Öffentliche Bücherei der Gemeinde Oberschützen

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Buch des Flüsterns

Bezeichnung Wert
Titel
Buch des Flüsterns
Untertitel
Roman
Verfasserangabe
Varujan Vosganian. Aus dem Rumän. von Ernest Wichner
Medienart
Sprache
Person
Verlag
Ort
Wien
Jahr
Umfang
508 S.
ISBN13
978-3-552-05646-6
Annotation
Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html); #Autor: Heinrich Klingenberg; #Meisterhafte Fortsetzung von Franz Werfels "Die 40 Tage des Musa Dagh". (DR)#Vosganian wurde 1958 im rumänischen Craiova in einer armenischen Familie geboren. Von seinem Großvater, der wie viele andere armenische Familien in der kleinen rumänischen Ortschaft Focsani lebt, hat er vieles über den Genozid an den Armeniern erfahren. Es beginnt mit den Massakern in Trapezunt im Jahr 1895/96 und endet mit der Ermordung des türkisch-armenischen Journalisten Hrant Dink durch einen türkischen Attentäter. Dazwischen erleben die LeserInnen das Schicksal des armenischen Widerstandes vom Anfang bis zum Ende.#Mit der "Operation Nemesis" wollte eine Untergrundgruppe unter General Dro Rache üben. In der kurzen Zeit der Unabhängigkeit Armeniens von 1918 bis 1920 war er Verteidigungsminister seines Landes, danach floh er vor den Sowjets ins Exil nach Rumänien und stellte trotz seiner Erfahrung eines Völkermords mithilfe der deutschen Wehrmacht eine Legion vor allem aus sowjetischen Kriegsgefangenen armenischer Herkunft zusammen, im Glauben, die Deutschen würden nach einem "Endsieg" die Souveränität Armeniens garantieren. Aber diese Rechnung ging nicht auf. Nach dem Krieg rächten sich die Sowjets aufs grausamste an tatsächlichen und vermeintlichen armenischen Kollaborateuren, die sie nach Sibirien deportierten oder gleich ermordeten.#Im Buch werden viele solcher grausamen Schicksale berichtet, die wegen der schwierigen politischen Verhältnisse immer nur im Flüstern weitererzählt wurden - daher der Titel des Buches. Keine leichte Kost, manchmal kann man die Schilderungen des Grauens kaum ertragen, geschweige denn für wahr halten, dass Menschen tatsächlich zu solchen Gräueltaten fähig sind. Gleichzeitig handelt es sich um ein unglaublich poetisches Werk, das, virtuos erzählt und mit viel Empathie und Professionalität von Ernest Wichner ins Deutsche übersetzt, nicht nur würdig ist neben Franz Werfel, sondern das vermutlich zu Recht in die Literaturgeschichte eingehen wird. Breite Empfehlung für alle Bibliotheken.## ---- #Quelle: LHW.Lesen.Hören.Wissen (http://www.provinz.bz.it/kulturabteilung/bibliotheken/320.asp); #Autor: Margot Schwienbacher; #Ein Buch, das sich nur schwer zusammenfassen lässt, gleicht es doch einem bunten, vielgestaltigen Flickenteppich aus Anekdoten, Familiengeheimnissen, Legenden. Der Autor - selbst armenischer Abstammung und heute Wirtschaftsminister in Rumänien - erzählt uns von seiner Kindheit in Foc?ani, einer rumänischen Provinzstadt, in der sich viele vertriebene Armenier eine neue Heimat aufgebaut haben. Ausgehend von seinem Großvater Garabet und dessen Freunden spannt sich ein weites Netz aus Lebensläufen, die von den Wechselfällen der Geschichte, von Vertreibungen (unter den Türken, unter den Kommunisten), von Deportation und Leid erzählen, aber auch von Freundschaft, armenischer Lebensart, von Tradition und Heimat und Neubeginn. Tragisch, phantasievoll, warmherzig und von der Kraft der Hoffnung und des Humors getragen.## ---- #Quelle: Pool Feuilleton; #Manchmal erzählen Bücher nicht nur die Geschichte von einzelnen Personen sondern gleichzeitig dazu den Sound eines Volkes.#Varujan Vosganian erzählt von der Geschichte, Verfolgung, Überleben und Eliminierung der Armenier im 20. Jahrhundert. Für dieses Mammut-Projekt gegen das Vergessen verwendet er einen Ich-Erzähler, der als kollektives Kind unter dem Tisch lauscht, was oben die Ahnen, Veteranen und Überlebenden zu sagen haben. Dieses Kind sitzt an jenem Bottich der Geschichte, aus dem gerade der erinnerte Stoff abfließt gegen das Vergessen.#Aus den zusammengelauschten Geschichten, der Lektüre von Dokumenten und den unter der Hand weitererzählten Vorfällen ergibt sich das Buch des Flüsterns. "In meiner Kindheit lebte ich in einer Welt des Flüsterns. (30) Im Buch des Flüsterns sind die Namen der Toten aufgeschrieben. (36) Das Buch des Flüsterns ist kein Geschichtsbuch, sondern eines der Bewusstseinsstände. (302)"#Immer wieder wird in den zwölf Kapiteln auf dieses Flüstern eingegangen, welches zwischen Auslöschung und Selbstbewusstsein fein dosiert manchmal das Überleben sichert.#Dabei werden einzelne Schicksale erzählt, wie Menschen auswandern, mit kleinen Geschäften das Überleben sichern, von den Deportationen nach Sibirien und dem ständigen Herumgetrieben-Werden durch alle Gebirge Kleinasiens. "Die Armenier meiner Kindheit starben in wohlgeordneter Folge." Von ihnen bleibt meist nur ein Foto, das mit den anderen Bildern der Verstorbenen zu einem seltsamen Kartenspiel ausgelegt wird.#Die Geschichte Armeniens trägt viele makabre Züge, einmal wird sie im Roman als die Geschichte des Konvois beschrieben. "Ein freies Volk begibt sich in keinen Konvoi." (129)#Als Leser ist man überwältigt, was an Geschichte offensichtlich nur geflüstert werden darf, und während der Lektüre ertappt man sich dabei, wie man selbst in diesen - sich nach Gefahren umschauenden - leisen Ton verfällt.#Noch immer ist es gefährlich, auf den Genozid der Armenier hinzuweisen. Dabei zeigt die Aktenlage, dass etwa die Generäle der österreichisch-ungarischen Monarchie über jeden Schritt gegen die Armenier informiert waren und offensichtlich generalstabsmäßig in einen Flüsterton verfallen sind.#Das Buch des Flüsterns wühlt mit seinem Stoff auf, es zeigt darüber hinaus aber beeindruckend, was Literatur auszulösen vermag, nämlich das Wissen um etwas und schließlich auch das Bewusstsein zu verändern. - Ein stilles umwälzendes Buch das unweigerlich den Wind der Veränderung mit sich bringt.#Helmuth Schönauer

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