Der Spieler der inneren Stunde

Bezeichnung Wert
Titel
Der Spieler der inneren Stunde
Untertitel
Roman
Verfasserangabe
Marica Bodrozic
Medienart
Sprache
Person
Verlag
Ort
Frankfurt am Main
Jahr
Umfang
226 S.
ISBN13
978-3-518-41665-5
Annotation
Träumerisch-analytische Erinnerungen eines Mädchens als Aufbruch in ein neues Leben. (DR) Jelenas reale Welt ist die der Einwanderer in Deutschland: Die in Dalmatien so bestaunten roten Sandalen werden von den deutschen Mitschülerinnen gnadenlos als Billigware erkannt; die schlitzohrigen Onkel und Tanten mit ihren seltsamen Geschichten sind hier nichts als uninteressante Hilfsarbeiter, Putzfrauen und Gauner, der vertraute Großvater ein alter, ungepflegter Analphabet. Grau und kalt ist es in Deutschland - darum träumt sich das heranwachsende Mädchen, das die Bücher liebt, immer wieder zurück in die vermeintlich wärmere Atmosphäre zu Hause. Jelena spinnt sich in eine Welt jenseits der Wirklichkeit ein. Lebhaft gedachte Bilder von frühen Erlebnissen bei Verwandten in Dalmatien, Bosnien und der Herzegowina und jährliche Ferienaufenthalte nähren ihre Phantasie: "Von den Bildern wegzugehen bringt Anfänge und Augen in Not", umschreibt die Autorin poetisch den Zwiespalt ihrer Protagonistin (S. 156). Doch Zweifel an der Echtheit der Bilder schleichen sich ein und Jelena erkennt, dass der endgültige Abschied nicht abgewendet werden kann: Nach und nach verliert sie die Fäden, die sie an die alte Heimat binden, aus den Händen oder sieht sie vom Lauf der Zeit gekappt. Der Abschied " ... ist der große Bruder der Zeit, er ist der Segen der ersten und letzten Stunde." (S. 218) Jelenas träumerisch-analytische Erinnerungen markieren den Aufbruch in ein neues Leben. Ein wunderbares, gefühlvolles Buch ohne große Handlung, doch mit enormer poetischer und emotionaler Überzeugungskraft, sehr empfehlenswert! *bn* Isabella Müller