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Das Glück ist ein Vogerl

Bezeichnung Wert
Titel
Das Glück ist ein Vogerl
Untertitel
Roman
Verfasserangabe
Ingrid Kaltenegger
Medienart
Sprache
Person
Auflage
1. Auflage
Verlag
Ort
Hamburg
Jahr
Umfang
301 S.
ISBN13
978-3-455-00149-5
Annotation
Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html); #Autor: Maria Schmuckermair; #Glückssuche - theoretisch und praktisch. (DR)#Nach 16 Jahren ist die Ehe von Franz und Linn in einem Wellental angekommen. Als Linn ihren Mann zu einem Seminar mitschleppt, das den "Fahrstuhl zum Glück" vermittelt, kommt es zu einem Eklat. Denn der charismatische Guru Scott mit seinen suggestiven Methoden ist ganz und gar nicht nach dem Geschmack von Franz. Er reist ab, während seine unzufriedene Ehefrau für den Glücksvermittler spontan in die Rolle der Übersetzerin schlüpft und ihrem Idol dadurch sehr nahe kommt. Franz richtet sich im verstaubten Keller seines Hauses ein. Bis Weihnachten, also innerhalb von zwei Wochen, soll eine Entscheidung über den Fortbestand der Ehe fallen. Es geht dabei auch um die von diversen pubertätstypischen Sorgen gequälte Tochter Julie. Franz hat neben seiner Beziehungskrise aber auch noch berufliche Sorgen. Als frustrierter Musiklehrer ist er nahe am Burnout. Zudem hat er Halluzinationen, seit er nicht nur Zeuge, sondern auch Mitverursacher eines tödlichen Verkehrsunfalls geworden ist. Franz sieht den toten alten Egon, der ihn - für andere unsichtbar - stets begleitet, mit ihm spricht und ihm in der Lebenskrise Anweisungen gibt. Egon will außerdem, dass ihm Franz hilft, an seiner komatösen Jugendliebe Mali das vor 60 Jahren Versäumte gutzumachen.#Wie Franz seine Ehe retten, die Beziehung zu seiner Tochter Julie stärken und seinen Jugendtraum vom stagedivenden Musiker wahr machen will, erzählt dieser durchaus komische Roman auf originelle Weise. Die Sprache orientiert sich am salopp Umgangssprachlichen und trägt zur Komik der skurrilen Handlung bei. Auch oder besonders für Männer eine ratsame, amüsante Lektüre!## ---- #Quelle: Literatur und Kritik; #Autor: Bernhard Sandbichler; #Warum sind wir Österreicher nur solche Arschlöcher?#Ingrid Kalteneggers Debütroman »Das Glück ist ein Vogerl«#Die im Titel zitierte Frage, welche den Umstand als Tatsache hinnimmt, hat Peter Handke anlässlich eines Abstechers aus Salzburg in Innsbruck am 14. Mai 1987 gestellt. Nachzulesen ist dies in seiner Journalschrift Am Felsfenster morgens, worin freilich auch festgehalten wird, dass der große Sohn seiner Heimat einen »immer noch unüberwindlichen Widerwillen gegen Leute und, leider auch oft, Land hier« hegt. Die in Salzburg geborene und aufgewachsene Schauspielerin und Drehbuchautorin Ingrid Kaltenegger hat sich nun für ihren ersten Roman ein Exemplar dieser Spezies vorgenommen. Es ist männlich, 48, verheiratet mit der Linn, eine Tochter, die Julie, hat einen II L-Vertrag an einem Salzburger Oberstufenrealgymnasium als Gitarrenlehrer und heißt Franz Brandstätter.#»Warum bin ich bloß so ein Arschloch?«, fragt sich der Franz nicht nur einmal und stellt damit einen Zusammenhang mit dem großen Dichter her, der sich, wie ein namhafter Kritiker einmal geschrieben hat, neben Schwergewichten wie Hölderlin und Kafka auch das Schwatzhafte, Banale, Vertraute unzähliger Singer-Song-Writer angeeignet habe. Ingrid Kaltenegger hält sich geflissentlich vom Schwergewichtigen entfernt. Das Schwatzhafte, Banale, das Vertraute, das den gediegenen Singer-Song-Writer angeblich auszeichnet, liegt ihrnäher. Sie erfindet für ihren ersten Roman also auch keinen unverwechselbaren Einzelgänger, sondern verstrickt ihre Leser (wahrscheinlich eher ihre Leserinnen) in das Schicksal eines unheldenhaften Durchschnittsmusikers, der einem jederzeit im durchschnittlichen Bekanntenkreis unterkommen könnte. Wenn hier im Übrigen von »dem Franz« die Rede ist, so ist das keine Marotte »des Bernhard« (Sandbichler), sondern gemahnt an »den Wolf« (Haas), der mit »dem Brenner« den umgangssprachlich verwendeten bestimmten Artikel bei Namen auf literarisches Niveau gehoben hat. Möge jeder selbst entscheiden, ob er das mag.