Brot

Bezeichnung Wert
Titel
Brot
Untertitel
Roman
Verfasserangabe
Karl Heinrich Waggerl
Medienart
Person
Reihe
Reihenvermerk
5
Auflage
88. - 97 Tsd.
Verlag
Ort
Berlin
Jahr
Umfang
371 S.; 19,5 cm
Annotation
Roman von Karl Heinrich Waggerl, erschienen 1930. - Der Autor, der nach seiner Entlassung aus italienischer Kriegsgefangenschaft bis Ende der zwanziger Jahre unter elenden Umständen in dem Pongauer Bergdorf Wagrain gelebt hatte und dort erste literarische Versuche unternahm, fand 1929 auf Vermittlung von Rudolf Pechel, Herausgeber der ›Deutschen Rundschau‹, den Zugang zum Insel-Verlag, für den er seinen Erfolgsroman Brot schrieb. Waren die frühen, gänzlich erfolglosen Texte Waggerls von einem »blanken Nihilismus« (O. Amann) geprägt, so schob er sich mit seinem vom Werk K. Hamsuns geprägten Erstling Brot in die »vorderste Reihe der völkischen Literaturprominenz« (G. Schweizer), deren Blut-und-Boden-Literatur während des Dritten Reiches die Gunst des Staates besaß und auch nach 1945, bis in die sechziger Jahre hinein, ansehnliche Auflagen erlebte. Nach Verbüßung einer Strafe wegen einer jugendlichen Verfehlung zieht sich Simon Röck - »ein einzelner Mann, der arbeitet und in die Zukunft schaut, der sein Herz auftut und einfältig bleibt« - in die Einöde Eben zurück, wo er ein Stück Land kultiviert, einen Wildbach zähmt und bald mit Regina auch eine Frau findet, die ihn in seinem unbeirrbaren Tun unterstützt. Sie bringt ein Kind mit in die Ehe, Sebastian, dessen Vater der Müller des Nachbardorfes ist, ein betrügerischer Charakter, der einen Kurbetrieb aufgebaut hat und damit zum reichsten Mann des Dorfes geworden ist. Er pflegt weiterhin ein heimliches Verhältnis mit Regina, wird dabei aber von Simon ertappt. Die Spannung zwischen beiden Männern verstärkt sich, als auch auf Simons Land eine warme Heilquelle entdeckt wird und der Müller den Besitz an sich reißen will. Mittlerweile hat Regina auch einen Sohn von Simon zur Welt gebracht, eine, wie sich alsbald herausstellt, »bäuerliche« Natur, gewachsen »wie das Korn«, zum Hoferben prädestiniert, während Sebastian stets kränkelt, das Gymnasium besucht und schließlich zum Vagabunden verkommt, getrieben von seinem »Blut«, seiner Heimat entwurzelt. Auch der Müller entgeht dem Schicksal nicht; er macht bankrott und stürzt sich in den Mühlteich. Als man Simon des Mordes verdächtigt, offenbart die zu seinen Gunsten endende Gerichtsverhandlung nochmals den Charakterunterschied dieser beiden Männer: »Brot! dachte Simon. Ruhm! dachte der Müller.« Der Lobpreis des autarken, einfältigen Bauernlebens, das sich im Einklang mit der Natur bewegt, steht in krassem Gegensatz zur Welt der Zivilisation; Handel, Geldgier, Stadtleben, aber auch der gesamte Bereich der »höheren«, theoretisch-abstrakten Bildung erscheinen als dekadente Lebensformen. War der Bauernroman in seinen Anfängen, bei K. Immermann (Der Oberhof, 1838/39) oder J. Gotthelf, die unsentimentale und nüchterne Beschreibung einer eigenständigen, mit eigenen Normen und Regeln ausgestatteten Welt, so erhält er gegen Ende des 19. Jh.s, bei Ganghofer, Anzengruber, W. v. Polenz oder Rosegger, zunehmend eine kulturkritische, konservative Wendung, offenbar in Abhängigkeit vom Wandel der agrarischen Welt durch Industrialisierung und Kapitalisierung aller Lebensbereiche. Je irrealer der Kult des autarken Landmannes wird, der allein dem Pflug folgt und verächtlich allen Verlockungen des Geldes und den Versprechungen des Stadtlebens entsagt, desto unversöhnlicher seine - in ein heroisches Pathos abgleitende - Darstellung in der Blut-und-Boden-Literatur der NS-Zeit