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      <marc:subfield code="a">Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html); #Autor: Christine Perkonigg; #Erzählung von einer ungwöhnlichen Liebesgeschichte. (DR)##Eine Bekanntschaft, deren Anfang in einer Berliner Bar gesetzt wird. Mann und Frau lernen einander über ein Kunstereignis kennen, beginnen ein Gespräch und stehen nach wenigen Stunden vor der Entscheidung einer ewigen Trennung oder einer gemeinsamen Woche. Diese Erzählung schildert in einer überzeugenden Klarheit eine Partnerschaft, die sich durch Leidenschaft, Fröhlichkeit, Ironie und Satire sowie einer intensiven Kommunikation auszeichnet. Das Erlebnis einer Romanze, welche sich in wenigen Tagen abspielt und so manchen Rückblick der Erzählerin bietet, ist "Manchmal das Paradies". Der Titel verführt schon im Vorfeld zu Träumereien, der Gedanke sich in die Erzählerin hineinzuversetzen und dieses Erlebnis als persönliche Erfahrung wiederzugeben schwebt immer in greifbarer Nähe. Erika Wimmer erzählt mit einer unverwechselbaren poetischen Stimme von Momenten des Glücks, der Bereitschaft dem Gefühl zu folgen und  dadurch vielleicht bis ans Ende der Welt zu reisen um das Paradies zu sehen, aber auch zu fühlen. Der unverblümte Stil der Autorin, die leichte Irritation und der provokative Anklang sind vielleicht gewöhnungsbedürftig, empfehlenswert ist dieser Roman allemal.## ---- #Quelle: Literatur und Kritik; #Autor: Sabine Rothemann; #Von einer Reise in die dünne Luft der Bergwelt##"Manchmal das Paradies" ist ein Buch, das seine Geschichten und die Eigenarten seiner Figuren nur ganz langsam freigibt. Erika Wimmer erzählt von einer jungen Frau, die in Berlin lebt und noch nicht recht weiß, was sie will. In »städtischer Lederkluft« gekleidet, lernt sie in ihrer Stammkneipe einen Mann kennen, den sie bereits am nächsten Tag auf eine Reise in das Tiroler Hochland begleitet. Über steile, dunkel bewaldete Hänge und vorbei an schwarzen Gehöften in schwindelerregender Höhe fahren sie und werden ein Liebespaar. In der Bergwelt ist ein Projekt zur Jahrtausendwende geplant. Eine riesige Holztribüne soll an den Himmel stoßend auf einen Berggipfel gebaut werden. Menschen aus ganz Europa werden hier erwartet, die ihn  besteigen, auf der Tribüne Platz nehmen und in die Zukunft blicken werden. An diesem zentralen Thema der Erzählung reiben sich die Auseinandersetzungen zwischen dem neu gewonnenen Freund der Ich-Erzählerin, Humen, und dem ortsansässigen Architekten Moser. Dieser plant das ins Große und Großartige angelegte Vorhaben, wobei er, immer wenn er davon spricht, seinen Blick hoch auf die Berge, den Ort zukünftigen Geschehens, bedeutungsvoll richtet. Die Menschen würden den Blick in die Weite als einen Blick in die Tiefe des Kosmos begreifen. So er, der Architekt und Kulturschaffende im Dorf. Gegen das kommerziell orientierte, auf Sensation ausgerichtete Unternehmen verficht Humen ein ästhetisches Konzept des Widerstands. Er will die Wirkung bloßer, eitler Selbstbespiegelung des Menschen in der ihm suggerierten Überzeugung seiner Selbstherrlichkeit unterlaufen. Der Weg zur Himmelsschau müsse gesperrt werden, damit die Besucher auf selbst zu entdeckenden Umwegen sich den verheißungsvollen Ort der Tribüne auf der Spitze des Berges erobern könnten. Die Wut über die enttäuschte Erwartung, die das Spektakel verspricht, wäre der Antrieb, die Bergerklimmung auf sich zu nehmen. Eine Umschleichung des überraschend versperrten Hauptweges bedeutet Selbstüberwindung. Nicht durch jene ihm illusionär zugeführte Wirkung, sondern darüber