Alltag auf arabisch

Bezeichnung Wert
Titel
Alltag auf arabisch
Untertitel
Nahaufnahmen von Kairo bis Bagdad
Verfasserangabe
Gawhary, Karim el-
Medienart
Sprache
Person
Verlag
Ort
Wien
Jahr
Umfang
222 S.
ISBN10
3-218-00783-6
ISBN13
978-3-218-00783-2
Schlagwort
Annotation
Das Dauerkrisengebiet Nahost hier einmal ganz anders. Karim El-Gawhary, für den ORF in Kairo verantwortlich, berichtet nicht hochtrabend über demokratische Entwicklungen in Ägypten, den Befriedungsindex im Irak oder aktuelle Tendenzen im Streit der Kulturen. Stattdessen erzählt er selbst Erlebtes aus arabischen Ländern. Als Heimischer in beiden Kulturkreisen kann er das besonders gut, hat er doch einen ägyptischen Vater und eine deutsche Mutter. Seine Geschichten zeugen vom alltäglichen Verkehrschaos in Kairo oder von der (auch dem Westen nicht fremden) Doppelmoral in Sachen Fasten, Alkohol und Sex. Auch fehlt ein Beitrag über zugewanderte Fellachen nicht, welche auf dem Dach nebenan, mitten in Kairo, ihre Hühner halten und zwecks gesicherter Milchversorgung gleich noch eine Kuh einbürgern. Aber El-Gawhary beschreibt hier auch die schrecklichen Kriegserlebnisse von Freunden in Beirut, Gaza und Bagdad. Ein kurzer Vorspann führt in die jeweiligen Themenbereiche ein. Beinahe hundert hautnah erlebte Begebenheiten, thematisch über alle Lebensbereiche gestreut, sind hier versammelt - das ergibt einen guten Überblick und lässt einen erahnen, wie es im arabischen Dreieck weitergehen könnte. Wie unterschiedlich die Denkweisen zwischen Okzident und Orient sind und wohl auch bleiben werden. Ein auch für Jugendliche empfehlenswertes Buch, mal ganz abseits von der stets geschönten offiziellen politischen Lesart. ---- Quelle: Bücherschau (Büchereiservice des ÖGB) (http://www.buecherei.at/); Autor: Wolfgang Gauglhofer; Zwei Jahrzehnte hat der Autor in deutschsprachigen Zeitungen Geschichten von den Menschen in Kairo, Beirut und Bagdad veröffentlicht. Diese vielen Schlaglichter auf den arabischen Alltag, angereichert um neue Texte machen das vorliegende Buch aus. Es will nicht die vielen politischen und militärischen Krisen beschreiben und deuten, die diese Region durchlaufen musste und durchläuft, sondern Nahaufnahmen liefern, um dem europäischen Leser "seine unmittelbaren und doch so fernen arabischen Nachbarn" näher zu bringen. Alle Facetten des arabischen Alltags hier auch nur annähernd zu nennen, ist nicht möglich, zu vielfältig ist das Mosaik. Ob es sich um den Fetisch Auto und wahnwitzigen Verkehr handelt, die Umweltverschmutzung, die sommerliche Wassernot in Kairo, die Qualen der 7000 Jahre alten ägyptischen Bürokratie oder wie man mit einem Euro am Tag überlebt, das alles berichtet Karim El-Gawhary voll Mitgefühl, jedoch ohne je weinerlich zu werden. Im Gegenteil, die zwischen 1995 und 2007 entstandenen "Ramadan-Geschichten" zum Beispiel erzählen in heiterer Form, wie die religiöse Idee von Kommerz und Konsum in diesem für Muslime so wichtigen Fastenmonat oft verfälscht wird - die Parallele zu unserem Weihnachtsfest drängt sich auf. In den unter "Kriegsdepeschen" zusammengefassten Berichten vom Libanon-Krieg und Irak-Krieg hat Humor keinen Platz mehr - zu groß das Leid, zu total die Hoffnungslosigkeit. Eine 49-jährige Irakerin fasst in ihrer Exilwohnung in Kairo nach den Saddam-Hussein-Jahren, den acht Jahren Krieg mit dem Iran, zwei Kriegen mit den Amerikanern und fünf Jahren Besatzung zusammen: "Ich habe mein ganzes Leben verloren."
Übersetzung
Deutsch
Trägermedium
Band