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Wo kommen die Worte her?

Bezeichnung Wert
Titel
Wo kommen die Worte her?
Untertitel
neue Gedichte für Kinder und Erwachsene ; Gedichte und Bilder aller Art
Medienart
Verlag
Jahr
ISBN13
978-3-407-79986-9
Schlagwort
Annotation
Annotation: Neue, fulminante Gedicht-Anthologie des renommierten Verlegers mit der Vorliebe für Poesie. Rezension: Kinder sind, was man von den meisten Erwachsenen nicht behaupten kann, besonders empfänglich für Gedichte. Verse und Reime entfalten ihren Reiz, bevor die einzelnen Worte verstanden werden, und die Lust am Klang und Rhythmus der Sprache beginnt schon viel früher: Noch im Mutterbauch, erzählt eine Freundin, habe ihr Baby auf das Vorlesen von Gedichten stark reagiert. Man kann also nicht früh genug beginnen, Kindern Lyrik vorzustellen. Eine besonders schöne Möglichkeit ist die neue Anthologie "Wo kommen die Worte her?" von Hans-Joachim Gelberg. Über 200 Autorinnen und Autoren, Illustratorinnen und Illustratoren haben sich von der Titelfrage inspirieren lassen. Mit Gedichten aller Art, kleinen Ornamenten bis zu ganzseitigen Bildern und Rätseln ist dieser Band eine wahre Schatzkiste, die Kinder wie Erwachsene zum Entdecken einlädt und lange vorhält. Wer sich nicht in die Fülle der Stimmen und Formen stürzen, sondern in ein Werk vertiefen will, dem bietet die Reihe "Gedichte für neugierige Kinder" des Boje Verlags Gelegenheit dazu. Die Bände sind in schlichtem Schwarz und jeweils einer umso leuchtenderen Kontrastfarbe illustriert und bieten zeitgenössischen und wiederentdeckten AutorInnen einen würdigen Rahmen. Hier stößt man auf eine große Lyrikerin des 20. Jahrhunderts, die sowohl Kinder als auch Erwachsene zu erreichen vermochte: Mascha Kaléko wurde im Berlin Anfang der Dreißigerjahre mit Großstadtlyrik bekannt. In ihren Gedichten, die im besten Sinne einfach sind, entwickelte sie einen eigenen Ton aus feiner Ironie und zarter Melancholie. Kaléko bekannte sich zum Reim und schuf Gedichte, die trotz ihrer geradezu hüpfenden Leichtigkeit in die Tiefe reichen. Beim Publikum beliebt, wurde sie gern als Verfasserin von "Gebrauchslyrik" abgetan. Kaléko antwortete - natürlich - in Versen: "Weiß Gott, ich bin ganz unmodern. / Ich schäme mich zuschanden: / Zwar liest man meine Verse gern, / Doch werden sie - verstanden!" Kurz nach ihrem Durchbruch mit dem "Lyrischen Stenogrammheft" erhielt die Dichterin jüdischer Herkunft Schreibverbot. 1938 emigrierte sie mit ihrem zweiten Mann und dem Sohn in die USA. Mit manchen Entbehrungen überlebte die Familie den Zweiten Weltkrieg im Exil. Die Lebenssituation blieb nach dem Krieg prekär, und Kalékos dichterische Produktion stockte. Für ihren Sohn begann sie wieder zu schreiben und dichtete sich, weg von Zeit- und Erlebnislyrik, direkt ins Reich der Fantasie. Zwei Bände, mit Witz und Charme illustriert von Verena Ballhaus, sind in der Boje-Reihe erschienen und machen Kalékos Kindergedichte einer neuen Generation zugänglich. "Wie's auf dem Mond zugeht" versammelt fantastische Reisen, Alltagsgedichte und Limericks. "Der Papagei, die Mamagei und andere komische Tiere" stellt einen ganzen Zoo von Tieren mit allzu menschlichen Zügen vor. Gereimt wird zwanglos, dafür mit Selbstironie: "Ich traf einmal - in San Domingo / Am Meeresstrande 'nen Flamingo. / Gewiß, der Ort ist recht entlegen. / Doch war es dort! Des Reimes wegen." Dichten, vermittelt die Autorin, soll Spaß machen: "Wißt ihr, was "falsche" Reime machen, / Wenn sie sich ansehn? Nun, sie lachen!" Neben heiteren werden wehmütige Töne angeschlagen: Der unverkennbare Kaléko-Sound klingt auch in den Gedichten für Kinder durch. So erstaunt es nicht, dass ein Bewunderer wie Albert Einstein besondere Freude an der Gedichtesammlung "Wie's auf dem Mond zugeht" fand. Wirkliche Poesie gebe es nur einmal, sagt Hans-Joachim Gelberg, nicht so und so, also doppelt, einmal für Kinder und einmal für Erwachsene (etwa zum halben Preis). Und hochwertige Kinderlyrik-Anthologien und -Reihen wie diese begleiten nicht nur Kinder beim Entdecken der Sprache, sie führen auch Erwachsene wieder näher ans Gedicht. Reisen wir also gemeinsam dorthin, wo die Worte herkommen, durchlaufen wir einen literarischen Zoo oder begeben wir uns - in bester Gesellschaft - auf einen lyrischen Trip zum Mond.
Antolin Antolin