Jessica, 30
| Bezeichnung | Wert |
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| Titel |
Jessica, 30
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| Untertitel |
Roman : drei Kapitel
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| Verfasserangabe |
Marlene Streeruwitz
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| Medienart | |
| Sprache | |
| Person | |
| Verlag | |
| Ort |
Frankfurt a. M.
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| Jahr | |
| Umfang |
254
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| ISBN13 |
978-3-10-074427-2
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| Schlagwort | |
| Annotation |
Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html); #Autor: Fritz Popp; #Lifestyle, Sex und Politik im Spätkapitalismus. (DR)##Es läuft nicht so gut für Jessica: in ihrem nicht so sicheren Job bei einer Frauen-Klatschzeitschrift mit ursprünglich emanzipatorischem Anliegen und auch in ihrem Privat- und Liebesleben. Aber Jessica rennt: Wortwörtlich, wenn sie verbissen joggt und ihrer Idealfigur für die superschicken Modeklamotten nachhechelt. Oder dem Erfolg nach - aber sie findet sich bereits zu alt, um neu anzufangen, aber noch zu jung für eine Pension, zu intelligent, um von ihren Jobs ausgefüllt zu werden, zu anspruchsvoll für eine Partnerschaft. Und außerdem plagt sie eine Art "Finalisierungsneurose", die sie daran hindert, etwas fertig zu machen. Eigentlich wäre sie am liebsten die ewige Post-Graduate-Studentin, die die Lehrenden kontrolliert. Und dann gibt es noch diese Beziehung zu einem verheirateten ÖVP-Staatssekretär mit besonderen sexuellen Vorlieben und Geschäften. Und durch ihn kommt sie auch an eine ganz heiße Geschichte in Zusammenhang mit Politik, Frauenhandel und Prostitution. Im dritten Teil des Buches - ebenso wie die beiden ersten Kapitel ein furioser, atemloser, selbstquälerischer Monolog und Rundumschlag gegen Society-Tussis, österreichische Gegenwartspolitik und Medien - macht sich Jessica auf, um sich an diesem Staatsekretär und am politischen System zu rächen. Zusätzlich sei noch verraten, dass der ganze Text ein atemloses Stakkato ist, bestehend aus einem dichten Assoziationsgefüge eines inneren Dialogs bzw. aus drei Sätzen. - Komprimierter, zeit- und sozialgeschichtlich aktueller Text.## ---- #Quelle: Bücherschau (Büchereiservice des ÖGB) (http://www.buecherei.at/); #Autor: Kristina Reich; #In diesem Buch setzt Marlene Streeruwitz sich kritisch mit dem Lebensgefühl der sogenannten Neuen Generation und den "Schöner Leben"-Idealen der Gesellschaft auseinander.#Die Protagonistin Jessica ist dreißig und leider ohne Job, dafür aber mit einem Staatssekretär liiert. Sie joggt durch den Prater, nicht weil es ihr Spaß macht, sondern weil sie sich dem Zwang der Gesellschaft unterwirft. Schön, fit und schlank muss sie sein. Gleichzeitig kritisiert sie diese Vorschriften und hinterfragt sie kritisch. Ihre Freundinnen sind schon in den erfolgreichen Arbeitsalltag eines Frauenmagazins eingegliedert, sie ist gerade dabei, zu überlegen, wie sie sie dazu bringen kann, sie auch einzustellen. Im zweiten Kapitel kommt es zu einem Missbrauch durch den Staatssekretär und Jessica beschließt, sich zu rächen. Sie recherchiert eine Affäre der angeblich respektablen Politiker mit Prostituierten aus dem Osten und macht sich im dritten Kapitel mit dieser Geschichte auf den Weg nach Deutschland, um sie in einer bekannten Zeitung veröffentlichen zu lassen.