erhält der Akt seinen eigentlichen Wert. Denn er bildet die Grundlage, um das wahrzunehmen, was dort nach oben wie nach unten wirklich zu sehen ist. Bezeichnenderweise kristallisiert sich eine solche mögliche Deutung des Gegenkonzeptes erst am Ende des Buches heraus. Bis dahin hüllt sich Humen gegenüber Moser in widerspenstiges Schweigen und wirkt im Stillen. Das Tribünen-Projekt, Gerüst der Erzählung, ist zugleich Metapher. Denn auch sehr vorsichtig und still ist die Begegnung zu zweit, und kurz sind die Augenblicke des Glücks, eben »manchmal das Paradies«. Von Steilwänden der hohen Berge umgeben und den, wie es durchgängig heißt, »hochverlegten Horizont«, die Linie Berg/Himmel im Blick, fällt das städtisch-geckenhafte Auftreten der Ich-Erzählerin von ihr ab, und sie vollzieht die Annäherung an die neue Umgebung. »Es ist die bloße Bereitschaft, bis ans Ende der Welt zu fahren, die einen befähigt, das Paradies zu sehen.« Die Erzählung nimmt den Zusammenhang der Bewegung des Fahrens mit dem prozessualen Charakter des Erfahrens und des Erkundens der äußeren wie der inneren Wirklichkeit ernst. Für die Ich-Erzählerin bedeutet die Reise ins Hochland eine Reise in ihre Vergangenheit auf dem elterlichen Bauernhof in der Oberpfalz. Ihr Aufenthalt im Tal setzt die Erinnerungen an das eigentümlich tragische Leben ihres Bruders, mit dem  ihr eigenes intensiv verbunden ist, in Gang. Das Tal ist zwar eng, aber der Ort erscheint ihr hell, dagegen liegt der elterliche Bauernhof in weitem Land, aber in der Erinnerung war das Leben dort leer und dunkel. Der einzige Lichtblick und die Hoffnung auf Veränderung in der beklemmenden Enge des bäuerlichen Lebens war ihr älterer Bruder. Er ging nach Berlin, um etwas aus sich zu machen, um aufzusteigen. Später folgte sie ihm nach. Ihre innige geschwisterliche Liebe speiste sich aus einer Art Verschwörung gegen das dumpfe und enge Leben, die aber schon bald in der fremden Welt der Großstadt zerriß. Während des Umhergehens in den Steinmassen und der Spaziergänge in den Wäldern und über Wiesen und Felder läßt sie mehr und mehr diesen Erinnerungen ihren freien Lauf und sie entsinnt sich ihrer Arbeit als Bildhauerin in Berlin. Sie beginnt ihre hergestellten Objekte zu schätzen, weil ihr klar wird, wie sie zu betrachten sind. Auch hier wieder greift der Erzählrahmen »Bergtribüne«. Nichts außerhalb ihrer selbst symbolisieren die Arbeiten, sondern der Bedeutungsgehalt liegt einfach in ihrer puren Existenz, auf die die Objekte in ihrer Gestaltetheit verweisen.#Das Erzählen verläuft entlang der Gegensätze Höhe und Abgrund, hell und dunkel, eng und weit, verzweifelt und glücklich, allein und zu zweit, Verwirrung und Klarheit und schließlich verdrängte und wiedererinnerte Vergangenheit der Ich-Erzählerin. Über das literarische Gestaltungsprinzip dieser Antagonismen verschränkt die Autorin die nur durch Absätze gegliederten Zeitebenen ihrer Kindheit auf dem Land, ihres Lebens in Berlin, der Gegenwart der Reise, und wieder in Berlin angekommen, mit der Gegenwart des Erzählens. Was ihr in Berlin von der Reise bleibt, sind einige Tonbandaufzeichnungen der Gespräche über das Tribünenprojekt und eine kleine letzte Notiz des Geliebten mit der knappen und deutlichen Mitteilung »Such mich nicht«. Beides findet sie nach einigem vergeblichem Warten auf dessen Rückkehr im Handschuhfach ihres Autos vor, und an beidem entzündet sich das Erzählen immer wieder neu. So schlägt sich das Ineinandergreifen der verschiedenen Zeiteinheiten auch sprachlich nieder. Die Erzählerin versetzt sich an den Ort zurück, und dort, noch bevor sie ihn wieder verlassen hat, resümiert sie schon wie aus der Erinnerung. »Eigentlich war hier alles anders, trotz der Enge war es eigentümlich hell an diesem Ort, ich hätte mich nicht an zu Hause erinnert fühlen müssen und tat es doch.