Unter Wert

Bezeichnung Wert
Titel
Unter Wert
Untertitel
warum Care-Arbeit seit Jahrhunderten nicht zählt
Medienart
Person
Verlag
dtv
Jahr
ISBN13
978-3-423-28464-6
Annotation
Was wahre Fürsorge-Arbeit kostet – und warum sie noch immer nicht als solche gesellschaftlich wahrgenommen wird. (GS) Während eines Krankenhausaufenthalts stieß Autorin Emma Holten auf einen Zeitungsartikel aus dem Jahr 2020, der titelte, dass Frauen nach wie vor ein Verlustgeschäft für den Staat darstellten. Sie seien weniger wertvoll – aber welcher Wert wurde dort besprochen? Offensichtlich der wirtschaftswissenschaftliche, ausschließlich auf monetäres Wachstum ausgerichtete. Viele von uns lassen sich von dieser Sichtweise (ver)leiten, jedoch wird dabei ausgeblendet, dass hinter jeder florierenden Wirtschaft unbezahlte Fürsorgearbeit steht: angefangen beim Nachwuchs, der künftig diese Wirtschaft aufrechterhalten soll, über die Versorgung der arbeitenden Bevölkerung vor, während und nach der Erwerbsarbeit (man denke an saubere Kleidung, Mahlzeiten etc.) bis hin zur Pflege jener, die aus dem Arbeitsleben ausgeschieden sind. Wenn sich die derzeitige Marktwirtschaft weiterhin so arrogant aufführe, könne es passieren, dass ihr eines Tages die bislang gratis geleistete Fürsorgearbeit ausgehe – mit dramatischen Folgen: Es bräche das ganze System zusammen. Holten beschreibt im Buch jene Mechanismen, die dazu geführt haben, dass die (meist von Frauen verrichtete) Fürsorgearbeit politisch und wirtschaftlich niemals von Bedeutung war. Seit den Anfängen der Wirtschaftswissenschaften fehlte dieser Leistung jegliche Würdigung – ein Missstand, der dringend behoben werden müsse, so Holten. Sie führt vor, was auf dem Spiel steht, sollte sich daran nichts ändern. Holten diskutiert auf verschiedenen Ebenen, was gesellschaftlich und politisch als Wert und Unwert empfunden wird. Momentan liege der Fokus der preisfixierten Politik noch immer auf der Wirtschaft. Diese Sicherheit sei jedoch trügerisch. Das Buch findet einen guten Mittelweg zwischen dem gewissen Etwas an Appellation und objektiver Betrachtung des Ist-Zustands. Die Autorin ist parteiisch, aber stützt sich dabei auf gut fundierte Studien, um unsere Blickweise argumentativ zu wandeln. Eine unbedingte Empfehlung.