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      <marc:subfield code="a">Indien gilt für Europäer gemeinhin als glückmachender Kontinent, auf dem die Erleuchtung nur so aus dem Blätterdach der Erkenntnis tröpfelt. In letzter Zeit freilich kommt vermehrt auch das schmutzige Indien in den Medien zum Vorschein, wenn von frauenfeindlichen Exzessen und Massenvergewaltigungen berichtet wird. Beide Komponenten verknüpft Franz Kabelka in seinem Thriller "Gesundes Gift", der seine Wurzeln in einer Relax-Zone im Waldviertel hat. Eine gängige Welless- und Erlösungsstrategie bedient sich des Ayureveda-Kults, der wörtlich übersetzt "Wissen vom Leben" bedeutet. In dieser indischen Heilkunst kommen allerhand Salben und Öle zum Einsatz, die nach europäischem Wissenstand durchaus gefährliche Substanzen beinhalten. Im Roman relaxt und säuft Frieda gerade in einer Redaktion in Wien, die Freizeit-Beine sind ins Waldviertel ausgestreckt, da ereilt sie die Nachricht, dass ihr Kollege in Indien bei einem dubiosen Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist. Der Kollege ist bei seinen Recherchen über die dunklen Gesundheitsgeschäfte jemandem zu nahe getreten. Jetzt wird es für Frieda Zeit, nach Indien zu fliegen und irgendwie Licht in die Story zu bringen. In einer Parallelhandlung werden wir in die böse Welt geführt. Die Schwester eines Halb-Kriminellen ist bei einer Massenvergewaltigung in einem indischen Dorf ums Leben gekommen, jetzt macht sich der Bruder auf, alles zu rächen und in einem Aufwaschen zu vernichten. Freilich steckt hinter den lokalen Verbrechen gut getarnt die internationale Kriminalität, und wer in seinem Rachefeldzug seine Kompetenzen überschreitet, dem bekommt das nicht gut. Auf der dritten, internationalen Ebene recherchiert ein Professor in Bosten über gefährliche Substanzen bei alternativen Heilmethoden. Hier steht das internationale Geschäft der Pharmaindustrie auf dem Spiel. Und tatsächlich bekommt der Forscher bald einmal Besuch und ein irres Angebot, eine Menge Kohle zu kassieren, wenn er seine Forschung einstampft. Im hinteren Teil des Romans führen diese Bewusstseinslagen voller Lokalkolorit, österreichischen Kleinbild-Welt und internationalem Verbrechen zu einem Strang zusammen. Dabei wird eine Serie tödlicher Vergiftungen aufgedeckt, vordergründig kann ein bisschen sauber gemacht werden, aber im Hintergrund blühen die Geschäfte mit dem gesunden Gift weiter. Franz Kabelka zeigt in diesem Roman die Diskrepanz zwischen lokaler Empörung und internationaler Souveränität des Verbrechens. So lange Menschen unbedarft an fremde Heilkünste glauben, verdecken sie dabei auch die Aufklärung diverser Missstände. Denn an etwas Exotisches zu glauben bedeutet immer auch, das Dämonische darin mit zu glauben. Die Wellness des einen ist eben die Hölle des anderen, lautet die Erkenntnis dieses Thrillers. Helmuth Schönauer</marc:subfield>
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