«#Die Erinnerungspassagen sind mit dem Erzählfluß verflochten. Erika Wimmer gelingt es, in der Verdichtung von unmittelbaren Sinneseindrücken und den poetisch motivierten Zeitsprüngen in einer klaren und schlichten Sprache zu erzählen. Die hat viele Gesichter. Sie reicht von nüchterner Alltagssprache bis zur rhythmisch-präzise gestalteten Literarität  niemals aber verläßt sich die Autorin auf eine mit Bedeutung angereicherte Unbestimmtheit, nicht auf die bloße Wirkung von Wörtern. Man könnte auch sagen, niemals verläßt sie den Boden ihrer Realität. Einmal in einem Interview dazu befragt, entgegnet sie eindeutig: »Das Schreiben ist Ausdruck meiner selbst.« Wenn dies so ist, dann macht Erika Wimmer aus Lebensstoff kunstvoll Literatur. Mit der Verarbeitung des Stoffes läßt sie sich Zeit, denn wie sie selbst sagt, sei das Private allein noch nicht Literatur. »Das Ziel muß es sein, das Private von außen betrachtet darzustellen, allgemein gültig zu machen.« Erst wenn man die Vergangenheit, das Erlebte distanziert anschauen könne, halte sie einen Text für gelungen. Und schön und gelungen ist die Erzählung »Manchmal das Paradies«. Denn sie vereinigt beides. Sie ist voll von gelebtem Leben und ist doch ganz Sprache. Die gebürtige Boznerin, die seit über zwanzig Jahren in Innsbruck lebt und inzwischen die österreichische Staatsbürgerschaft angenommen hat, trat zuerst 1992 mit ihren literarischen Arbeiten an die Öffentlichkeit. Der Bearbeitung des »Kleinen Hobbit«, ein Theaterstück für Kinder, folgten mehrere Hörspiele für den ORF und 1996 ein Erzählband »Feder Stein«. Mit ihrem in Innsbruck im April 1998 uraufgeführten Bühnenstück »Olympe«, einer Geschichte zweier historischer Frauengestalten aus dem 18. Jahrhundert, die um ihre Freiheit und Rechte ringen, wurde sie über die Grenzen Tirols hinaus bekannt. Nun legt sie ihr erstes längeres Prosastück dem Lesepublikum vor.## ---- #Quelle: SCHRIFT/zeichen; #In einer kleinen Berliner Kneipe begegnet die Ich-Erzählerin,  eine junge Frau in der misslichen Lebenslage, eine, die nicht recht weiß, was  sie will, Humen, einem schon etwas älteren Mann, der genau weiß, was er will.  Aus einer Zufallsbekanntschaft entwickelt sich sehr rasch eine leidenschaftliche  Liebesbeziehung. Schon am nächsten Tag begleitet sie ihn in ein Tiroler Hochtal,  in dem er ein Millenniumsprojekt vorbereiten soll, und genießt die unbeschwerte  Zeit mit ihm. Allerdings wehrt sie sich zu Beginn gegen diesen ländlichen  Aufenthalt, weil er sie allzu sehr an ihre eigene Vergangenheit erinnert, an die  "Niederungen eines oberpfälzischen Bauernhofs", an ihre Eltern und Geschwister,  zu denen die sie mit Ausnahme ihres Lieblingsbruders Manfred den Kontakt  abgebrochen und vor deren seelischer Abwesenheit und Sprachlosigkeit sie  Zuflucht in der Großstadt gesucht hat. Lange ist vieles ungesagt geblieben,  jetzt beginnt sie aufzutauen, sich selber und ihre Berufung klarer zu sehen. Mit  Humen lebt sie ganz in der Gegenwart, in der allmählich auch die verdrängte  Vergangenheit Platz hat. Für sie ist diese Beziehung ein Stück Paradies, der  Aufenthalt darin allerdings nicht von Dauer. Erika Wimmer geht behutsam einer  ungewöhnlichen, geheimnisvollen Liebesgeschichte nach, deren Ende keine Hoffnung  auf einen Neubeginn lässt.#Ursula Stock#*Sz*#Februar 2001</marc:subfield>
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