#Sehr interessant ist die gelungene sprachliche Gestaltung. Streeruwitz' Sprachstil erinnert an den Rhythmus des Laufens. Sie lässt Jessica im Inneren Monolog erzählen, endlos und mit kurzen Satzfetzen, in Anklang an Schnitzlers "Leutnant Gustl". Während des Laufens rasen Jessica alle möglichen Gedanken durch den Kopf, ob nun Schönheitswahn oder Kosmetik, Männer oder die Liebe, der ganze Medien-Alltag des täglichen Lebens mit Anspielungen auf den Zeitgeist. Jessica versucht die Kritik am gelebten Alltag, ist aber immer noch eine Gefangene dessen, und zeigt dadurch die Schwierigkeiten der sogenannten modernen aufgeklärten Welt.## ---- #Quelle: Literatur und Kritik; #Autor: Susanne Schaber; #Jessica läuft/#Marlene Streeruwitz' "Jessica, 30."#Laufen. Es ist saukalt und eisig, die kühle Luft schmerzt in den Lungen, die Muskeln werden hart und steif, der innere Schweinehund bellt lauthals. Aufgeben? Nein, weiter, weiter und weiter. Jessica läuft. Das hat sie nun davon: Schokoeis und dann noch ein ganze Packung Mövenpick Maple Walnut. Hat wohl sein müssen. Und nun sitzen gut 735 Kalorien zuviel auf Hüfte und Schenkeln, und die müssen wieder weg. Jessica läuft und läuft. Die Welt ist bitter.#"Jessica, 30.", so der Titel des neuen Romans von Marlene Streeruwitz. Ein Buch, das schnell auf Touren kommt und zügig dahin zieht, atemloser als die Romane zuvor. Das zerhackte, zerfleischende Stakkato, einst das Markenzeichen der Streeruwitz, ist einer Endlosschleife gewichen: In drei Kapiteln und drei langen Sequenzen taucht der Band in das Innere einer jungen Frau ab. Jessica, 30. Einigermaßen hübsch, leidlich erfolgreich als angehende Journalistin, wenig glücklich als Geliebte eines ÖVP-Staatssekretärs.#Er ist verheiratet, was sonst? Jessica turnt herum, rennt von einer Idee zur nächsten, kommt nirgends an. Ziel? Keines. Oder doch? Das Kalorienzählen ist wichtig, das Businessoutfit, die Souveränität des Hosenanzugs. Darunter Herzklopfen, Angst, Mutlosigkeit. "dass einem das Leben wichtig ist und nicht das Funktionieren, die Mama die war Weltmeisterin in Fassadengestaltung, die war ja nicht einmal nach dem Schlafen unfrisiert, nie, das war die nie, und das wollte sie für sich, das wollte sie gegen mich und damit hat sie mir dann eigentlich beigebracht, außerhalb zu sein, die Person, die schaut und nicht die, die angeschaut wird, deshalb sitze ich so schwer in mir und schaue hinaus und kann mich selber nicht sehen"#Sich selber nicht sehen, nicht wissen, wo's hingehen soll: die Generation der 30jährigen. Feminismus? Eines dieser Worte, die nichts mehr heißen. Die Diktatur der Lifestylemagazine hilft nicht weiter, die Diät und das Joggen sind keine Fährten zu sich selbst.#Laufen, eine Runde nach der nächsten. Auch diese neue Prosa von Marlene Streeruwitz jagt schnell dahin und verliert sich in Strudeln und Stromschnellen. Ein Wildwuchs der Sprache, der die Gedanken nicht zurückstutzt und alle Gefühle und Empfindungen ineinander schiebt, ohne auf logische Verknüpfungen zu achten. Und doch verdankt sich dieser innere Monolog, dieser breite Strom von Reflexionen nicht dem Zufall: Der Roman ist fein rhythmisiert und durchgestaltet, er entwickelt eine Melodie, die viele Töne kennt: kein zart komponiertes Lied, sondern eine wilde Symphonie von Klängen, deren Zusammenspiel dann doch nicht beliebig wird. Leitmotive wiederholen sich, Themen kommen in vielerlei Variationen daher, Kontrapunkte setzen Zeichen.#Jedes der drei Kapitel hat eine andere Szenerie, in jeder spiegelt sich das Innere der Heldin. Zwischen den einzelnen Abschnitten des Romans liegen jeweils einige Monate.