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Stadt der Magier und Diebe

Bezeichnung Wert
Titel
Stadt der Magier und Diebe
Verfasserangabe
Judith Mohr
Medienart
Sprache
Person
Reihe
Reihenvermerk
1
Verlag
Ort
Hamburg
Jahr
Umfang
414 Seiten
ISBN13
978-3-551-58640-7
Schlagwort
Annotation
Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html); <br/>Autor: Maria Reichl; <br/>Großartiges entsteht durch kleine Gesten. (ab 12) (JE)<br/>Endlich ein Buch über Magier, in dem der Protagonist nicht eine Waise ist und nicht an eine magische Schule kommt, an der er nach anfänglichen Schwierigkeiten zum Star avanciert. Mit »Stadt der Magier und Diebe« ist Judith Mohr ein grandioses Jugendbuch gelungen, das klar heraussticht! Es ist fesselnd, man bangt und hofft, fiebert mit, lacht und freut sich. Die Protagonisten sind Charaktere mit Tiefgang, ihre Gefühlswelt ist mit feiner Feder herausgearbeitet. Bereits während des Lesens hofften mein Sohn und ich, dass es eine Fortsetzung geben wird. (Gute Neuigkeiten: Mittlerweile ist ein zweiter Band erhältlich.)<br/>Nun aber zum Inhalt: Der junge Erwachsene Cor lebt in der Stadt Parnass als Taschendieb. Von seiner Mutter verstoßen, blieb ihm nur eine Möglichkeit: Er schloss sich der Diebesgilde an und wurde über die Jahre zum perfekten Dieb ausgebildet. In Parnass weht jedoch ein rauer Wind und die Kluft zwischen Arm und Reich, Dieb und Magier ist sehr groß. Einmal als Dieb erwischt, wird man mit 24 Peitschenhieben gebrandmarkt. Wird man ein zweites Mal erwischt, sind die Folgen viel schlimmer: Man wird am Sklavenmarkt verkauft. Gibt es keinen Käufer, ruft der Galgen.<br/>Zu Beginn des Buches sieht es für Cor düster aus, er wurde soeben zum zweiten Mal beim Stehlen erwischt und hofft nun auf einen Käufer. Sein Wunsch geht in Erfüllung und der mysteriöse Magier Jonathan Fossell ersteigert ihn. Geht es nun vom Regen in die Traufe und hat er ab jetzt einen grausamen Herrn?<br/>Doch Meister Jonathan Fossell nimmt Cor mit in sein Haus und behandelt ihn anständig und fair. Zum Haushalt gehört auch die eigenbrötlerische Köchin und Haushälterin Babette, die sich als gute Seele des Hauses entpuppt. Cor ist misstrauisch und traut der positiven Wendung nicht so recht, doch Meister Fossell beweist dem Jungen, dass er ihm vertrauen kann. In der Stadt Parnass passieren derweil grausame Morde und Explosionen. Steckt die Diebesgilde dahinter oder doch ein Magier? Im Verborgenen ermitteln John Fossell und sein neuer Lehrling, bis sie selber in Gefahr geraten. Unerwartete Hilfe kommt von alten Freunden. Ein packendes und sehr gelungenes Buch für Leser*innen ab 12 Jahren. Allen Büchereien sehr zu empfehlen!<br/><br/> ---- <br/>Quelle: STUBE (http://www.stube.at/); <br/>Autor: Sonja Loidl; <br/>Phantastik-Buch des Monats Jänner 2026<br/>"Beißender Rauch stieg mir in die Nase. Mir wurde schlagartig übel. Der kräftige Mann mit der Lederschürze und den dicken, ledernen Handschuhen hatte das Brandeisen mit dem rot glühenden S schon in der Hand. Er blickte fragend zu meinem Käufer. Der tippte sich auf den Oberarm. Das war gnädig. Ich hatte in der Stadt schon reichlich Sklaven gesehen, die das Brandzeichen auf Stirn, Wange oder Hals getragen hatten."<br/>Cor steigt mit der Schilderung seiner Geschichte an einem existenziellen Wendepunkt ein: Er wurde zum zweiten Mal beim Stehlen verhaftet und in der Stadt Parnass bedeutet das eine Sklavenauktion oder sofortige Hinrichtung am Galgen, wenn er nicht verkauft wird.