuften auf österreichischen Baustellen anmerkt. Ihr Lebensinhalt besteht darin, so viel Geld zu verdienen, um sich zu Hause ein Haus bauen zu können. Die Frauen sitzen still und unbeteiligt. Der Sitznachbar ist ein undurchsichtiger skurriler Typ, den er nur schwer einordnen kann. Ist er wirklich - wie er behauptet - ein Elektriker, oder doch ein Schriftsteller, der um zu recherchieren nach Serbien fährt? Sie reden über Serbien, die Vergangenheit und den Krieg und der Nachbar warnt ihn: "Wir befinden uns unter potentiellen Mördern". Jeder der Mitreisenden könnte ein Kriegsverbrecher sein. Während der langen und eintönigen Busfahrt hat der Erzähler viel Zeit nachzudenken. Er erinnert sich an die Kindheit und Jugend, an den Krieg der NATO gegen Serbien, an den allseits verehrten Retter des Landes Milosevic, der später als Kriegsverbrecher verurteilt wird und der von Teilen der Bevölkerung immer noch als Held gefeiert wird. Und er denkt an den verhassten Vater, der ursprünglich ein glühender Kommunist, dann ein ebenso glühender Anhänger von Milosevic war, der von einem großserbischen Reich träumt und der jetzt ein angepasster Beamter im Innenministerium ist. Der Sohn ist gleich nach dem Krieg nach Wien geflüchtet, nicht zuletzt, um sich vom Vater loszureißen. Jetzt wird er von der Vergangenheit eingeholt und ist auf dem Weg zum Begräbnis der geliebten Großmutter. Es passiert nicht viel auf dieser Reise, das meiste spielt sich im Kopf der Hauptfigur ab. Der Roman überzeugt durch seine schonungslose Aufarbeitung der Vergangenheit und vor allem durch die bildmächtige Sprache. Für große Bibliotheken geeignet.
BEMERKUNG
Katalogisat importiert von: Rezensionen online open (inkl. Stadtbib. Salzburg)
Übersetzung
Deutsch
Trägermedium
Band