#Eins. Es ist Winter. Jessica rennt. In ihrem Kopf die Vorstellungen, wie sie zu sein hat: schlank, trendig, eine erfolgreiche Journalistin. Sie schnappt nach Luft: Von all dem ist nicht viel an ihr. Auf der Karriereleiter bleibt sie auf den unteren Stufen hängen, Gerhard, der heimliche Geliebte, nimmt sich, was er braucht, die Zweisamkeit findet zwischen Tür und Angel statt. Und sonst? Ein stetes Hasten, immer den anderen hinterher, fremden Erwartungen, fremden Zielen, den Posen und der Selbstinszenierung. "ich würde mich nie in diesen Schlabberdingen verstecken, wir lassen uns nicht übersehen und wenn mir einer sagt, ich soll meinen Nabel nicht herzeigen, da würde ich sofort gehen, so viel Belohnung muss schon sein, dafür, als Frau herumzurennen"#Zwei. Jessicas Wohnung, mitten in der Nacht. Warten, wieder einmal warten. Der Geliebte kommt nicht, und als er dann da ist, will er ins Bett. Jessica will nicht. Eine Freundin hat ihr gestanden, von Gerhard missbraucht worden zu sein, nun hat auch Jessica Angst. Gerhard wird ungehalten. "Komm, meine Liebe, komm sei jetzt doch gemütlich!" Sein Handy muss mit ins Bett, klar, könnte ja sein, dass seine Frau anruft. Tut sie dann auch. Gemütlich.#Drei. Jessica im Flugzeug nach Hamburg, auf dem Weg zum "Stern". Sie hat eine Geschichte anzubieten, die den früheren Geliebten, den ehrenhaften ÖVP-Politiker, ans Messer liefert. Jessica kann beweisen, dass er auf Steuerkosten die Prostituierten aus dem Osten bestellt hat, für sich und die anderen Herren der Partei. Ob das funktioniert? Vielleicht, und wenn nicht, ist's auch egal. Plötzlich, in der Luft, ist ein neuer Weg in Sicht: "das habe ich gelernt, mit nicht gemachten Hausaufgaben, da lernt man sich durchschlagen, ja, ich bin angeschnallt, und jetzt mache ich die Augen zu, und das ist zu angenehm, das ist wirklich geil, wenn der aufsetzt, wache ich von allein auf, und"#Der Roman endet offen. Zwischen den drei Sequenzen liegen Monate. Jessica rennt nicht mehr im Kreis. Aus den endlosen Runden werden lange Strecken. Das Ziel? Vieles ist möglich. Und doch scheint es, als sei Jessica befreit von allen vorgefertigten Lebensmustern, als würde sie sich erstmals selbst bei der Hand nehmen und alle anderen Leitfiguren in einen tiefen Wald scheuchen. Keine Angst mehr vor dem offenen Feld.#Ein fast schon optimistisches Finale für ein Buch, das einmal mehr die weiblichen Lebens- und Denkmuster durchforstet, das vorführt, wie subtil die Abhängigkeitsverhältnisse geworden sind. Die Korsette von einst sind längst aufgeschnürt, doch die neuen Käfige nicht minder eng. Sie zu erkennen und sich nicht mehr zu fügen, scheint eine der Herausforderungen. Marlene Streeruwitz begegnet ihnen in einem Buch, das Inhalt und Form mühelos ineinander schiebt. Der Monolog, solcherart in Gang gesetzt, strudelt dahin. Nur hin und wieder, ab und an, taucht er zu weit ab in die Niederungen der Ressentiments und billigen Scherzen ("der Falter ist der institutionalisierte Sturm im Wasserglas"). Aber die Welt ist doch weiter als der Wiener Sumpf. Und das Buch von Marlene Streeruwitz zu groß für solchen Kleinkram, der nicht einmal zum Lokalkolorit taugt.#"mit diesem guten Benehmen, da schafft man keine Tatsachen, ein bisschen terroristischer sollte ich sogar sein", nimmt sich Jessica vor. Der neue Roman von Marlene Streeruwitz ist ein ziemlich subversives Buch. Er zündelt und zündet.