Öffentliche und Schulbibliothek Bürmoos

Kontakt und Öffnungszeiten

Eine Geschichte der Zitrone

Bezeichnung Wert
Titel
Eine Geschichte der Zitrone
Medienart
Person
Verlag
Jahr
ISBN13
978-3-551-56036-0
Schlagwort
Annotation
„Ich habe dich gestern ‚Pollyanna‘ lesen sehen. Ist das nicht ein wunderschöner Name? ‚Pollyanna‘. So wie … „Karamell“. Oder „filigran“. Die fühlen sich so köstlich an, wenn man sie ausspricht. Ich hätte so gern einen hübschen Namen, so wie deinen. ‚Calypso‘. Wie toll, nach Musik benannt zu sein!“ Eine breit angelegte Sprachverliebtheit zieht sich durch Jo Cotterills Roman, nicht zäh wie Karamell, sondern wie ein Rettungsanker, an dem sich die Protagonistin mit dem wohlklingenden Namen immer wieder festhalten kann. Calypso ist zehn Jahre alt und ihre Verfasstheit steht diametral zum beschwingten, afro-karibischen Calypso-Rhythmus der 1930er-Jahre. Der Tod ihrer Mutter, die geistige und körperliche Abwesenheit des Vaters und der fehlende Rückhalt einer Freundin spielen den Blues für die zurückhaltende Ich-Erzählerin. Doch dann taucht Mae auf. Mae kennt nicht nur die Herkunft von Calypsos Vornamen, sondern eben auch Eleanor Hodgman Porters Klassiker und viele andere Bücher, die sie in ihrer Freizeit verschlingt. Jo Cotterill lässt die Mädchen über die gemeinsame Liebe zur Literatur zueinanderfinden und arrangiert dies nicht über schnödes Namedropping. Vielmehr gelingt es ihr mit Hilfe der reflektierten Lektüre zur Figurencharakterisierung beizutragen: „Ich lese gerade ‚Pollyanna‘, ein Buch von früher. Es nervt mich ein bisschen, weil die Heldin furchtbar langweilig ist und immer nur will, dass alle sie mögen“. Calypso weiß sich abzugrenzen und benennt im selben Atemzug Vorbilder aus der ganz aktuellen Kinderliteratur: Sophie aus „Sophie auf den Dächern“ oder Willow aus „Glück ist eine Gleichung mit 7“. Auch der Romantitel „Eine Geschichte der Zitrone“ ist eine Buchreferenz. Es handelt sich diesmal aber um einen innerfiktionalen Bezug, da die Zitronenenzyklika den Magnus Opus des Vaters als auch den dramaturgischen wie allegorischen Höhepunkt der Erzählung darstellt. Als Calypso voller Stolz in die hauseigene Bibliothek schreitet, um Mae das Wertvollste in ihrem Leben, nämlich das bibliophile Vermächtnis der verstorbenen Mutter zu präsentieren, finden die beiden „Keine Bücher, nur Zitronen. Eine Bibliothek aus Zitronen.“ Ein Bild, das für die Säure im Leben des vereinsamten Mädchens steht, führt zum Ausbruch der psychischen Innenwelt und zur völligen Apathie des Vaters. Jo Cotterill legt einen psychologischen Kinderroman vor, der eine verliebte Hommage an die kindliche Freundschaft und zugleich an die Literatur ist.
Antolin Antolin Klasse: ab 7 Zum Antolin Quiz