#Der Franz jedenfalls hat bessere Zeiten gesehen, damals als ihn ein rauschhaftes Bühnenerlebnis in die Arme und ins Bett der Linn geworfen hat, die ihn bewunderte. Gitarrenriffs und -soli, Boxentürme und Megahallen gibt es mittlerweile nur noch in des Franzens Träumen. Irgendwie hat sich alles anders entwickelt, keine Rock-Karriere, sondern eben eine Frau, ein Kind, ein Job. Das muss nicht in Ambitionslosigkeit, Lebensüberdruss, Unglück münden, aber das tut es halt doch im Durchschnitt. Drogenexzesse hat es beim Franz nie gegeben, allein seit er in einen tödlichen Verkehrsunfall auf der Ignaz-Harrer-Straße geraten ist, halluziniert er einen Geist. Und das kam so: Nicht dass er mit der Linn auf einen spiritistischen Workshop aufs Land gefahren wäre. Es war eine entsprechend ernst zu nehmende Sache. Der Fahrstuhl zum Glück hieß das, nach einem »Standardwerk der Selbsthilfeliteratur« (laut der Linn). »Es muss sich was ändern zwischen uns«, hatte die Linn gesagt, und er: »Ja eh.« Sie: »Mir ist das wirklich wichtig«, und er nickte. Dann musste er im Sitzkreis seinen Traum offenbaren: »Stagediven.« Am überraschtesten, erfährt man, war der Franz selber über diese Selbstoffenbarung. Das mit dem Geist passierte nach der Kaffeepause am Nachmittag. Der Guru, der Scott Acton, ließ alle die Augen schließen, sich super fühlen, und dann die auslösende? Aufforderung: »Da siehst du weit entfernt am Horizont eine Gestalt.« Der Wahnsinn ist, dass es da tatsächlich eine Gestalt gibt, die den Franz anspricht. Es ist nicht die Erleuchtung, sondern der Stachowiak Egon, ein pensionierter Wiener Physiker, der in Salzburg sein Glück, die Hirsch Mali, suchte und dabei, siehe oben, tödlich verunglückte. Verunglückte. Weil: Das Glück ist, wie es im Lied heißt, »gar liab, aber scheu«, lässt sich »schwer fangen, aber fortgflogn is glei«, kurz: »Das Glück is a Vogerl«. Und die Mali, die Jugendfreundin vom Egon, ist auch irgendwie so ein Vogerl und jetzt eine Komapatientin in der Salzburger Seniorenresidenz Amadé.#In Kalteneggers Buch kommt das Vogerl zwischen die Textpassagen geflogen, und von Beginn an ist die Konstellation so, dass das literarische Glücks-Gspielettl tadellos abschnurrt. Eins gibt das andere, formal und inhaltlich; formal, weil die letzten Worte eines Kapitels stets zur Überschrift des nächsten werden; inhaltlich, weil zum Beispiel die Tessa, die Altenpflegerin der Mali, die Bassistin in einer Band ist, mit der der Franz auch was hat (mit der Band und mit der Bassistin). Oder: Der Franz ist natürlich scheu wie ein Vogerl vom Glücksseminar weggeflogen, das war nicht Seins, wie man so sagt. Er ist ja mehr der Typ, der hochgradig untalentierten Schülern mit Altgriechisch kommt. Das bringt die natürlich auch nicht weiter, aber erleichtert des Lehrers Leben. Wenn der Schüler aber jetzt der angehimmelte Freund von der Tochter ist? Und der Sohn von der Arbeitspsychologin, zu der der suspendierte Burnout-Pädagoge gehen muss?#Wir erleben eine kriselnde Familiensituation mit: schonungloses Aufarbeiten auf weiblicher, verständnislose Ignoranz auf männlicher Seite; zwischendrin, und ohne allzu großes Interesse am einen wie andern das pubertierende Einzelkind. Mit »feinstem schwarzem Humor« werde hier »vom Irrsinn des Alltags« erzählt, meint der Verlag, und etwas vollmundig: »Ein grandioser Roman über die wahnwitzigen Umwege, die Leben und Liebe so nehmen.« Ja eh. schwoazze dintn wird hier freilich keine verspritzt und schon gar nicht werden Tauben vergiftet. Dagegen ist das Salzburger Glücksvorgerl mit Verlaub ein Lercherlschas. Sagen wir es anders: Es ist ein leichtfüßiger Reigen, der durch 24 Kapitel tanzt. Die Lektüre lässt sich in den 24 Stunden eines Tages auch gut unterbringen, gerade wenn Sommer ist, gerade wenn man am Strand liegt. Das Gelesene fliegt, irgendwie wie eine Vogerl, dann weg, was durchaus entspannend ist. Wollen wir dieses humorvolle Leichtgewicht zum Schluss aber doch noch einmal mit ein wenig Geistesgröße beschweren. »LAutriche«, meinte der französische Staatsmann Georges Clemenceau lange vor Handke, »cest ce qui reste.« Und Ingrid Kaltenegger lässt ihren Österreicher am Ende programmatisch sinnieren: »Der Rest würde sich ergeben. Das tut er immer, der Rest.« So schließt sich ein Kreis der Selbstgenügsamkeit, über den sich Peter Handke vielleicht nicht zu Unrecht mokiert.