## ---- #Quelle: Stifterhaus (http://www.stifter-haus.at/); #Autor: Christian Pichler; #Jessica, literarisch missbraucht#Macht (naturgemäß nicht nur in Österreich, auch anderswo) macht Menschen zu amoralischen Monstren. Macht ist immer noch männlich. Wollen Frauen Erfolg haben, müssen sie sich prostituieren, seelisch und/oder körperlich (bzw. müssen Frauen auf die "Großzügigkeit" der Männer hoffen). Und die Politik? - Redet von Gleichberechtigung, meint aber meistens das Gegenteil und zementiert Geschlechterrollen ein.#Willkommen im neoliberalen Dschungel, wie ihn Marlene Streeruwitz aufarbeitet bzw. attackiert. Mit ihrem jüngsten Roman "Jessica, 30." ist Streeruwitz gescheitert. Nicht, dass ihre Thesen falsch wären. Das neoliberale Dogma lautet tatsächlich - jawoll - Ficken oder Gefickt werden. Politik verbirgt dieses Dogma, indem sie mittels kleinbürgerlichen Besitzängsten manipuliert. - Streeruwitz klärt auf, nicht ohne Zorn:#"wenn wir uns alle darauf einigen könnten, dass es ums Ficken geht, dann könnten wir eine ganz andere Politik machen, wenn es nicht immer um diese Kleinbürgerlichkeiten ginge, dass alle so tun, als wären wir im 19. Jahrhundert und müssten uns gegen Fluten von Bettlern und Prostituierten aus anderen Ländern wehren, imgrund wird doch immer nur das Armenrecht repariert, diese ganze Asyldebatte ist doch nur eine Armenrechtsdebatte und wenn man das Ficken als Grundrecht definiert, dann schaut das gleich alles ganz anders aus ()"#Ein Roman, drei Teile: Jessica beim Joggen in Wien; Jessica mitternächtlich in ihrer Wohnung, auf ihren Liebhaber wartend; schließlich Jessica im Flugzeug nach Hamburg, um die politische Karriere des Liebhabers zu zerstören. - Ungewohnt Streeruwitz´ Stil in "Jessica, 30.": kaum noch diese kurzen, abgehackten Sätze, sondern drei Gedankenströme. Erinnerungen, Gedankenfetzen, Beobachtungen, jeweils durch Beistriche getrennt; eingeflochten ein längerer Dialog Jessica-Liebhaber im zweiten Teil.#Der Inhalt: Jessica, 30 Jahre alt, ist freie Mitarbeiterin eines Tussen-Magazins, das verdammt an die österreichische Zeitschrift "Woman" erinnert: nur ja nicht die Leserin überfordern; Schminktipps statt investigativer Journalismus. Jessica in beständigem Pendeln, vielmehr: Taumeln zwischen eigenen Bedürfnissen und Anpassungsdruck an die gesellschaftliche Umgebung. - Ein Kernthema von Marlene Streeruwitz: einen eigenen Blick finden oder den Blicken der anderen gehorchen, sich diesen Blicken unterwerfen?#Jessicas Liebhaber Gerhard ist Staatssekretär, offensichtlich zur Zeit der Parteien-"Sondierungen" der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) im Winter 2002/03. Mia, Kollegin beim Magazin und ehemalige Wohnungskollegin, erzählt Jessica, dass Gerhard Mia vergangenen Sommer zwei Tage ans Bett gefesselt haben soll. Ist Gerhard ein Vergewaltiger? Um Gewissheit zu erlangen, will Jessica Gerhard auf die Probe stellen.#Eine Farce? Eine Satire? Trash? - Nein, Streeruwitz meint es bitterernst, und das tut diesem Roman gar nicht gut. Beispiel Politik: Es gibt einige nachvollziehbare Gründe, die Koalition aus ÖVP und rechtspopulistischen Freiheitlichen, die Österreich seit Februar 2000 regiert, nicht zu mögen. Streeruwitz scheint es aber wie nicht wenigen Menschen im Land zu gehen: Mehrere Jahre schwarz-blaue "Wende"-Politik haben sie müde gemacht. Ihrer Kritik fehlen Distanz, Ironie, Witz. Es bleibt die kalte Verachtung, und das macht die Lektüre von "Jessica,30." mitunter überaus mühsam. So etwa sind Andeutungen über sexuelle Vorlieben eines Landeshauptmann bzw. eines, wie gesagt wird, attraktiven Minister peinlich und fallen auf die Autorin zurück. Darüber hinaus - und dies ist ein gewichtiger Einwand - missbraucht Streeruwitz ihre Figuren: Die politischen Kommentare entspringen nicht Jessicas Gedankenströmen, sondern sind journalistische, soll heißen: nicht-literarische Anmerkungen von Streeruwitz. Darüber hinaus ist vieles, was Streeruwitz Jessicas Gedankenströmen unterjubelt, schlicht banal und unnötig - wenn auch weiterhin stimmt, dass der Alltag das wahre Abenteuer ist.