<br/>Dieses Modell der Abschreckung mit gleichzeitiger Verwaltungseinnahmequelle ist ein Zeugnis für die gesellschaftspolitische Situation an diesem Fantasyort.<br/>Aber weder der Junge, noch sein Herr passen sich dieser Geisteshaltung an: Cor hat Glück im Unglück und wird von einem der mächtigen Magier der Stadt gekauft. In dessen Haus wird er sowohl von Meister Fossell als auch der schroffen, aber äußerst fürsorglichen Haushälterin vom ersten Moment an respektvoll als Teil der kleinen Hausgemeinschaft aufgenommen. Zum einen ist der Magier ein von Grund auf freundlicher Mensch, zum anderen benötigt er aber auch Cors Wissen über die Diebesgilden der Stadt. Denn er versucht, mysteriöse Diebstähle von Zauberzutaten mit anschließender Ermordung der Diebe aufzuklären. Cor fasst Vertrauen und unterstützt die Ermittlungen - erst zurückhaltend, dann mit vollem Einsatz. Nicht von ungefähr bedeutet das Lateinische cor, das den Namen der Figur bereitstellt, Herz.<br/>Als sich herausstellt, dass der 15jährige Ich-Erzähler magische Begabung hat, wird er zum Schüler des Magiers. Ein wesentlicher Baustein phantastischer Texte ist auch in diesem Fall das Magiesystem, das die Welt zentral mitgestaltet. Im ersten Band von Judith Mohrs Serie findet man eine besondere Konzeption. Darüber hinaus lässt sich die Autorin offen, in späteren Bänden andere Ausprägungen vorzustellen, da mehrfach betont wird, dass Magie stark individuell geprägt ist. Cors Magie wirkt durch seine Stimme, sodass ein Teil seiner Ausbildung Gesangsunterricht bei einem Priester wird. Dass kirchliche Hymnen quasi zu seinen Zaubersprüchen werden, sorgen für eine interessante Kombination aus Humor und Bildungsdiskurs (Latein).<br/>"Die Tür war ein Kinderspiel. Weihnachtslieder waren ja so praktisch! Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, mehr musste ich gar nicht singen. Lautlos sprang das Schloss auf."<br/>Die Leichtigkeit, mit der Cor die neuen Inhalte aufsaugt, passt zu seiner Figur als anpassungsfähigen, klugen und street-smartem Protagonisten, erscheint aber phasenweise nicht ganz glaubwürdig. Auch die Charakterisierung des Antagonisten, der im Zuge seiner Entlarvung plötzlich eindimensional dargestellt wird, und Meister Fossels kantenlose, gütige Ziehvaterrolle sind nicht ganz rund. Gleichzeitig überzeugt die einfache Darstellung komplexer Vorgänge rund um Machthierarchien (etwa in der Diebesgilde) in diesem Roman. Die Extremsituation des Lebens als Straßenkindes wird thematisiert, erhält aber keine zentrale Position. Die Schilderung durch die Hauptfigur, die in einem Gespräch versucht, ihre Erfahrungen knapp und sachlich darzustellen, ist hierfür ein gut gewähltes Mittel.<br/>In ihrem Erstling experimentiert Judith Mohr klar mit dem Aufbau phantastischer Welten, den sie von der literaturwissenschaftlichen Seite in ihrer Dissertation Zwischen Mittelerde und Tintenwelt, zur Struktur Fantastischer Welten in der Fantasy (2012) beleuchtet hat.<br/>Die Stadt selbst wird durch verschiedene Milieus (etwa ein verrufenes Gasthaus versus bürgerliche Viertel) beschrieben. Auch die Raumdarstellung und das Bewegen durch den Raum, sind wesentliche Bausteine im Aufbau der Welt; so etwa das Bewegen der Diebe über die Dächer oder in finsteren Ecken kleiner Gässchen oder die Auflösung des Kriminalfalls im wortwörtlichen Untergrund. Dass Cor und seine Freundin und Diebeskollegin Ro am Ende von Stadt der Magier und Diebe Parnass verlassen müssen, lässt das Lesepublikum gespannt darauf warten, welche anderen Räume und Orte als nächstes erkundet werden.
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