#Ein Thesenroman? Ein Enthüllungsbuch über die Verlottertheit der österreichischen Politik? Dieser Text ist nicht zuordbar, was eine Stärke sein könnte, hier aber eine Schwäche ist. Streeruwitz hat Notizen, Gedankensplitter der vergangenen Jahre gesammelt und sich nicht einmal sonderlich angestrengt, diese tatsächlich in einem "Roman" zu bündeln (was nicht zuletzt ein literarischer Verrat an der Form ist).#Herausragend misslungen ist der Dialog Jessica-Gerhard: So sprechen Menschen nicht miteinander. Eine von der Autorin wohl nicht beabsichtigte, unfreiwillige Komik entsteht dadurch, dass Streeruwitz den Wiener Dialekt der beiden in eine patscherte "Hochsprache" übersetzt. Und muss - um nur noch ein inhaltliches Detail anzuführen - Jessica die Gunst des intimen Augenblicks nutzen, um Gerhard nach den Chancen einer Regierungsbeteiligung der Grünen zu fragen?!#Schade. Diese Rezension schreibt einer, der Marlene Streeruwitz neben Marlen Haushofer zu seinen Lieblingsautorinnen zählt. Streeruwitz erzählt in "Jessica, 30." nicht von Menschen, sondern von Tussen und Machoekeln, von Menschen-Klischees, wie sie auch in Hochglanz-Magazinen aufbereitet werden. Literatur erfordert (ironische) Distanz zu solchen Klischees.#Und doch. Einige wenige Passagen erinnern an die Streeruwitz von "Verführungen" oder "Partygirl"; an die präzise, schmerzlich-sensible Menschenbeobachterin Streeruwitz. Etwa jene Bemerkung, dass mächtige Menschen nicht nur nicht mehr sich selbst hinterfragen, sondern auch keine Begegnung mehr mit Menschen "riskieren", deren Fragen sie tatsächlich beantworten müssten. (Dieser Gedanke ist wichtig, weil er viel über das Wesen von Macht erhellt.)## ---- #Quelle: SCHRIFT/zeichen; #Autor: Ursula Stock; #Die österreichische Autorin und Regisseurin Marlene Streeruwitz, ("Waikiki Beach", "Partygirl", "Sapporo") lebt in Wien und Berlin. Die neben Elfriede Jelinek wohl provokanteste und kreativste heimische Dramatikerin hielt auch Poetikvorlesungen in Tübingen und Frankfurt und bekam für den Roman "Nachwelt. Ein Reisebericht" den Hermann-Hesse-Preis.#Ihr geht es "um Veröffentlichungen aus dem Zentrum der Macht, um die Beschreibung von politischen Klassen, von Machtstrukturen und darum, wie diese funktionieren. Und das in Form von literarischen Geschichten."#Für ihren jüngsten Roman, der vor dem Hintergrund der Regierungsverhandlungen für das Kabinett Schüssel II abläuft, hat sie die Form des inneren Monologs gewählt, er liest sich als einziger, endloser Satz. Der Generation, der Jessica angehört, entspricht formal ein atemloser, von Beistrich zu Beistrich hetzender Text.#Die Jungjournalistin Jessica Somner, 30, gebildet, angepasst, ist auf der Suche nach einem Job und dem richtigen Mann, denn die Affäre mit dem verheirateten Staatssekretär für Zukunfts- und Entwicklungsfragen hat längst allen Glanz eingebüßt, zumal sich auch noch herausstellt, dass der ein ziemlich mieser Typ ist. Schließlich entscheidet sie sich dafür, das zu tun, was sie für richtig hält: Die Machenschaften der Mächtigen aufzudecken und der Öffentlichkeit preiszugeben. Wie meint Marlene Streeuwitz: "Von jedem Punkt des Lebens ist eine Befreiung möglich. Dieser Text untersucht Möglichkeiten für 30-jährige."
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